Anders leben: „La Vagabonde“ und der Luxus-Katamaran – Anfang vom Ende der Erfolgsstory?

Klassenwechsel

Sind Elayna und Riley mit der Übernahme ihres 1-Million-Dollar-Katamarans in der Welt der Reichen und Bequemen angekommen? Eine finanzielle und emotionale Bestandsaufnahme. 

Es ist eigentlich eine tolle Story: Der Australier Riley kaufte sich vor drei Jahren eine Yacht in Italien, hat aber vom Segeln keinen blassen Schimmer. Nach seinen ersten Törns trifft er in Griechenland auf die bezaubernde Elayna, ebenfalls Australierin und genauso unbeschlagen in Sachen „Segeln“. Die beiden verknallen sich ineinander und beschließen, gemeinsam die Sieben Meere zu besegeln. Und… sie machen das tatsächlich.

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Andere Zeiten, andere Boote © la vagabonde

Was bei anderen oft nur Lippenbekenntnisse bleiben, wurde bei den beiden Sympathen zum Programm. Sie lernen bei der Seemannschaft täglich dazu (obwohl sie das wohl niemals so nennen würden), sie bestehen haarige Situationen auf See und in Ankerbuchten, sie haben eine Menge Glück, vertrauen aber nicht blind darauf und werden trotz ihres eher flippigen Lebensstils mehr und mehr zu echten Langfahrtseglern. Learning by doing, nicht mehr und nicht weniger. 

Mit Videos zum ganz großen Erfolg

Bis hierhin eine nette Geschichte, wie es sie jährlich zu Dutzenden in der Blauwasserszene gibt. Doch damit das Leben des jungen Paares nun wirklich weltbewegend im Sinne von aufmerksamkeitsstark wird, bedienten sich die beiden seit den ersten gemeinsamen Schlägen ihres großen Törns des Internets.

Mit Youtube-Videos wurden „all’ die da draußen in der weiten Welt, die sich für uns interessieren“ (Elayna) in immer kürzeren Abständen über die Abenteuer auf ihrem Boot „La Vagabonde“ unterrichtet. Internationale Medien nahmen das australische Paar in ihre Berichterstattungen auf, TV-Sender besuchten sie bei Etappenstopps und führten Interviews vor Ort. Elayna und Riley wurden zu großen TV-Talkshows eingeladen und machten sich so innerhalb kürzester Zeit einen Namen, der weit über die Blauwasser- und Langfahrtszene hinaus reichte. (SR berichtete)

Die sympathischen Videos des telegenen Paares schafften Klickraten in Millionenhöhe. Durchschnittlich werden die regelmäßig geposteten Filme mehrere hunderttausend Mal angeklickt. So konnten (derzeit) 297.000 Youtube-Abonnenten und 1.388 Unterstützer über nahezu jede der mittlerweile 31.000 gesegelten Seemeilen informiert werden. Hautnah, mittendrin und immer dabei – ganz wie es sich die Youtube-Generationen wünschen. 

Trotz einiger finanzieller Desaster (wie die beiden auf ihrer Website schreiben), gelingt es ihnen schon nach einem Jahr Reisezeit, von ihren Berichterstattungen zu leben. Die Videos werden immer professioneller aufgebaut und geschnitten, ihre Klickraten ziehen Hersteller an, die ihre Produkte mehr oder weniger geschickt platzieren wollen. 

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Wie sich die Zeiten ändern © la vagabonde

Elayna produziert sich zudem als begabte Musikerin und beginnt ihre Songs über die „Sailing La Vagabonde“-Website ganz offensichtlich mit Erfolg zu verkaufen. Auch Skipper Riley wird kreativ und veröffentlicht einen „Sailing Guide“, mit dem er vor allem noch unerfahrenen Seglern Tipps für die Hochsee gibt, Manöver erklärt, Wetterkunde vermittelt und reichlich stimmungsvolle Fotografien offeriert. Wohlgemerkt, Tipps von einem, der vor gar nicht so langer Zeit null Ahnung vom Segeln hatte.

Zudem postet Riley mehr und mehr Songlisten – „was ich so bei welchem Wetter an Musik höre!“ – die ebenfalls finanziell unterstützt sein dürften. 

Junge, ebenfalls erfolgreiche Vlogger (allerdings in anderen Themengebieten) schätzen auf SR-Anfrage die Einnahmen allein mit den Videos (Werbung, Produktplatzierungen) auf ca. 8.- 10.000 Euro im Monat. 

Der Outremer-Luxuskatamaran, finanziert von Mäzenen und Freunden

Ein liebenswürdiges Abenteuer, das zu einer wirtschaftlichen Erfolgsstory wurde. Deren vorläufiger Höhepunkt hat nun zwei Rümpfe , einen Salon wie ein monegassisches Luxusappartement und eine Kombüse, die sogar Platz für eine (kleine) Küchenbrigade bietet. Aber schön der Reihe nach.

Wie berichtet, zeigte sich im Laufe des letzten Jahres die französische Luxus-Katamaran-Werft „Outremer“ höchst interessiert an den Abenteuern der beiden australischen Weltumsegler. Nach einigen Gesprächen und gemeinsamen Törns in der Südsee bot die Werft den beiden einen nagelneuen 45-Luxus-Katamaran offenbar zu nicht ganz uneigennützigen Sonderkonditionen an, auf dem die beiden in den kommenden Jahren weiter um die Welt segeln sollen. Finanziert wird der Kauf der Katamarans angeblich von den 1.300 Unterstützern und einigen Mäzenen aus der US-amerikanischen Internetszene.

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Noch Platz für Abenteuer? © la vagabonde

Der weitere Deal ist offensichtlich: Die französische Werft will ihren nicht immer ganz so „cool wirkenden“ Fahrtenkatamaranen ein jüngeres, frisches Image verschaffen und mit Hilfe der beiden Internet-Segelstars einen höheren Bekanntheitsgrad vor allem in der internationalen, nicht französischsprachigen Langfahrtszene erreichen. Und das junge Skipper-Paar soll endlich aus der Enge ihrer „Vagabonde“ das süße, luxuriöse Leben auf einem Eine-Million-Dollar-Kat genießen. Verdient haben sie es sich ja schließlich.

So wechselten Elayna und Riley im wahrsten Sinne des Wortes die Klassen. Vom typischen Mono-Langrumpfer auf einen fast schon übertrieben wirkenden, luxuriösen Katamaran, vom (zunächst) sympathischen Low-Budget-Törn in die Welt der Reichen und Bequemen.

Nochmals schnell ne Runde einhand segeln

Was Vloggerin Elayna gewohnt aufgeregt und hibbelig in mehreren Videos ankündigte, schien bei Riley zunächst auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Sein Verständnis vom Langfahrtsegeln hatte nur wenig mit Luxus gemein, er fühlte sich auf „seiner“ Vagabonde während der letzten Jahre ganz offensichtlich sauwohl.

Doch irgendwann – was nicht auf Videos dokumentiert wurde – muss ihm eine gewisse Dame an seiner Seite die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt haben. So erhielt Riley noch ein paar Wochen Bedenk- und Abschiedszeit, um auf der „Vagabonde” einhand vor Australien und Neuseeland zu segeln.

Dann wurde die Yacht, auf der ihr großes Abenteuer begann, in Neuseeland an Land gebracht. Noch einmal mit der Hand übers Boot streichen… und im Flieger ab nach Frankreich! 

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Noch sympathisch? Oder schon abgehoben? © la vagabonde

Dort wartete mittlerweile die fertig gebaute, neue Luxus-Bleibe der beiden. Noch kurz imageträchtig Jimmy Cornell in Paris besucht („we are so in love with this man!“) und dann die große Sause der Bootsübergabe.

Auf der Werft versammelten sich Gönner, Freunde und betuchte Neugierige, um die Bootsübergabe an Segler zu feiern, die erst vor ein paar Jahren völlig mittel- und ahnungslos mit dem Segeln angefangen haben. Jeder Champagnerspritzer bei der Taufe wurde in Bild und Film festgehalten, TV-Sender und Presse machten ihre Aufwartung, es war ein Fest … ja, war es wirklich ein Fest oder „nur“ ein weiteres PR-Event? 

Die erste Ausfahrt auf dem Katamaran wurde reichlich mondän zelebriert: Eine Werft-Flotte kleinerer und größerer Outremer-Kats begleitete Elayna und Riley auf ihren ersten Schlägen – alles zünftig von einer Drohne aus gefilmt. Und dass an Bord des Katamarans ein professionelles Küchen-Kombüsen-Team für das leibliche Wohl sorgte… nett! Doch war da ein kritisches Stirnrunzeln bei Riley zu erkennen? Ganz kurz nur, bevor es von Elaynas Strahlen überblendet wurde. 

Die beiden wollen die ersten längeren Törns auf ihrem Katamaran während dieses Sommers im Mittelmeer segeln, bevor sie wohl im Spätherbst auf der Barfußroute Richtung Karibik touren. Sozusagen auf ihren eigenen „Spuren“, im Kielwasser ihrer guten alten „La Vagabonde”

La Vagabonde Website

 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Anders leben: „La Vagabonde“ und der Luxus-Katamaran – Anfang vom Ende der Erfolgsstory?“

  1. avatar Tak sagt:

    Danke für den guten Artikel!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar christoph sagt:

    Wenn man sieht mit was für einem unglaublichen Schwachsinn manch andre “Youtuber” viel Geld verdienen dann ist segeln doch noch eine ganz ansprechende Art das zu tun. Im übrigen ist da auch noch eine Ganz gehörige Portion sex sells dabei wenn man sich einmal die Vorschaubilder der Videos anschaut. Aber das Sympathisch chaotische Langfahrt Image wird sicher nicht lange haltbar sein mit so einer Ausstattung. Aber ich gönne ihnen den Erfolg.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. avatar Anton sagt:

    Ich gönne es ihnen von Herzen! Es muß auch mal jemand Glück haben im Leben, sonst könnte man sich ja gleich aufhängen. Bin sehr gespannt auf ihre Erfahrungen mit dem Schlitten. Na gut, man wird den Antisponsorfilter bemühen müssen, aber einge Fragen werden sie für mich näher untersuchen. Da kommen sie nicht drum herum. Z.B wie nervig teuer es auf Dauer ist, keine Kiele zu haben, auf denen man gut trocken fallen kann oder wie gut die zarte Frau mit der Segelfläche zurechtkommt usw…
    Und zu guter letzt liebe ich ALLE diese Blogger, wei sie mir für lau vergönnen, vom Schreibtsch aus an etwas teilzuhaben, das bei mir noch einige Jahre warten muß.

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