Atlantic Rally for Cruisers: 165 Yachten aus 36 Ländern – Abenteuer mit Freunden und Familie

Der große Schlag

Bilderbuchstart der ARC 2018

Fahrtenyachten, Regattafreaks und Multihulls, schlanke Hochsee- Racingmaschinen, daneben bequeme Familien-Cruiser, Superyachten mit professionellen Crews und aufgeregte Zweihandcrews, die ihren Traum verwirklichen wollen – das waren die Boote und Segler, die am Wochenende in Las Palmas de Gran Canaria ausliefen, um mit der 33.  Atlantic Rally for Cruisers (ARC) zu starten.

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Die Gennaker sind gesetzt für den großen Schlag. © James Mitchell/ARC

Mit Kurs auf die Karibikinsel Saint Lucia ist der  Start der Beginn einer spannenden Atlantiküberquerung. Für viele ist es nach jahrelanger Planung, monatelanger Vorbereitung und wochenlangem Abarbeiten der To-do-Liste der Höhepunkt des Jahres. Die letzten Tage in der Marina von Las Palmas waren voller Aufregung und Erwartung und ausgefüllt mit Verproviantieren und letzten Reparaturen an der Ausrüstung.

Erfahrene Hochseesegler aus dem Team des veranstaltenden World Cruising Clubs trugen dazu bei, dass die Crews gut vorbereitet sind. Vor dem Start gab es ein Seminarprogramm und Sicherheitschecks der Boote sowie mehrere Abendveranstaltungen, so dass die Crews sich untereinander gut kennen lernen und gleichgesinnte Segler und Seglerinnen finden konnten.

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Die Cruiser-Flotte auf dem Weg über den Teich. © James Mitchell/ARC

In den zwei Wochen Aufenthalt in Las Palmas de Gran Canaria sind die Boote und Crews auch ein wichtiger Bestandteil der Stadt geworden und wurden von ihren Gastgebern warmherzig verabschiedet. Begleitet wurde das Auslaufen der Boote von lauten Salsa-Rhythmen aus der Lautsprecheranlage der Tankstelle, Glückwünschen der im Hafen ansässigen Firmen und Zuschauermengen, die die Uferpromenade säumten, um den Booten zum Beginn ihres Atlantikabenteuers zuzuwinken.

Zwar ist die ARC eine Fahrtenseglerregatta, doch es gibt eine Start- und eine Ziellinie, und die Boote sind je nach Größe, Typ und Leistung in Gruppen aufgeteilt. 8 Yachten mussten ihre Abfahrt verschieben, und so überquerten 165 Boote aus 36 Ländern die Startlinie.

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Start der Multihulls. © James Mitchell/ARC

Recht ungewöhnlich für einen ARC-Start wehte der Wind vor Las Palmas aus Norden, so dass die Boote entweder auf Backbord- oder Steuerbordbug starten konnten. Sowohl beim Start der Multihulls, als auch der Fahrtensegler bildeten sich zwei Gruppen, und die sehr lange Startlinie bot an beiden Enden genug Raum für die Yachten. Der moderate Wind von 12-15 Knoten führte zu einem ruhigen und entspannten Start für alle Yachten, wobei die Letzten die Startlinie erst 30 Minuten nach dem Startsignal überquerten.

22 Regattayachten waren weniger geduldig und erpicht darauf, sich strategisch zum Start zu positionieren. Die Beneteau First 47.7 von Performance Yacht Racing EH01 wurde von Skipper Andras Bakody gekonnt manövriert und überquerte als erste die Startlinie, dicht gefolgt von der russischen Mobile 53 Anna und dem Favoriten der Klasse Scarlet Oyster. Spinnaker und Gennaker kamen voll zum Einsatz, als die Racer halsten, um sich von der Küste von Gran Canaria zu entfernen und den vom Land beeinflussten lokalen Winden frei zu segeln.

Die deutsche Flotte

Da bereits mehrere deutsche Boote am 11.11. und 15.11. mit der ARC+ mit Ziel Kapverden gestartet sind, ist die Flotte der deutschsprachigen Boote, die sich in Las Palmas auf den Start der traditionellen ARC vorbereiten, verhältnismäßig klein. 19 deutsche, 2 Österreicher und 2 Schweizer Boote wagen den Sprung über den großen Teich und haben die Zeitgenutzt, sich in Seminaren weiterzubilden, das Boot zu verproviantieren und bei einer der Partys das Tanzbein zu schwingen.

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Sextant-Übungen vor dem Start. © James Mitchell/ARC

Der Trend, dass die ARC gerne von Charterbooten genutzt wird, setzt sich auch in diesem Jahr fort. 8 deutsche Yachten segeln mit zahlenden Gästen, die sich so auch ohne eigenes Boot den Traum der Atlantiküberquerung erfüllen können. Das sind ALBATROS, BALTICA CHARISMA, MELTEMI, PETER VON SEESTERMUEHE, SEA CHANGE II, SKIATHOS und SUNRISE.

Der Rest der Yachten segelt mit Freunden oder Familie, und die individuellen Geschichten sind so unterschiedlich wie faszinierend. So z.B. die der JOHANNA, einer X-412. Berni und Stephan hatten schon lange den Traum, das Alltagsleben gegen Blauwassersegeln einzutauschen. Im Alter von 28 bzw. 34 Jahren standen sie vor dem Dilemma, den richtigen Zeitpunkt zu finden, denn sie waren beide fest verankert im Berufsleben und wussten nicht, wie und wann der Wechsel vom Schreibtisch an Bord stattfinden sollte.

Doch sie wollten nicht länger warten und begannen das Projekt mit einer zweijährigen Überholung des 41-Fuß-Schiffes Johanna, das nach ihren beiden Großmüttern benannt ist. Ein genauer Plan entstand erst nach und nach. Doch inzwischen haben sie ihre Münchner Wohnung vermietet, ihr Sachen gepackt oder verkauft und sich ins Abenteuer gestürzt.

“In dem ganzen Prozess, uns vom alltäglichen Leben zu verabschieden und unsere Reise anzutreten, habe ich beschlossen, nicht nur meinen Traum als Seglerin sondern auch als Musikerin und Komponistin zu verwirklichen”, erklärt Berni. “Es ist absolut wunderbar, diese beiden Leidenschaften zu kombinieren: das Segeln und Komponieren eines Soundtracks und meine Musik werden Teil der Reise sein.“ Auf der Webseite in Englisch sind auch Werke von Berni zu hören.

Das Wetter vom Guru

Damit die Lieben zu Hause am Abenteuer teilnehmen konnten, wurden die Starts live von Bord des Alonautica Highfield RIB übertragen. Die Crews hatten Gelegenheit, den online Zuschauern ein letztes Mal zuzuwinken. Alle ARC-Boote sind mit YB Satellitentrackern ausgestattet, und während ihrer Überfahrt können Freunde und Familie bequem von zu Hause aus das Vorankommen der Boote mit dem Online Fleet Viewer und der YB Races App verfolgen.

Die Brise beim Start war gerade stark genug, dass die Boote entlang der Küste von Gran Canaria nach Süden segeln konnten. Doch der Wetterguru der ARC, Chris Tibbs, hat für die Nacht in Inselnähe leichtere Winde vorhergesagt. Bei diesen Bedingungen werden die Yachten wohl eher von der Küste weg nach Südost segeln, anstatt nach Westen um die Inselspitze.  Zu erwarten für die nächsten Tage ist gemäßigter Passatwind, was vermuten lässt, dass die Boote dieses Jahr eine südlichere Route statt des Rhumbline-Kurses nach Saint Lucia wählen werden.

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Regenbogen über der ARC-Flotte vor dem Atlantik-Abenteuer. © Endless Pools Shoot – Maastricht MECC

Gleichzeitig mit dem heutigen Start der ARC in Gran Canaria verabschiedete sich die ARC+ St. Vincent Flotte von São Vicente auf den Kapverden. Nach einem kurzen Zwischenstopp, der eine Unterbrechung ihrer Atlantiküberquerung bedeutete, sind die Boote erneut aufgebrochen mit Kurs auf Blue Lagoon Marina auf St. Vincent. Insgesamt besteht die ARC in diesem Jahr aus 3 Flotten, von denen die ersten beiden auf den Kapverden gestoppt haben, und die dritte und letzte heute direkt nach Saint Lucia aufgebrochen ist.. 

Fleet Tracker ARC

Event Website World Cruising

Quelle: World Cruising

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