Außenbordkameraden: Boje sendet Wal-Todesschreie – „Sound of Sea“ trifft ins Herz

S.O.S. der Meere

Eine sphärisch wirkende Boje treibt durch die See, ein Taucher hört seltsame Schreie unter Wasser und die Welt wird aufmerksam auf das Leid der Fische und Meeressäuger – Sea Shepherd startet eine spektakuläre und anrührende Video-Aktion.

Sie werden von Regierungen als militant eingestuft und freuen sich darüber. Über die Bezeichnung „Öko-Terroristen“ können sie nur milde lächeln. Und auf ihre Schiffe-Versenken-Bilanz (10 illegale Walfangschiffe seit 1979) sind sie stolz: Kein Zweifel, die Sea Shepherd Conservation Society ist eine Umweltorganisation der etwas anderen Art. 

Bei ihren Kampagnen zum Schutz der Meere, im Kampf gegen den Walfang und die Robbenjagd sind die Sea Shepherd-Aktivisten nie mit Samthandschuhen unterwegs. Im Gegenteil, vor allem im Laufe des letzten Jahrzehnts verschafften sie sich mit rabiaten Aktionen gegen das Walschlachten oder gegen illegalen Fischfang eine Menge, von vielen allerdings mit „zweifelhaft“ bezeichneten Respekt.

Sie erhielten aber auch von Regierungsseite weltweite Unterstützung und schafften es immer wieder mit spektakulären Einsätzen in die Herzen von Meeres- und Umweltschützern. 

Piraten ohne Holzbein und Augenbinde?

Dabei ist klar: die Sea Shepherds polarisieren. Obwohl sie nach eigenen Angaben noch nie Menschen bei ihren Einsätzen verletzten, werden ihre zweifellos spektakulären Rammings von Walfangschiffen auf hoher See oder die regelrechten Seegefechte, die sie sich mit illegalen Fischfangflotten auf Hoher See liefern, nicht von allen goutiert.

So bescheinigte ihnen 2012 ein US-Gericht, dass Sea Shepherd mit ihren Aktionen nach internationalem Recht den Tatbestand der Piraterie erfüllen. Der Richterspruch ist mittlerweile legendär: „Man benötigt weder Holzbein noch Augenbinde. Wer Schiffe rammt; mit Säure gefüllte Glasbehälter wirft; mit Metall verstärkte Seile durch das Wasser schleppt, um Schiffsschrauben und Ruder zu beschädigen; Rauchbomben und Leuchtgeschosse mit Haken abschießt; und mit starken Lasern auf andere Schiffe zielt, der ist zweifellos ein Pirat, ganz egal wie edelmütig er zu handeln glaubt.“

Umwelt, Delfine, Wale, Sea Shepherd

Die Todesschreie von 30 Walen in einem Mix – Sea Shepherd mahnt © sea shepherd

Eine Einschätzung, die den Sea Shepherds letztendlich nur noch mehr Sympathie und deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit einbrachte. Ein Beispiel: Wer sich heute noch an Massakern beteiligt, bei denen unter dem Vorwand alter Traditionen tausende Meeressäuger abgeschlachtet werden, muss damit rechnen, dass sein Konterfei und seine Tierquälerei millionenfach im Netz verbreitet werden.

Und dass die Sea Shepherds dabei auch praktisch erfolgreich sein können, zeigten sie etwa auf den Faröer Inseln, wo alljährlich Tausende Tümmler und Grindwale in Treibjagden eingekesselt und an Land abgeschlachtet werden. 2013 wurden so 1.350 Tiere getötet, ein Jahr später war Sea Shepherd vor Ort und es kamen dank umfangreicher Störmaßnahmen während der Treibjagden zur See nur 36 Tiere um (Angaben von Sea Shepherd).

Bis heute findet dieses Schlachten weiter statt (siehe Video). Doch der internationale Druck auf die teilnehmenden Bewohner der Faröer Inseln wächst – nicht zuletzt aufgrund der Sea Shepherd-Kampagnen.

Notruf der Meere

Vor diesem Hintergrund erscheint die neueste Aktion von Sea Shepherd auf den ersten Blick wenig spektakulär – sie trifft aber dennoch mitten ins Herz. 

Unter dem Motto „Der Ozean sendet uns ein S.O.S.“ kreierten französische See-Hirten eine beeindruckende Konstruktion mit der Bezeichnung „Sound of Sea“ (= S.O.S.) und setzten sie – selbstverständlich von Filmteams begleitet – im Atlantik vor La Rochelle aus.

Zuvor mischten Tontechniker die verzweifelten Schreie und Geräusche von mehr als 30 sterbenden Meersbewohnern: Einen harpunierten Wal im Arktischen Ozean; Grindwale, die auf den Faröern gejagt, Delfine, die im Netz eines Fischers gefangen wurden, die hektischen Fluchtversuche eines riesigen Fischschwarms, der bereits hoffnungslos in einem Schleppnetz gefangen war. 

Umwelt, Delfine, Wale, Sea Shepherd

Sinnloses Abschlachten © sea shepherd

Diesen Geräusche-Mix installierten Ingenieure in eine speziell konstruierte, irgendwie sphärisch wirkende Kugelboje, die ein paar Meter unter der Meeresoberfläche treibt und dort den gruseligen „Sound of Sea“ respektive ein SOS der Meere erklingen lässt. 

PR-spezifisch wertvoll tauchte „rein zufällig“ in der Nähe der in Frankreich sehr beliebte und bekannte Apnoe-Taucher Guillaume Néry und hörte diesen verzweifelten „Schrei der Meere“.

Wenn die Boje auch nur für eine Tauchstrecke von ein paar Hundert Metern vorgesehen war, so verteilte und vervielfältigte sich dieses SOS der Ozeane über das Internet und die Sozialen Medien in Windeseile. 

1.100 tote Delfine an französischen Küsten – in 2019!

„Meeressäuger und Fische werden in einer unfassbar großen Anzahl gejagt und getötet – und kaum jemand kümmert das. Aber nur weil wir ihre Qual nicht hören oder sehen, bedeutet das nicht, dass ihre Qual nicht existiert,“ schreiben die französischen Meeres-Hirten auf ihrer Website. 

“In 6 Wochen, zwischen Januar und März 2019, wurden 1.100 Delfine an der französischen Atlantikküste verendet gefunden, die meisten waren wohl Beifang-Opfer“ sagt die NGO. „Diesem Irrsinn muss ein Ende gemacht werden.“

Umwelt, Delfine, Wale, Sea Shepherd

Harpunierter Wal © Sea Shepherd

Die von Regierungen vorgeschlagenen Maßnahmen greifen zu langsam, argumentieren die Umweltschützer weiter. Sollten sich draußen auf den Meeren weiter die Dramen mit illegalen Fangmethoden, unnötigem Beifang und hoffnungsloser Überfischung abspielen, werden auch nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Ozeane im Jahre 2050 leer sein. 

Dabei kann jeder seinen Beitrag leisten, auch wenn er noch so weit vom Meer entfernt lebt. Denn die Rettung der Meeresbewohner kann auf unseren Tellern anfangen. Wer seine Essgewohnheiten auch beim Fischkonsum verändert, auf entsprechende Öko-Labels achtet (die wiederum eine legale Fangmethode ohne Überfischung garantieren sollen), wer bestimmte Fischsorten meidet und auch mal bewusst auf Fisch verzichtet, agiert zwar im Kleinen, kann aber dennoch viel bewirken. 

Website Sea Shepherd

Welche Fische auf den Teller?

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Außenbordkameraden: Boje sendet Wal-Todesschreie – „Sound of Sea“ trifft ins Herz“

  1. avatar Shepherd sagt:

    Überbevölkerung halt. Natürlich werden die Meere leergefischt.

    Sea Shepherd lebt von Publicity. Einige Ihrer Aktionsziele kann ich unterstützen, bei anderen, z.B. den Färoer Inseln, sollten sie sich jedoch zurückhalten. So leid mir die Tiere tun, die paar Tiere fallen im Vergleich zur industriellen Fleischproduktion und dem industriellen Fischfang nicht ins Gewicht.

    Die Leute in den Städten die im Laden die schön hygienisch verpackten Fisch-/Fleischerzeugnisse kaufen und dann bei blutigen Bildern der Sea Shepherd spenden machen sich etwas vor.

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  2. avatar Es braucht noch viel mehr sagt:

    Kannst Du dir nicht vorstellen, daß Leute die Sea Shepherd unterstützen sich auch sonst für Tier- oder Umweltschutz engagieren?
    Das bringt doch alles nichts, ist jedenfalls die falsche Einstellung.

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