Mit autonomen, emissionsfreien Fähren soll der öffentliche Nahverkehr in Kiel auf dem Wasser neu gedacht werden. Ein erstes sichtbares Ergebnis soll bald auf der Schwentine unterwegs sein. Im Rahmen der CAPTN-Initiative laufen die ersten Tests.

Mit der Sventana plant das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk CAPTN („Clean Autonomous Public Transport Network“) den Einstieg in den autonomen Fährbetrieb. Das rund 14 Meter lange, elektrisch angetriebene Schiff ist als Doppelendfähre konzipiert und soll bis zu 35 Passagiere sowie Fahrräder transportieren. Der Clou: Die Fähre kommt perspektivisch ohne Crew an Bord aus. Ein Fährmann muss nicht mehr bezahlt werden.
Während in anderen Ländern vermehrt auf die Foiling-Technik gesetzt wird und insbesondere die Candela-Fähre den Verkehr auch in Berlin revolutionieren soll, setzt man in Kiel vorerst weniger auf Speed als auf Autonomie. Ab 2028 ist ein Probebetrieb zwischen Wellingdorf und Dietrichsdorf vorgesehen. Die Schwentine wurde als erstes Einsatzgebiet ausgewählt, weil im Vergleich zur stark frequentierten Förde hier überschaubare Verkehrsverhältnisse herrschen. Die autonomen Systeme sollen unter realen, aber kontrollierbaren Umständen erprobt werden.
Das Projekt markiert einen Wendepunkt im Umgang mit Verkehr auf dem Wasser. Denn während autonome Systeme auf der Straße längst im Fokus stehen, stellt die maritime Umgebung deutlich höhere Anforderungen: wechselnde Bedingungen, komplexe Vorfahrtsregeln und nicht zuletzt die schwer kalkulierbaren Manöver von Sportbooten.

Genau hier setzt CAPTN an. Neben der Entwicklung der Fähre selbst arbeitet das Netzwerk intensiv an der Sensorik und Entscheidungslogik. Radar, Kameras und andere Systeme werden kombiniert, um ein möglichst präzises Lagebild zu erzeugen. Die Fähre „sieht“ ihre Umgebung und trifft darauf basierend eigenständig Navigationsentscheidungen – überwacht von einer Leitstelle an Land, die im Zweifel eingreifen kann.

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