Begegnungen: Die Tour de France in La Base – Le Cleac’h, Josse und Radlegende Hinault

Hätte, hätte… Fahrradkette!

Tour de France, Lorient,

Tour de France im Hafen von Lorient “La Base” ! © miku

Ging verdammt schnell vorbei: Nach 20 Sekunden waren sie durch – kein Wunder, dass sich kaum ein Segler für die Tour de France-Helden interessierte. 

Vielleicht war es auch alles ein bisschen viel: Gestern Abend noch jubelten die Segler im Hochseehafen „La Base“ im französischen Lorient „ihrer“ Fußballnationalmannschaft beim WM-Halbfinalsieg gegen Belgien zu und 14 Stunden später wäre schon wieder Applaus angesagt gewesen. Wäre…  

Eigentlich war es DIE Gelegenheit, zwei typisch-französische, äußerst populäre Sportarten zumindest für kurze Zeit zusammen zu bringen: Lorient, Heimatstadt des wohl bekanntesten Hochsee-Regattahafens in Europa,  war auch Etappen-Startort der Tour de France. 

Tour de France, Lorient,

Nachzügler vor dem berühmten Museum “Cité de la Voile” © miku

Nachdem der offizielle Start des Pelotons in der Innenstadt zelebriert wurde, führte die Strecke (noch ohne Chronometer-Wertung) auch dicht am Hafen vorbei. Doch dort… interessierte sich kaum jemand für die Radler. Nicht mal die Preparateurs unterbrachen ihre Arbeit an den Booten, kaum eine(r) stellte sich für zehn Minuten an den Straßenrand, um den „anderen“ Helden der Nation zumindest ein „Allez!!!“ zuzurufen. Selbst der erklärte, kilometerfressende Straßenradler Franck Cammas ließ sich nicht blicken – nicht doch!

Immerhin bestritten Sebastien Josse und Armel Le Cleac’h gekonnt den offiziellen Teil vor laufenden TV-Kameras beim Start und plauderten mit Tour de France-Legenden wie Hinault und Voekler über ihre Fitness-Ausfahrten auf dem Rennrad und fuhren schließlich ein Stück der Etappe mit – im Auto, logisch. 

Was hätte man nicht alles gemeinsam auf die Beine stellen können! Nicht zuletzt, weil die federführende Tour-de-France-Agentur ASO mittlerweile auch im Hochsee-Geschäft aktiv ist. 

Tour de France, Lorient,

Beachart – Lorient Grand Large! © Muriel Van Denbempt / LBL2019

Man denke nur daran, wie es gewesen wäre, wenn ein oder zwei IMOCAs am Kran hängend über der Straße geschwebt wären. Und – noch besser – die Radler unter dem aufgebockten Gitana-Trimaran-Monster hergeradelt wären. Oder übertreibt der Autor dieser Zeilen hier mal wieder? 🙂

Aber „hätte, hätte… Fahrradkette“: Diemal gab’s wenig solidarische Verbrüderung beider Sportarten, sondern nur das übliche Kommerzgedöns: TV-geil hatten noch Firmen und Geschäfte, die in der „Base“ ansässig sind, große Logos auf die Flachdächer ihrer Gebäude angebracht. Schlauschlau, so kriegt man ganz umsonst teure TV-Werbung, wenn die Kameraleute vom Hubschrauber aus über die „Base“ schwenken. 

Tour de France/Lorient

Sebastien Josse, Bernard Hinault und Armel le Cleac’h © E Bougault /LGL

Nur ein paar Kilometer weiter, auf einem populären Sandstrand, installierte „Lorient Grand Large“ ein wirklich cooles Beachart-Kunstwerk, das Werbung für das 2019 anstehende Hochsee Rennen „Lorient – Les Bermudes – Lorient“ macht. 

So blieb dem SegelReporter lediglich als symbolträchtiges Fotomotiv der sowieso schon seit Wochen vor der Halle herumstehende, ehemalige Figaro von Isabelle Joschke. Aber immerhin wurde so Radfahren und Segeln auf ein Bild gebracht – es muss ja nicht immer der America’s Cup sein, um radelnde Segler in Szene zu setzen! 

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Michael Kunst

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