Corona in Frankreich: Ab dem 11. Mai wieder aufs Wasser? – Französische Segler im Unklaren

Hauptsache Segeln

Angeblich dürfen die Profis am 11. Mai wieder los, die Amateure zwei Wochen später. Doch kann das stimmen? Die „offiziellen“ Ansagen sind nicht eindeutig. 

IMOCA-Skipper stellen ihre gemeinschaftliche Aktion mit der UNESCO vor

Ausgangssperre, lediglich 1 Stunde pro Tag „Freigang“ für Einkäufe oder Jogging, erlaubter Bewegungsradius 1 Kilometer – Franzosen haben es deutlich schwerer während der COVID 19-Pandemie als Deutsche. Wie in den meisten europäischen Ländern, wurden jeglicher Wassersport und sonstige Freizeitaktivitäten auf dem Wasser strikt untersagt. Die Kontrollen sind rigoros, finanzielle Strafmaßnahmen drastisch. 

Nahezu alle Regatten in Frankreich sind abgesagt. Lediglich einige Events in den späten Sommer- und frühen Herbstwochen sind noch „in der Schwebe“. Die Einhand-Weltumseglungsregatta Vendée Globe – Start Anfang November – soll jedoch in jedem Fall stattfinden. (SR-Artikel)

Totenstille in den Häfen

In den großen französischen Regattahäfen herrschte über die letzten Wochen hinweg Totenstille. Jegliche Aktivität im öffentlichen Raum war untersagt, die meisten Rennställe und Kampagnen hatten ihre Boote aus dem Wasser genommen, um in den Werfthallen anfällige Reparaturen oder Überholungsarbeiten durchzuführen. 

Wann wird es wieder solche Bilder aus Frankreich geben? © curutchet

Denn ähnlich wie in Deutschland ist es auch französischen Werktätigen durchaus erlaubt, zu ihren Arbeitsstätten zu fahren um dort – unter den notwendigen hygienischen bzw. sanitären Maßnahmen – weiter zu arbeiten (SR-Artikel Einsam in die Einsamkeit).

So sind zum Beispiel in Lorient, dem größten Hochsee-Regattahafen Frankreichs, an den meisten der dort ansässigen IMOCA, Ultim und Class 40 Arbeiten vorgenommen worden. Allerdings arbeiteten die Teams häufig stark reduziert. Einerseits, weil zuhause auf die Kinder aufgepasst werden muss.

Aber auch, weil finanzielle Mittel gekürzt wurden, in ökonomische Bedrängnis geratene Sponsoren monetäre Unterstützung „auf Eis“ legten oder Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert waren und mehr oder weniger schwer von Symptomen betroffen in häuslicher Quarantäne bleiben mussten. Insbesondere zu Beginn der Ausbreitung des Corona-Virus war das südbretonische Departement „Morbihan“ besonders stark betroffen.

Erste Terminangaben

Doch nun regen sich auch in Frankreich langsam die Sportler allgemein und die Segler im Besonderen, um sich für eine Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen gegen das COVID 19 Virus bereit zu machen. Nach wochenlangem Muskelaufbau-Training im Home-Studio, nach episch langen Web-Seminaren zu Themen wie Meteorologie, Strategie oder Taktik sind erste Gerüchte im Umlauf, wann wer wieder segeln darf. 

Kann “Charal” schon in Kürze wieder abheben? © charal

„Gerüchte“ ist hier leider wörtlich zu nehmen, da die französischen Behörden klare Informationen eher spärlich streuen. Von Beginn der getroffenen pandemischen Maßnahmen an verfolgten Präsident Macron und seine zuständigen Minister eher eine Politik im Stile von „was du nicht weißt, macht dich nicht heiß“. 

Zwar stellte Macron in seiner letzten Ansprache in Aussicht, dass sich nach dem 11. Mai die Restriktionen in Frankreich lockern werden. Doch Details, in welchem Maße die Lockerungen stattfinden werden, gab er nicht bekannt. 

Dennoch gilt es mittlerweile aufgrund von Informationen aus den Reihen der französischen Sportverbände als gesichert, dass ab 11. Mai die Profis wieder segeln dürfen und etwa 12 Tage später auch die Amateure und Freizeitsportler unter noch nicht geklärten, sanitären Auflagen (Maskenpflicht auf Einhand-Booten?) aufs Wasser dürfen. 

Doch all’ das sei mit Vorsicht zu genießen, ist aus den Reihen der Segler in Lorient zu hören. Die Einen „sind sich sicher“, dass sie schon früher wieder aufs Wasser dürfen. Die anderen unken und meinen, dass sich die Situation aufgrund weiterhin steigender Todesfälle in Frankreich „ganz schnell, ganz drastisch“ wieder in Richtung „Verlängerung der Segelsperre“ wenden könnte. 

„Bitte nur Profis an die Boote lassen“

Tatsache ist, dass seit zwei Wochen bereits die professionellen Preparateurs wieder an Land an den Booten arbeiten dürfen. So erhielten die Eigner der nahezu 70 in Lorient stationierten Minis und 40 aufgebockten Figaros Post vom Betreiber des Hafens. In der Email wurde die Erlaubnis für eine „professionelle Arbeit“ an den Booten gegeben.

Wer Arbeiten am Rumpf, der Takelage oder sonstwie am Boot zu verrichten habe, solle sich an die professionellen Preparateurs vor Ort wenden. Klare Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die vielen „freien“ Arbeiter in den Häfen, denen das Wasser bereits an der Oberkante Unterlippe“ steht. 

Werden die Skipper auf den nagelneuen Booten genügend Meilen auf der Uhr haben ? © apivia

Auch in den großen Werften wie „Benéteau“, die zu Beginn der Pandemie aufgrund von Zulieferer-Engpässen und mangelnden Möglichkeiten, die Hygiene-Auflagen zu erfüllen ihre Produktion eingestellt hatten, läuft mittlerweile „die Maschinerie“ langsam wieder an. Zwar noch im Corona-Modus, aber unter Bedingungen, die eine an der Normalität grenzende Produktion wieder möglich machen werden.

Problematisch wird es jedoch bei vielen kleineren Unternehmen. Zwar haben vor allem Werften, die sich auf Custom-Bauten spezialisiert haben oder ins „Foil“-Business eingestiegen sind, entweder mit reduzierter Manpower weiter gearbeitet oder aber ihre bestehenden Arbeiten einfach verschoben. Doch sind etwa Zuliefererbetriebe mit Schiffszubehör, Selbständige wie Rigger, Elektriker, Composit-Spezialisten schwer von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gebeutelt. Denn die Unterstützung seitens des französischen Staates für solche Kleinunternehmen oder Selbständigen tendiert gen Null. 

Das kriegen wir „gewuppt“

In der Szene ist man sich einig, dass die Öffnung für den Segelbetrieb – unter welchen Auflagen auch immer – so schnell wie nur möglich geschehen muss. Ansonsten würden etliche Betriebe das ökonomische Zeitliche segnen. Dass dabei auch ganze Hochsee-Kampagnen pleite gehen, sei nicht auszuschließen.

Zwar gebe es noch keine Absagen etwa bei der Vendée Globe, es könne jedoch davon ausgegangen werden, dass es vor allem einigen Seglern mit brandneuen Rennern an der nötigen Zeit fehlen werde, sich mit dem Boot und seinen Feinheiten vertraut zu machen. Doch das sei, so ist sich die Szene sicher, eine andere Geschichte und bekomme man schon irgendwie „gewuppt“. Hauptsache, man kann bald wieder segeln! 

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Michael Kunst

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