Corona-Krise: Vereinsbeiträge trotzdem fällig – Liegeplatzgebühren mitunter neu verhandeln

Kulanz statt Klage

Die Corona-Krise greift massiv in das öffentliche Leben ein. Mit dem Kontaktverbot von Montag ist der derzeitige Höhepunkt der Einstellung des sozialen Lebens erreicht. Sport- und Freizeitaktivitäten sind damit weitgehend im Standby-Modus. Nicht bei allen kommen die Maßnahmen gut an. Doch bevor es zum Rechtstreit kommt, sollten sich Betroffene über die Rechtslage informieren und lieber gütlich einigen. Denn gerade in der Krise gilt: Verständnis und Kulanz helfen jetzt weiter.

Fertig für die Saison und doch auf dem Trockenen: Für viele Bootseigner sind die Kräne trotz abgeschlossener Winterarbeiten derzeit gesperrt. Foto: Robert Leßmann – stock.adobe.com

Nichtsdestotrotz melden sich in Verbandszentralen einige Segler, die sich nicht damit abfinden können, dass ihr Boot länger an Land bleiben muss, als sie es geplant hatten. Sie fragen nach der Rechtmäßigkeit für ihre Aussperrung aus den Häfen oder wollen wissen, inwieweit sie Anspruch auf Rückerstattung von Beiträgen oder Gebühren haben.

Die Anwälte Eckhard von der Mosel und Ben Tanis aus Kiel haben sich auf Fragen rund um den Wassersport spezialisiert, und sie geben auf ihrer Webseite (https://www.ra-tanis.de/corona-segel/) Antworten auf die drängendsten Fragen. „Die Krise um den Corona-Virus trifft die Wassersportbranche hart. Täglich erreichen uns neue Anfragen von Unternehmen, Käufern, Eignern und Verkäufern“, erklärt das Anwaltsduo.

Die Anwälte Ben Tanis und Eckhard v. d. Mosel (hier mit Kieler-Woche-Regattachef Dirk Ramhorst, von links) haben sich auf den Wassersport spezialisiert. Foto: segel-bilder.de

In den Anfragen geht es erwartungsgemäß immer wieder um die Frage nach dem Geld – sei es in Form von Mitgliedsbeiträgen in den Vereinen oder aber den Gebühren für den Sommer- oder Winterliegeplatz. Eine klare Meinung vertreten v. d. Mosel/Tanis hinsichtlich der Vereinsbeiträge.

Die werden zu Recht fällig und dienen dazu, die laufenden Kosten eines Vereins zu decken und sind grundsätzlich kein Entgelt für Leistungen. Anders sieht es dagegen bei den Liegeplatzkosten aus: Die Rechtsanwälte sagen dazu, dass die Störung der Geschäftsgrundlage zwar keine Partei zu verschulden hat, durch die Nicht-Nutzung des Sommerliegeplatzes aber eine Neuverhandlung nötig sei.

„Eine faire Lösung würde darin bestehen für die Monate mit Einschränkungen sich auf einen Teilbetrag zu einigen. Kündigen kann man nicht!“, so die Anwaltskanzlei. Genau andersherum verläuft es dann beim Winterlager. Zwar kann aufgrund der Situation niemand zur Räumung des Platzes aufgefordert werden, eine Nutzungsentschädigung für die Verlängerung des Winterlagers wäre aber auszuhandeln. In den Fällen, in denen Sommer- und Winterliegeplatz beim gleichen Anbieter erfolgen, sollte eine Verhandlung also unproblematisch sein.

Die Frage, ob Segeln derzeit gestattet ist, wird bejaht, solange es keine Ausgangssperre gibt. Segeln ist demnach mit Spazierengehen oder Fahrradfahren gleichzusetzen. Probleme kann es dennoch geben, da die Hafenanlagen oftmals gesperrt sind. Auch das Anlaufen der Häfen von See aus, ist inzwischen vielfach untersagt. Über die jeweiligen Bestimmungen in den diversen Ländern gibt die Webseite ebenfalls Auskunft.

Viele weitere Punkte können auf der Webseite angeklickt werden. In vielen Fällen von möglichen Konflikten wird es darauf ankommen, dass alle die Situation als „höhere Gewalt“ verstehen und entsprechend damit umgehen.

Der Präsident des LSV Schleswig-Holstein Hans-Jakob Tiessen appeliert an die Vereinstreue und den Verzicht auf Regressansprüche. Foto: LSV SH

In diesem Zusammenhang richtet auch der Präsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein einen leidenschaftlichen Appell an die Sporttreibenden in den Vereinen: „Solidarität, Gemeinschaft und das Erleben von Zusammengehörigkeit haben den Sport in unseren Vereinen groß gemacht. Diese Solidarität erbitte ich jetzt auch von Ihnen in dieser gesellschaftlichen Ausnahmesituation.

Bitte bleiben Sie Ihrem Verein treu! Bitte helfen Sie Ihrem Verein dabei, dass er diese Krise übersteht, in der aktuell kein Sport-, Spiel-, Trainings- und Wettkampfbetrieb angeboten werden kann. Bitte bleiben Sie als Mitglied im Verein! Bitte zahlen Sie weiterhin Ihre Beiträge und verzichten Sie auf mögliche Rückforderungen. Sie haben nicht ohne Grund Ihren Verein als Ihre sportliche Heimat gewählt. Geben Sie Ihrem Verein eine Zukunft und lassen Sie uns gemeinsam dieser Krise trotzen!“, sagt Hans-Jakob Tiessen.

 

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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