Warum steuert man einen Katamaran in einen Hafen und dort offenbar gezielt auf ein Ponton? Diese Frage könnte man sich stellen. Die Erklärung jedoch ist einfach und schon wird das Manöver klug.

Der Vorfall ereignete sich gestern im australischen Airlie Beach vor dem Whitsunday Sailing Club. Der Zweirümpfer hatte zuvor an einer Mooring festgemacht, die im Starkwind offenbar ihren Geist aufgab. Das Schiff wurde von Wind und Welle in den Hafenbereich getrieben. Beim Betrachten der Hafenanlage auf Satellitenbildern bekommt man einen Eindruck davon, wie schnell der Kat getrieben wurde. Rechts und Links der Anlage: hohe Felsaufschüttungen.
Die Crew reagierte in letzter Sekunde: Die Motoren wurden gestartet, dann steuerten sie den Katamaran bewusst gegen einen Ponton des Clubs. Das Manöver stoppte die Drift – unschön, aber offenbar effektiv. Statt auf den Felsen zu landen, kam das Boot am Steg zum Stillstand.
Videos des Vorfalls zeigen, wie wenig Zeit den Beteiligten blieb. Zwischen dem Lösen der Mooring und der drohenden Strandung lagen offenbar nur Sekunden. In solchen Situationen bleibt oft nur die Wahl zwischen zwei Schäden: einem kontrollierten Aufprall im Hafen oder einem unkontrollierten auf Felsen.

Das gezielte Anfahren eines Pontons wirkt spektakulär, ist aber aus nautischer Sicht nachvollziehbar. Stege sind vergleichsweise nachgiebig, während eine felsige Küste für Rumpf und Ruder meist deutlich schlimmere Folgen hat.
Ein klassisches Manöver des letzten – diesmal motorisierten – Augenblicks. Gut reagiert.

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