Am Vorabend des Unglück der Bayesian, die in einem Sturm vor Anker liegend vor Sizilien sank und sieben Menschen das Leben kostete, wurde an Bord noch kräftig gefeiert. Tech-Tycoon und Eigner Mike Lynch (†) war kurz zuvor in einem Strafprozess gegen Hewlett-Packard des Betruges freigesprochen worden. Nun gibt es eine dramatische Wendung im Rechtsstreit.

Als die „Bayesian“ am 19. August 2024 vor der Nordküste Siziliens sank, war Mike Lynch glücklich und in Feierlaune. Wenige Wochen zuvor hatte ihn ein US-Gericht in San Francisco in allen Anklagepunkten freigesprochen. Es ging um Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Verkauf seiner Softwarefirma Autonomy an Hewlett-Packard im Jahr 2011. Lynch hatte die Vorwürfe stets bestritten.
Der Freispruch beendete ein jahrelanges Strafverfahren, das ihn zwischenzeitlich in die USA ausgeliefert hatte und ihm eine langjährige Haftstrafe hätte einbringen können. So feierte Lynch an Bord einer Perini-Navi-Yacht Bayesian zusammen mit Freunden und einen Anwälten den vermeintlichen Sieg.

In der Nacht zum 19. August, nachdem die Feier beendet und die Gäste schliefen, geriet das Schiff während eines schweren Unwetters in Schwierigkeiten. Daten, Videoaufnahmen, Ausagen deuten darauf hin, dass sich die Lage innerhalb weniger Minuten zuspitzte: Der Anker verlor Halt, das Schiff driftete und bekam starke Krängung, Wasser drang ein, die Stromversorgung fiel aus. Kurz nach vier Uhr morgens sank die Yacht. Sieben Menschen kamen ums Leben, darunter Lynch und seine Tochter. Fünfzehn Personen konnten gerettet werden.

Die italienische Staatsanwaltschaft leitete unmittelbar nach dem Unglück Ermittlungen ein. Im Fokus stehen bis heute Entscheidungen der Crew in der Nacht des Sturms, insbesondere die Frage, ob Warnzeichen unterschätzt wurden und ob das Schiff ausreichend gesichert war. Gegen den Kapitän, den leitenden Ingenieur und ein weiteres Besatzungsmitglied wird wegen möglicher Fahrlässigkeit ermittelt; alle weisen die Vorwürfe zurück.
Parallel werteten Behörden AIS-Daten, Kommunikationsprotokolle und Videoaufnahmen aus. Auch die britische Marine Accident Investigation Branch (MAIB) beteiligte sich mit einer eigenen Untersuchung. Der Zwischenbericht wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht und deutet erhebliche Stabilitätsprobleme der Yacht an.


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