Drogen-Fund: Kuriere gekentert – Kiffer-Mekka am Strand

Jäger des verlorenen Schatzes

Marokkanische Drogenkuriere kenterten vor Chiclana. 3,5 Tonnen Haschisch hatten sie an Bord – danach gab es Tag und Nacht so viele Strandspaziergänger wie nie zuvor!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein kleiner Ausflug über die Feiertage an die endlos langen Sandstrände rund um den andalusischen Ort Chiclana lohnt sich noch immer. Auch wenn die Winde dort um diese Jahreszeit meist heftig wehen, hat die Gegend einen kruden Charme, der durchaus empfehlenswert ist. Und nach dem Strandmarsch kann man sich ja mit einem der berühmten (übrigens legalen) Chiclana-Sherrys aufwärmen.

In größeren Paketen waren die handlicheren verpackt © andaluciainfo

In größeren Paketen waren die handlicheren verpackt © andaluciainfo

Wer sich allerdings, wie Tausende zuvor, als Schatzsucher an eben diesen Stränden versuchen möchte, dem sei deutlich gesagt: Es lohnt sich gar nimmermehr. Denn die spanische Guardia Civil hat bekannt gegeben, dass in den letzten Tagen niemand mehr fündig geworden sei und sie die verschärften Kontrollen an eben diesen Stränden nun deutlich reduzieren werde.

Dreikommafünf Tonnen

Funde im Sand? Goldrausch in Andalusien? Nicht ganz… aber so ähnlich.

Vor zwei Wochen kenterten marokkanische Drogenkuriere nachts mit ihren Zodiacs, als sie in einem Sturm bei sehr hohem Seegang versuchten, an einem Strand in der Nähe von Chiclana anzulanden.

Zwei Drogenkuriere ertranken, zwei weitere wurden festgenommen, einer konnte fliehen. Soweit die (leider) für Strände der Region Cadiz viel zu häufig sich wiederholende Geschichte: Seit jeher löschen hier Schmuggler aus Nordafrika ihre Ladung. Oder sie versuchen es zumindest.

An Bord der Unglücksboote waren geschätzte 3,5 Tonnen Haschisch. Fein säuberlich in handliche Portionen wasserdicht verpackt und in adäquaten Stückmengen für den Straßenverkauf vorbereitet. 2,2 Tonnen stellten die Behörden direkt nach dem Unglück  sicher, festgezurrt auf den gekenterten Booten.

Andere waren nicht so gut verstaut. Und genau diese Päckchen trieben nun im Meer und unweigerlich in Richtung Strand.

Perfekter Wanderstrand – und normalerweise menschenleer © turismo andaluz

Perfekter Wanderstrand – und normalerweise menschenleer © turismo andaluz

Tief gebeugt, häufig bückend

Schon am ersten Tag nach dem Unglück sah man auffallend viele Strandspaziergänger trotz miserabler Wetterlage tief gebeugt und sich sehr, sehr häufig bückend den Strand entlang wandern. Stundenlang. Zwischendurch ging man zum Auto zurück, um sich aufzuwärmen und den Sand aus den Taschen zu schütteln.

Bis die Polizei viele Stunden später anrückte, um den Strand mit Patrouillen zu überwachen, müssen so nach Schätzungen der Guardia Civil Hunderte der Päckchen aufgelesen worden sein. Bei den lokalen Behörden oder im Fundbüro wartete man vergebens auf Meldungen.

Die Nachricht sprach sich in einschlägigen Kreisen Spaniens wie ein Lauffeuer herum. Schon 24 Stunden nach dem Unfall waren Hunderte Strandspaziergänger zu beobachten, weitere Tage später sollen es bis zu Tausend Personen gewesen sein, schätzt die örtliche Exekutive.

„Wir wollten das gerade aufs Revier bringen!“

Doch die verstärkt auftretenden Polizeipatrouillen hielten immer mehr dieser Sammler und Schatzsucher an, durchsuchten sie und fanden mitunter große Mengen illegaler Drogen. Was wiederum für eine Festnahme wegen Besitzes derselben reichte. Viele der „Überführten“ argumentierten, sie hätten als gute Bürger die Drogen der Behörde übergeben wollen. Schließlich sei die Sachlage am Strand von Chiclana landesweit bekannt.

Auffallend häufig wurden einheimische Fischer am Strand gesichtet. Sie seien beruflich unterwegs, behaupteten sie. Sie fischen eben nach dem, was ihnen das Meer bietet.

Die spanische Regierung hat übrigens schon seit langem für solche Fälle spezielle Gesetze erlassen die klar stellen, dass illegale Waren nicht als Strandgut gelten und somit vom Finder behalten werden können.

Dass die örtliche Polizei nun Entwarnung gibt, lässt viele der „Schatzsucher“ übrigens aufhorchen. Weder wurde bekannt gegeben, welche Drogenmengen nun tatsächlich sicher gestellt oder gefunden wurden, noch stellte man die Patrouillen entlang der Strände gänzlich ein.

Außerdem müsse die Polizei nun auch weiter entfernte Strände beobachten: Die teils sehr heftigen Strömungen entlang der Küsten laden schwimmendes Gut oft erst an weit entfernten Orten ab. Das sagen zumindest die einheimischen Fischer.

Tipp von SR Leser André Mayer

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Michael Kunst

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