Expedition: Wellness-Programm für “Tara” in Lorient – nächster Törn soll bald starten

Der heimliche Star

Die Expeditonsyacht „Tara“ soll bald zu einer weiteren Forschungsreise rund um das Thema „Meeresverschmutzung durch Plastik und dessen Einfluss auf Bakterien und Mikrobiome“ starten. Doch ausgerechnet ein Virus könnte die Abfahrt erheblich verzögern. 

Es dürfte sich mittlerweile unter den SR-Lesern herumgesprochen haben, dass der Hafen La Base in Lorient eine Art Mekka für Hochseeregattasegler ist. Nicht zuletzt, weil der Autor dieser Zeilen seit Jahren unermüdlich die Trommel für diesen durchaus polarisierenden Parkplatz spannender Hochsee-Boliden rührt. Zwischen hässlichen, verdreckten und geschichtsbeladenen 2.-Weltkrieg-Bunkern warten hier hochmoderne und innovative Ultim-Trimarane, IMOCA, Class 40, Figaro, Minis und Unmengen anderer Geschosse auf ihren nächsten Regatta- oder Rekordeinsatz. 

Doch dabei wird oft vergessen, dass Lorient auch der Heimathafen vieler interessanter Boote ist, die eher weniger mit dem Regatta-Zirkus zu tun haben. Und es dennoch zu Weltruhm gebracht haben. 

Zurück im Heimathafen

So kam es, dass neulich einige bekannte Gesichter aus der Regattaszene zwischen Hunderten maskenbewehrten Segel-, Abenteuer- und Öko-Fans am Quai des (deutlich größeren) Fischereihafens direkt neben La Base standen, um begeistert eine Yacht zu begrüßen, die mittlerweile einen weltweiten Bekanntheitsgrad genießt: Tara! 

Wellnessprogramm im Trockenen für “Tara” © tara

Der knapp 35 m lange und 10 m breite Zweimast-Schoner aus Aluminium (SR-Porträt) kam offiziell zurück von einer mehr als 10 Monate dauernden Expedition – Crew und Boot freuten sich ganz offensichtlich auf Heimathafen und die Liebsten. Die standen auf der Mole und winkten aufgeregt der Yacht entgegen, Kinder erkannten von Weitem ihren Vater oder ihre Mutter, Großeltern fotografierten stolz den Enkel, der nicht weniger stolz das Anlegemanöver an Bord der Tara vorbereitete. Minutenlanger Applaus, als die Yacht fest lag und dann… keine Umarmungen, keine Küsse sondern zurückhaltende Begrüßung nach pandemischer Art. 

Wohlgemerkt: Es war nur ein OFFIZIELLER Empfang der „Tara“ und ihrer Crew im Heimathafen. Nein, nicht nach einer langen Expedition im Pazifik, Atlantik oder in der Arktis. „Tara“ ist schon seit knapp einem Jahr wieder in europäischen Gewässern, die eben erwähnten Familien hatten sich längst wieder gesehen und – in den meisten Fällen – auch den harten, neunwöchigen französischen Lockdown gemeinsam ge- und erlebt. Vielmehr freuten sich die „Tara“-Fans, „ihr“ Expeditionsboot endlich wieder zuhause unter ihrer Fittiche im Hafen zu haben.

Denn „Tara“ lag während der Lockdown-Wochen auf der Seine in Paris, wo sie eigentlich als buchstäbliches Schul-Schiff Schüler und Studenten empfangen sollte, die sich wiederum für die Forschungen und Erkenntnisse der letzten Expeditionsreisen interessieren. Doch dann kam das „Confinement“, Besuche wurden verboten, die Pariser mussten sowieso zuhause bleiben und Tara lag „an der Kette“. 

Lockdown in Paris

Zurück nach Lorient. Derzeit wird „Tara“ nach Strich und Faden an Land aufgemöbelt. Größere Schäden waren – wie auch bei den vorherigen Reisen – nicht zu beklagen; das Unterwasserschiff erhält sein übliches Make-Up, das Ruderblatt ist nach Kollision mit einem UFO beschädigt, der Rumpf muss an einigen Stellen verstärkt werden, da „Tara“ bald wieder in Antarktischen Gefilden unterwegs sein soll. Schon die Überfahrt entlang der bretonischen Küsten segelte“ Tara“ mit einem neuen Segelsatz, der ihr von der „Fondation Tara““ spendiert worden war. 

Doch während „Tara“ gerade ein totales Wellness-Programm erhält, arbeiten Crew und Management der Stiftung „Tara“, die übrigens zu einem großen Teil von der Mode-Marke „agnes b.“ finanziert  wird, bereits unter Hochdruck an den Vorbereitungen zur nächsten Expedition. Und die hat es „in sich“ – nicht wegen der vielfältigen Forschungsaufgaben zu den Themen „Plankton“ und „Verschmutzung der Meere“.

Veröffentlichung über Tara im renommierten Nature Magazin © fondation tara

Kapitän Martin Hertau zur anstehenden 13. Expedition auf „Tara“: „Wir werden uns weiterhin mit den Mikrobiomen der Meere befassen. So wichtig Mikrobiote und Bakterien für den Menschen sind, so wichtig sind sie für die Meere und Ozeane. Doch bisher ist nur sehr wenig über die Auswirkungen der Meeeresverschmutzung auf dieses komplexe und sensible System bekannt. „Tara“ wird eine Reihe internationaler Wissenschaftler erneut in Gebiete auf den Ozeanen segeln, die nur extrem selten von Menschen besucht werden. Dort werden die Forscher Proben entnehmen sowie Test durchführen. „Tara“ wird aufgrund ihrer Einzigartigkeit eine elementare Rolle auch bei dieser Expedition spielen!“ 

Neue Route, ausgerechnet zu Corona-Hotspots

Ab Oktober soll „Tara“ dann wieder auf dem Atlantik segeln. Ziele sind Brasilien, Argentinien, die Antarktis, später Namibia und Niger. Eine Route, die sich vielleicht abenteuerlich lesen mag, letztendlich aber aus ganz anderen Gründen den derzeit planenden Verantwortlichen reichlich Kopfzerbrechen bereitet. Denn so ziemlich alle Länder, die „Tara“ anlaufen soll, sind auch Corooa-Hotspots. 

Die Entnahme von Proben wird vorbereitet © tara

Martin Hertau: „Eigentlich sollten wir – je nach Wetterlage – zwischen dem 24. und 30. Oktober ablegen. Doch Corona macht uns hier vorläufig einen Strich durch die Rechnung. Mal ganz abgesehen davon, dass uns bestimmte Länder durchaus die Einfahrt in ihre Häfen verbieten könnten, sind wir zudem auf „Tara“ terminlich eng getaktet. Wir nehmen in jedem Etappenhafen teilweise neue Crew-Mitglieder, vor allem aber neue Wissenschaftler-Teams für die nächste Etappe an Bord. Wenn wir dann jeweils für 14 Tage Quarantäne an Bord und im Hafen leben müssen, wäre unsere Expedition so nicht durchführbar.“

Der Tara-Kapitän bleibt jedoch zuversichtlich. Gesetzgebung und Maßnahmen ändern sich allein in Frankreich wöchentlich und in einigen der anderen, erwähnten Länder ist der Überraschungsfaktor noch deutlich größer. Die Expeditionsyacht „Tara“ wird wieder auf den Ozeanen und Meeren die Wissenschaftler sicher in die entferntesten „Ecken“ unseres Planeten bringen. Ein genauer Zeitpunkt dafür steht allerdings noch in den Sternen. 

 Zahlen rund um „Tara“ und die gleichnamige Stiftung:

12 Expeditionen wurden bisher durchgeführt. Die 13. ist in Vorbereitung.

400.000 km wurden auf den Ozeanen befahren, in 60 Ländern legte Tara an.

80.000 Wasser-Proben wurden während der Expeditionen entnommen.

Mehr als 300 wissenschaftliche Piublikaitonen wurden nach Tara-Expeditionen veröffentlicht.

70.000 Kinder wurden in den Häfen für Themen rund um die Ozeane sensibilisiert.

Zwei Millionen Personen besuchten die jeweiligen „Tara“-Ausstellungen.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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