Familien-Weltumseglung: „Los-Locos-Eitzingers“ nach Schiffbruch jetzt auf den Fidschies

+++ Die "Verrückten" +++

Die Eitzingers im Paradies © eitzinger

Die Eitzingers im Paradies © eitzinger

Der Österreicher David, die Argentinierin Guillermina und ihre beiden Kinder Bruno (7) und Viola (5) sind seit drei Jahren unterwegs. Im Pazifik erlitten sie Schiffbruch – und machten prompt auf neuem Kiel weiter.

Das Leben nimmt manchmal seltsame Wendungen. Da segelt eine Familie mit zwei kleinen Kindern vor drei Jahren auf einer 11,20 m langen Feltz Skorpion aus Stahl los, um die Welt zu umrunden. Unter österreichischer Flagge, mit Startort Berlin.  Nicht mehr, nicht weniger.

Die klassische Route war angesagt: Kanaren, Kapverden, Barbados, Panamakanal, Pazifik…

Alles klappte wunderbar, Schiff und Mannschaft segeln den Törn ihres (teils noch sehr jungen) Lebens. Die (B)Logbucheintragungen im Internet lesen sich wie Abenteuerbücher, doch alles bleibt im grünen Bereich was Gefahr für Leib und Leben der kleinen und großen Eitzingers anbelangt. Kurz: die „Los Locos“ (“die Verrückten”, wie sie sich selbst auf ihrer Website nennen) leben ihren verrückten Traum voll aus. Alles steht unter einem guten Stern.

Mit und ohne Glücksstern

Aber der muss im Oktober 2012 kurzzeitig den Kontakt zu den „Verrückten“ auf ihrem kleinen Schiff da unten im riesigen Pazifik  verloren haben.

[ds_preview] (Ab hier Text für SR Club Mitglieder)
Nach Schiffbruch ein neues Zuhause © Eitzinger

Nach Schiffbruch ein neues Zuhause © Eitzinger

Skipper David nickt während seiner Wache ein und um drei Uhr morgens trifft ”Rancho Relaxo” auf dem Weg von Moorea zu den Tuamotus Inseln kurz vor dem Ziel auf das südliche Riff Tetiaroa.

Alles geht sehr schnell. Die Familie setzt ein Notruf-Signal ab, die Küstenwache birgt sie per Hubschrauber vom Riff. Bei der anschließenden Schiffsbergung mit einem Bagger bricht das Rigg…

Ein passender gebrauchter Mast ist nicht aufzutreiben, die notwendigen finanziellen Mittel für ein neues Rigg übersteigen das Budget der (nicht versicherten) Eitzingers – das Abenteuer scheint mitten im Paradies zu enden.

Doch sie entschließen sich zum Weitermachen. Eine mutige Entscheidung. Sturheit? Abenteuerlust? Konsequentes Festhalten am ursprünglichen Plan? Oder die Ermunterung von außen?

Bei den Eitzingers dürfte das letztgenannte Argument eine entscheidende Rolle gespielt haben. Sie bitten im Internet um finanzielle Unterstützung, verkaufen den Rumpf ihrer „Rancho Relaxo“ und erhalten tatsächlich von Freunden wie Fremden die finanziellen Mittel, um nicht mehr ans Aufgeben denken zu müssen.

Der Skipperin ist manchmal auf längeren Passagen blümerant zumute © Eitzinger

Der Skipperin ist manchmal auf längeren Passagen blümerant zumute © Eitzinger

Ein Schnäppchen?

Die damals deutlich fallenden Preise für Gebrauchtyachten in Polynesien kommen den Eitzingers entgegen und bald stehen sie auf einem neuen Zuhause: Die „Suvarov“ ist 12 m lang, wiegt ungefähr 15 Tonnen und ist ein Amateurbau – hat es aber immerhin vom Mittelmeer nach Tahiti geschafft! Über die finanziellen Umstände des Kaufs äußert sich David auf seinem Blog:

„Man kann durchaus interessante GFK-Schiffe aus den 80ern für 20-30 Tausend Euro finden. Des weiteren gelten Stahlschiffe hier beinahe als unverkäuflich (ähnlich wie in den USA). Die Caroff Sterven, die wir nun erworben haben, ist ein Amateurbau und als Knickspanter in der Produktion deutlich günstiger als eine Feltz. Dennoch ist der Preis von 41 Tausend Euro meiner Meinung nach ein Schnäppchen.

Aber auch zu dem Preis hätten wir das alleine niemals stemmen können. Eine massive Unterstützung vieler Freunde und Blogleser hat die Bergung der `Rancho Relaxo´ finanziert (ca. 4.000 Euro). Und als wir nicht glaubten, unsere Reise fortsetzen zu können, sprangen unsere Familien ein und bescherten uns ein Weihnachten, wie wir es nie erwartet hätten. Soll heißen, die „Suvarov“ gehört eigentlich zu zwei Dritteln unseren Eltern bzw. meiner lieben Großmutter. Noch detaillierter werde ich aber nicht!“

Doch die offenbar erschwingliche Verkaufssumme für das Schiff… hat seinen Preis! Denn die Stärke der „Suvarov“ ist nicht gerade „segeln“. Ursprünglich für ein Ketch-Rigg gezeichnet, schmückte das Schiff jedoch niemals ein zweiter Mast. Und in den teils lang anhaltenden Leichtwindperioden Polynesiens treibt die „Suvarov“ mit 1,9 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit durch den Pazifik.

Kinder an Bord – nur cool © eitzinger

Kinder an Bord – nur cool © eitzinger

In einem Interview, das der Segeltramper „Bruder Leichtfuß“ letzten Herbst mit David Eitzinger führte, liest sich das so: „Ein Schiff vom Typ ‘Caroff’ würden wir aber nicht mehr kaufen. Die Konstruktion ist ‘Amateur’  – vor allem ist es der Planzeichner, haben wir das Gefühl! Unser altes Schiff segelte wesentlich besser und war im Vergleich genial konstruiert.

“Keep It Simple, Stupid!”

Von der Verarbeitung und den verwendeten Materialien fang ich mal lieber gar nicht an zu sprechen. Aber was soll’s – immerhin schwimmt es!“ Auf die Frage nach seiner ganz persönlichen „Seglerweisheit“ antwortet Eitzinger: „KISS – Keep It Simple, Stupid!
Alles geht kaputt. Ist nur eine Frage der Zeit. Es bewährt sich, Redundanzen zu haben. Auch ziehen wir gebrauchte, ältere Geräte einem Neukauf vor. Die Qualität der Verarbeitung und der verwendeten Materialien scheint jährlich zu sinken. Das Wichtigste ist, dass der Rumpf stabil und dicht ist und das Rigg und Segel in Ordnung. Der Rest ist sekundär und wird sehr oft überschätzt.“

Und genau dies könnte der Schlüssel zum weiteren glücklichen Leben der „Los Locos“ sein  – „KISS!“ Es geht nicht (mehr?) um Segelperformance als solche, sondern um ein möglichst entspanntes Leben. Mit viel Zeit genießen die Vier ihr Leben , das sie fortan ausgesprochen „einfach“ halten. Sie ankern nahezu ausschließlich, bleiben mitunter wochenlang an geeigneten Plätzen, nicht zuletzt, damit die Kinder Freundschaften schließen können oder auf den Inseln eine Ahnung vom Leben „an Land“ bekommen.

Selbst Buckelwale schauen vorbei:

Natürlich dürfte es hart und schwer gewesen sein, die Havarie und anschließende glückliche Rettung zu verarbeiten. Doch wie so oft im Leben, heilt die Zeit am besten alle Wunden.

Drei Monate lang ziehen Mutter Guillermina und die beiden Kinder im Winter 2012/13 zu ihren Eltern nach Argentinien, während David das „neue“ Schiff  übernimmt, die entmastete „Rancho Relaxo“ verkauft, und die „Suvarov“ einrichtet.

Anfang März sind die „Verrückten“ wieder vollzählig auf ihrem neuen schwimmenden Zuhause. Und eine tolle Zeit beginnt, die in spannenden Posts auf der Internetseite nachzulesen sind. Tauchexkursionen, Pferdetouren, Bergwanderungen aber auch lange Segelschläge zwischen den Inseln bestimmen fortan den Alltag der Eitzingers. Sie besuchen Inseln wie „Tahaa“ oder Bora-Bora“ (wo Bruno seinen siebten Geburtstag feiert); und sogar mit Buckelwalen schnorcheln die „Los Locos“.

Bora-Bora taucht aus dem Morgendunst auf © eitzinger

Bora-Bora taucht aus dem Morgendunst auf © eitzinger

Sie segeln nach Tonga, bleiben dort „nur“ zwei Wochen und reisen  in fünf Tagen zu den Fidschie-Inseln, wo die Familie erneut unzählige Abenteuer erwarten.

Derzeit liegt die „Suvarov“ vor der Insel Namena, Guillermina und die Kinder sind mal wieder für ein paar Wochen nach Südamerika geflogen. Und David hat reichlich Zeit für offenbar notwendige Arbeiten am und im Schiff (Stichworte: „Geplätscher in der Bilge – Motorkühlung!“)

„Coquito!

Wie sich das nun alles finanziert? Die Antwort darauf klingt „loco“, verrückt. Denn die Eitzingers bezahlen ihre Abenteuer, für die sie ca. 1.000 Euro im Monat brauchen, hauptsächlich mit… Kinderkleidung!

Guillermina hat es geschafft, mit einer alten Leidenschaft als mittlerweile überzeugte Seglerin sprichwörtlich an Land „Fuß zu fassen“. Unter dem Label „Coquito“ vertreibt sie „kleine Kleidung, die in Berlin designt wurde und in Argentinien handgefertigt wird!“ Fair hergestellte Kleidung für Kinder, die in Städten wie Berlin, Madrid, Barcelona und Buenos Aires verkauft wird.

Kleidung, die es ihren Kindern wiederum ermöglicht, eine außergewöhnliche Kindheit zu erleben.

Wie gesagt, das Leben geht manchmal seltsame Wege.

Los Locos Website

Mieses Wetter vor Tonga © eitzinger

Mieses Wetter vor Tonga © eitzinger

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Michael Kunst

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