Ferrari Hypersail im BVB-Look: So soll die erhoffte schnellste Hochseeyacht aller Zeiten aussehen

Gelb statt Ferrari-Rot

Zuletzt hatte das Ferrari-Projekt Schlagzeilen mit der Freistellung des Gesichts der Kampagne gemacht, dem italienischen Hochsee-Helden Giovanni Soldini. Nun folgt die groß angekündigte „Enthüllung“. Der Look ist für die Kultmarke ja auch wichtig.

Die Konfiguration von Ferrari Hypersail. © Ferrari

Auf dem Meer ist das Aussehen eigentlich Nebensache. Es geht um Funktionalität und Verlässlichkeit, wenn man gegen Sturm und Brecher bestehen will – also um vergleichsweise nüchterne Werte, die in der Glamourwelt von Ferrari normalerweise wenig Platz haben. Dabei ist die Herausforderung, der sich die Tech-Schmiede in Maranello stellt, ein einziger Superlativ: Ferrari Hypersail soll in 30 Tagen um die Welt rasen.

Gegner sind Wetter und Physik. Noch nie ist ein Einrumpfer dieser Größenordnung um die Welt geflogen. Kaum zu glauben, dass das gelingen könnte. Aber schon die America’s-Cup-„Kraken“ vom Typ AC75 haben gezeigt, was heutzutage möglich ist. Und genau dieses Know-how steckt hinter dem Design.

Das Konstruktionsbüro von Star-Designer Guillaume Verdier zeichnet verantwortlich. Der Franzose hat umfassende Reputation und Erfahrung mit diesem Design beim America’s Cup gesammelt, seit er die neuseeländische AC75-Siegeryacht Te Rehutai entwarf und auch maßgeblich am nächsten Sieg der Kiwis in Barcelona 2024 beteiligt war. Zudem hat er zuletzt nicht nur durch den Vendée-Globe-Sieger Macif Offshore-Erfahrung auf der Rennstrecke um die Welt gesammelt. Verdier steckt auch hinter dem Ultim-Neubau Gitana 18 – mehr Know How für ein solch radikales Projekt ist nicht zu finden.

Ferrari Hypersail
Vier Foils, aber nur drei sollen im Wasser sein. © Ferrari

Allerdings mit dem Unterschied, dass der neue Ferrari auf drei statt zwei Tragflächen über das Wasser schweben soll. Daraus ergibt sich zwar mehr Widerstand als bei den Cuppern, aber eben auch mehr Kontrolle bei Wellengang. Und drei Punkte im Wasser sind immer noch weniger als die vier Foils der um den Jules-Verne-Rekord konkurrierenden Trimarane – allen voran die frisch vom Stapel gelaufene Gitana.

Auch der geringere Windwiderstand des Monohulls im Vergleich zur breiten Plattform der Ultims sorgt für einen theoretischen Vorteil des Konzepts. Aber dieser muss eben noch bewiesen werden. Ist ein solches Gefährt im Wellengang mit über 45 Knoten Speed überhaupt beherrschbar?

Ferrari Hypersail
Gut zu sehen: der von den AC75 bekannte „Bustle“ unter dem Rumpf, der beim frühen Abheben helfen soll. © Ferrari

Antworten wird es erst auf dem Wasser geben. Bis dahin muss der neue Look für Aufmerksamkeit sorgen. Im Rahmen der Milan Design Week hat Ferrari erstmals die Lackierung der 30-Meter-Yacht Hypersail präsentiert. Die visuelle Identität steht im Mittelpunkt. Der Mythos der Marke funktioniert über Design und Emotion. Deshalb ist auffällig, dass nicht das bekannte Rot, sondern Gelb dominiert. Laut Ferrari steht diese Farbe für die „zweite Seele“ der Marke. Historisch soll sie auf Enzo Ferrari zurückgehen: In den 1960er-Jahren fuhren mehrere Ferrari-Rennwagen in Gelb.

Ferrari Hypersail
© Ferrari

Technisch interessant ist die Aussage, dass die aufwendige Bordelektronik inklusive der Flugsteuerung ausschließlich durch erneuerbare Energien betrieben werden kann. Insbesondere großflächig auf dem Deck angebrachte Solarzellen, die zudem begehbar sind, sollen für die Versorgung ausreichen – auf einen klassischen Dieselmotor als Backup wird gänzlich verzichtet.

Ferrari Hypersail
© Ferrari

Doch aktuell bleibt vieles Theorie. Die Yacht befindet sich noch im Bau; der Stapellauf ist für 2026 angekündigt, ein genaues Datum gibt es allerdings noch nicht. Bis dahin ist die „Hypersail“ vor allem ein Projekt voller Versprechen – und eine aufwendig inszenierte Designstudie. Nach dem Abgang von Soldini fehlt zwar eine prägende Figur, die das Projekt sportlich glaubwürdig verankert, aber die öffentliche Vorstellung zeigt, dass es die Italiener ernst meinen.

Ferrari Hypersail
© Ferrari

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