Gemeinschaftsarbeit im Hafen: Wie die zugefrorene Schlei hilft, einen neuen Vereinssteg zu bauen

Die perfekte Arbeitsbühne

Der Frost hat das Land und die Küste voll im Griff. Von Segelwetter kann man derzeit in Deutschland deshalb wohl nicht gerade nicht sprechen. Aber ein zugefrorenes Heimatrevier kann eine glückliche Fügung sein, wie ein Segelverein aus Schleswig gerade bewiesen hat. 

Eisige Arbeitsfläche. Alle Fotos: Segelclub Ahoi, Schleswig

Grau ist der Himmel über der Schlei, das Eis knirscht unter den Stiefeln, und trotzdem ist die Stimmung erstaunlich gut. Der Segelclub Ahoi in Schleswig hat gerade einen dieser seltenen Momente erwischt, in denen aus einem Problem plötzlich eine Gelegenheit wird. Wo bei Seglern Frost meistens gleichzusetzen ist mit Frust, liegt der Fall hier anders. Es gibt wenig überlieferte Geschichten, in denen sich Segler so über ihr zugefrorenes Revier freuen. 

Schleppen mit Schlitten. Segelclub Ahoi e.V.

Seit Monaten steht der Verein vor einer Aufgabe, die man ohne Übertreibung ein Mammutprojekt nennen kann: eine komplett neue Steganlage. Teuer, komplex, nichts, was man nebenbei erledigt. Also wurde geplant, gerechnet und beschlossen, möglichst viel in Eigenleistung zu stemmen. Im Herbst rückte eine Wasserbaufirma an und setzte die neuen Dalben.

Der schwierigste Teil blieb jedoch unerledigt: der Aufbau der restlichen Konstruktion. Normalerweise hätte das bedeutet, Material mit Booten zu den Segmenten zu bringen und vom Wasser aus zu arbeiten – mühsam, langsam und abhängig vom Wetter. Nun aber konnten die GFK-Träger einfach per Schlitten an den gewünschten Ort gezogen werden. 

Tiefe Temperaturen, hohes Arbeitspensum, top Laune. Foto: SC Ahoi

Denn aufgrund lang anhaltendenr Minusgrade fror die Schlei zu. Und plötzlich lag die Baustelle nicht mehr im Wasser, sondern auf einer tragfähigen Arbeitsbühne aus Eis. Kurzerhand wurden die Mitglieder fürs Wochenende zusammengetrommelt, Ärmel hochgekrempelt und los ging’s. Die Fotos zeigen die Ahoi’ler mit Mützen und Handschuhen, die Träger ausrichten, über das Eis Material heranschleppen (sogar das ging leichter als geplant) und dabei sichtlich Spaß haben. Wo sonst Boote schaukeln würden, stehen jetzt Schlitten, Werkzeuge und Kaffeebecher.

 

Foto: Segelclub Ahoi

Einer der Beteiligten bringt es trocken auf den Punkt: „Wenn dir der passende Maulschlüssel aus der Hand fällt, liegt er auf dem Eis statt auf dem Grund der Schlei.“ Das Eis ist ein echter Glücksfall, den der Verein für sich zu nutzen wusste. Denn ohne das Eis wäre dieser Kraftakt so nicht möglich gewesen. Mit ihm wurde an nur einem Wochenende ein riesiger Schritt nach vorn gemacht. Die neue Steganlage ist damit noch nicht fertig, aber sie ist greifbar geworden – und das zählt. Manchmal braucht es genau das Gegenteil, was zum Segeln notwendig ist. 

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