Gesellschaft: Solo-Segler nehmen ihre Hühner mit auf Törn

"Chicks" an Bord

Die alten Seefahrer haben es vorgemacht: Auf lange Schläge wurden lebende Lebensmittellieferanten mitgenommen. Kommt das wieder in Mode? Kultverdächtiges Video gibt Antworten.

Die Idee ist also wirklich nicht neu: Wer lange alleine auf See ist, braucht Unterhaltung. Und wenn dieselbe auch noch Essen liefert… kommt das nicht einer „eierlegenden Wollmilchsau“ gleich?

Monique und Guirec beim Sundowner © Soudée

Monique und Guirec beim Sundowner © Soudée

Nun haben moderne Langfahrtschiffe bekanntlich eher weniger Raum, um gleich einen halben Zoo mit auf die Reise zu nehmen. Wer kann sich schon vorstellen, den schmalen Rumpf einer MOD70 mit ein paar Schweinen und reichlich Federvieh zu teilen, wie es die Maoris auf ihren Proas vor Tausend Jahren bei ihren Entdeckungsreisen in der Südsee machten? Oder eine Ziege auf einer Class 40, damit das tägliche Glas Milch und frischer Käse den ansonsten von Powerbars geprägten Menüplan bereichert?

Separat und sicher untergebracht?

Unabhängig voneinander sind derzeit zumindest zwei Segler auf den Meeren unterwegs, die diese Idee aufgegriffen haben und alleine (besser gesagt: ohne menschliche Begleitung) aber mit gackernden Lebensmittellieferanten ihre Törns bestreiten. Kurz, die Jungs haben ihre Hühner an Bord.

Gemeinsam mit den Delfinen Freundschaft schließen © soudée

Gemeinsam mit den Delfinen Freundschaft schließen © soudée

So überquerte kürzlich Mateo Miceli auf einer ECO 40 den Äquator. Der „Ökosegler“ (wie er sich selbst bezeichnet) will auf der gleichen Route wie die Vendée-Globe-Segler solo und nonstop die Welt umrunden. Und sich dabei möglichst autark ernähren. Mit an Bord: zwei Hennen und ein Gemüsegarten. Folgerichtig besteht Micelis Ernährungsplan aus Eiern, die von den Hennen an Bord gelegt werden und Salat und Sojakeimen aus dem Gewächshaus in zwei Kippbehältern.

Solo-Ausflug im Beiboot © soudée

Solo-Ausflug im Beiboot © soudée

Beide Hennen seien „in einer separaten und sicheren Umgebung unter Deck untergebracht“ beteuert der Italiener und das gesamte Projekt inklusive Meerwasserentsalzungsanlage sei schließlich von den Unis in Bologna und Neapel betreut. Um gleich militanten Tierschützern, die befürchten, die armen Tiere könnten sich an Deck einen Sonnenstich holen, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Transatlantik nach 25 Eiern

Von „sicher“ und „unter Deck“ halten der Franzose Guirec Soudée und seine Monique wiederum überhaupt nichts. Letztgenannte ist die Henne, die den 22-Jährigen auf seinem Transatlantiktörn begleitete. Was übrigens wörtlich zu nehmen ist: Wer sich den obigen Film anschaut wird verstehen, dass Soudée wirklich nicht mehr behaupten kann, er sei solo über den Atlantik gesegelt.

Den Speiseplan anreichern © soudée

Den Speiseplan anreichern © soudée

Denn die Henne ersetzte durchaus „die zweite Hand“ an Bord, schiebt Wache und hält Ausguck, ist häufig auf dem Deck beim Segelwechsel anzutreffen, freut sich mit ihrem Freund über den Anblick springender Delfine  und – natürlich! – kümmert sich um den Eiweiß-Nachschub.

Die beiden bestehen eine tumultreiche Überfahrt von den Kanaren in die Karibik, bei dem Monique sich im Sturm offenbar öfter an Deck blicken ließ als Guirec. 28 Tage und 25 Eier später gönnen sich beiden dann zur Entspannung einen gemeinsamen SUP-Ritt vor dem Palmenstrand einer lieblichen Insel. Chicks können eben doch Freunde fürs Leben werden!

Übrigens: Nächstes Jahr segeln die beiden nach Grönland.

Facebook Guirec Soudée

Mit Material von Andreas Ryll (Miceli)

Der Tipp zum kultigen Film kommt von SR Leser André Mayer

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Gesellschaft: Solo-Segler nehmen ihre Hühner mit auf Törn“

  1. Cooler Film …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 0

  2. avatar Helmut sagt:

    So ein Huhn kackt doch das ganze Boot voll und zerkratzt das Gelcoat ha 😉

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  3. avatar Markus sagt:

    Gegen frische Eier an Bord ist ja nichts einzuwenden – nur die Henne muss ja auch gefüttert werden und den Mist die so ein Tier macht, ist bestimmt auch nicht ohne…

    Da nehme ich lieber genügend Eier mit und zähl auf frisch gefangenen Fisch unterwegs!

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