“Gestrandete” ukrainische Optisegler protestieren vor Abramowitsch-Yacht in Bodrum

Kleine Demonstranten ganz groß

Eine Gruppe von Jugendseglern aus der Ukraine hat im türkischen Hafen Bodrum für Aufsehen gesorgt. Sie stellten sich der Superyacht von Roman Abramowitsch in den Weg um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen.

Das Coachboot mit den ukrainischen Optiseglern protestiert vor der Abramovitch Superyacht “Solaris”, die sich nach Bordum geflüchtet hat. © Dontsov

Der Russe Roman Abramowitsch (55) ist einer der bekanntesten Oligarchen und vermögendsten Menschen der Welt. Er war einer der wichtigsten Wegbereiter für Putins Aufstieg und steht ihm immer noch nahe. So kam der FC Chelsea-Besitzer auf die Sanktionsliste von Großbritannien und der EU und muss befürchten, einige seiner Vermögenswerte zu verlieren. Darunter befinden sich unter anderem zwei riesige Yachten, deren Wege seit Tagen von sogenannten Ship-Spottern verfolgt werden.

Insbesondere der Zickzackkurs der 140 Meter langen und 500 Millionen Euro teuren Superyacht “Solaris” sorgte dabei für Aufsehen. Sie legte in Barcelona ab nahm dann Kurs auf Montenegro und ist nun in der Türkei angekommen. Dabei änderte sie ihr Ziel offenbar jeweils entsprechend der sich ändernden politischen Lage auf der Suche nach einem Land, dass die Sanktionen nicht unterstützt. Die Türkei kritisiert die Invasion zwar, lehnt aber Sanktionen gegen die Milliardäre ab.

Die Optisegler vor der Superyacht. © Dontsov

Der Kurs der Abramovitsch-Yacht generiert unerwünschte Aufmerksamkeit, da auch schon dessen zweite Superyacht, die 162 Meter lange “Eclipse”, im türkischen Marmaris festgemacht hat. Aber die großen Schiffe sind kaum zu verstecken.

So hat nun die “Solaris” in den Mittelpunkt internationaler News geraten. Spiegel Online berichtet: Ukrainische Seeleute blockieren russische Oligarchenjacht. Eine “laut skandierende Gruppe in einem kleinen Boot” habe sich in den Weg gestellt.

Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Gruppe Optimist-Segler, die vom Krieg überrascht wurden als sie sich im spanischen Valencia auf die Saison vorbereiten wollten. Sie hissten beim Segeln ihre Nationale und zeigten Flagge für ihr Land. Danach konnten sie nicht mehr zurück.

Sie schrieben: “Wir bereiten uns auf die großen internationalen Optimistenregatten vor. Aber unsere Herzen sind gebrochen – wir trainieren gerade und denken an unsere Eltern und alle Verwandten, die in der Ukraine angegriffen werden. Und wir können dazu nicht schweigen. Wir sind sicher, dass die gesamte zivilisierte europäische Welt das Unglück des freien ukrainischen Volkes moralisch teilt. Wir bitten um maximale Weiterverbreitung und Unterstützung. Bitte – stoppt diesen verdammten Wahnsinn!!!”

Am Anfang des Krieges wird das ukrainische Opti-Team in Spanien überrascht und zeigt Flagge.© Dontsov

Sie reisten danach zum Gardasee, wo sie auch Kontakt mit deutschen Seglern hatten – auch mit der Gruppe Hamburger Jugendsegler vom Blankeneser und Mühlenberger Segel-Club in Hamburg. Beide Vereine helfen unter anderem, indem sie ihre Clubhäuser als temporäre Erstunterkünfte für ankommende Kriegsflüchtlinge zur Verfügung stellen.

Mit diesem Bilder hat die Scheidt-Familie eine Spendenkampagne gestartet.

In Torbole ging den Ukrainern aber langsam das Geld aus, weil aus der Heimat kaum noch Unterstützung kommen konnte. Die Segelstars Gintare und Robert Scheidt setzten vor Ort eine Spendenkampagne in Gang, die inzwischen 22500 Euro zusammengebracht hat. Die litauische Olympiamedaillen-Gewinnerin Gintare Scheidt erklärt:

“Das Team besteht derzeit aus acht Seglern, und weitere Kinder versuchen, die ukrainische Grenze zu überqueren und sich dem Trainer Pavlo Dontsov anzuschließen, da sie sonst nirgendwo hinkönnen. Pavlo möchte möglichst vielen Kindern helfen, weiter zu segeln und sie von der Katastrophe in ihrem Land abzulenken. Im Moment verfügen sie einen Lieferwagen mit einem Anhänger und ihre Boote. Die meisten Kinder kommen aus der Region Odessa und einige aus Kiew.”

Nach dem Wettkampf am Gardasee ist die Trainingsgruppe in die Türkei aufgebrochen, wo vom 1. bis 6. April die 10. BIOR Regatta stattfindet. 447 Optisegler sind gemeldet, darunter gleich 40 Jüngstenskipper aus der Ukraine.

Das Team von Pavlo Dontsov hat nun schon vorab einen großen Sieg gelandet. Es nutzte das Coachboot des Trainers, um sich in Bodrum vor die Abramovitsch-Yacht zu legen. Ein symbolischer Protest von David gegen Goliath. Er geht nun um die Welt.

Tipp: Sören Sörensen

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „“Gestrandete” ukrainische Optisegler protestieren vor Abramowitsch-Yacht in Bodrum“

  1. avatar Fasntetwinner sagt:

    Größter Respekt an Pavlo und die Kids sowie die anderen Trainer aus Kiev und Odessa!

    12

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