Jules Verne Trophy: Francis Joyon greift mit Gebrauchtboot die Bestzeit um die Welt an

Mythischer Rekord

„Wenn nicht wir, wer sonst?“ fragt Francis Joyon. Schiff und Skipper haben jeder für sich schon viele Erfahrungen mit Hochseerekorden gesammelt. 45:13:42 Tage müssen unterboten werden.

Als Francis Joyon und sein Team das 31,50 Meter lange und 22,50 Meter breite Monster zu Wasser lassen, spricht der Skipper von „großer Symbolik für einen mythischen Rekord“. Mit diesem Trimaran, der  ex “Groupama” und einer guten Crew fühle sich der 59-Jährige in der Lage, „alle, aber auch wirklich alle Rekorde der Hochsee zu brechen!“

Nach einer dreiwöchigen Express-Umbauphase in seiner „Geburtswerft“ Multiplast im bretonischen Vannes, machte der legendäre Trimaran auch unter neuem Namen im neuen Lack wie gewohnt eine beeindruckend gute Figur. „Mit so einem Monster ist alles möglich,“ sagte Joyon mit respektvollem Unterton. „Dieser Trimaran ist unglaublich schnell bei jedem Wetter und Seegang und hat gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass er außergewöhnlich robust ist! Aber er kann auch launisch sein. Genau so, wie ich mich fühle, wir passen hervorragend zusammen!“

IDEC, Trimaran, Jules Verne Trophy

Alter Bekannter in neuem Lack: Die “IDEC” wird erneut zu Wasser gelassen © liot

Dreamteam

Tatsächlich haben Skipper und Boot schon mehrfach bewiesen, dass sie nicht umsonst zu den „lebenden Legenden“ der Hochsee zählen.

Francis Joyon gilt als Pionier unter den Hochseerekordfahrern. 2004 stellte er in 72 Tagen einen Einhand-Nonstop-Weltumseglungsrekord auf – erstmals auf einem Mehrrumpfboot. 2008 legte er die Messlatte noch höher, indem er den in der Zwischenzeit von Ellen MacArthur unterbotenen Rekord erneut einheimste: 57 Tage,13 Stunden. Dieser Rekord steht noch immer, könnte aber bald fallen, wenn sich Francois Gabart mit seiner nagelneuen Macif einhand ans Werk machen wird.

Joyon schaffte mehrmals das schnellste 24-Stunden-Etmal, stellte rund ein Dutzend Einhand-Rekorde auf den unterschiedlichsten Strecken auf (Nordatlantik-Überquerung, Überquerung Pazifik, Kap d.g.Hoffnung – Kap Leuwin etc.) und stand bei den namhaftesten Hochseeregatten bereits auf dem Podium.

Doch sein neuer Trimaran kann ebenfalls auf eine lange Rekordliste zurückblicken. Bevor er bei Multiplast zum „Refitting“ eingeliefert wurde, hatte er allein in diesem Jahr unter dem Namen „Lending Club“ bereits 25.000 Seemeilen auf den Weltmeeren geloggt. Und dabei u.a. den Transpac-Rekord zwischen Los Angeles und Hawaii gebrochen.

IDEC, Trimaran, Jules Verne Trophy

Francis Joyon vor der “IDEC”: “Wir passen gut zusammen!” © liot

 Trimaran mit Rekord-Historie

Mitte 2006 hatte der Trimaran erstmals die Werfthallen von Multiplast verlassen. Franck Cammas und sein Sponsor hatten die „Groupama 3“ in Auftrag gegeben und nach 130.000 Arbeitsstunden in über einem Jahr Bauzeit hing damals vor dem Mehrrumpfspezialisten Cammas ein „Monster“ am Haken, das zunächst einmal nur eine Bestimmung hatte: Die Jules Verne Trophy zu gewinnen, also im Team nonstop so schnell wie möglich um die Welt zu segeln.

Dafür hatte Cammas ganz bewusst nicht einen größeren Trimaran als den Rekordhalter „Orange“ in Auftrag gegeben. Dem Franzosen war klar, dass nur Allrounder über so lange Strecken Rekorde brechen werden. In schwerem Wetter fast genauso schnell wie die vier Meter längere „Orange“, sollte das neue Boot später vor allem auf Leichtwindstrecken punkten…

2007 drehte die „Groupama 3“ einige „Trainingsrunden“ im Atlantik und brach dabei gleich entsprechende Rekorde (u.a. Nordatlantikroute). Anfang 2008 machten sich Cammas und sein Team an Bord der „Groupama 3“ zur Jules Verne Trophy auf – und kenterten nach drei Wochen vor Neuseeland, nachdem sie bereits einen Tag virtuellen Vorsprung auf den bestehenden Rekord herausgefahren hatten.

Der stark beschädigte Trimaran wurde nach aufwändiger Bergung im Prinzip völlig neu aufgebaut und im November ging es an den zweiten Weltumseglungsrekordversuch.

IDEC, Trimaran, Jules Verne Trophy

Hat allein dieses Jahr schon 25.000 Seemeilen auf der Logge: Die IDEC ex Lending Club ©

Doch schon vor Afrika brach ein Verbindungsträger im Rumpf… erneute Aufgabe. Erst der dritte Versuch Anfang 2010 sollte gelingen. Bei ausgesprochen schlechten Wetterbedingungen lag „Groupama 3“ bis zur zweiten Äquator-Überquerung zwar noch deutlich hinter dem Rekordhalter, doch auf den letzten 4.000 Seemeilen konnten Cammas und sein 10-köpfiges Team noch mehrere Tage gutmachen und letztendlich den bestehenden Rekord um zwei Tage unterbieten.

Noch im gleichen Jahr ließ Cammas den Trimaran auf Einhandbetrieb umrüsten, um bei der Route du Rhum vor Francis Joyon fulminant zu siegen.

Groupama, Banque Populaire, Lending Club… IDEC

2013 kauft Armel le Cleac’h das Schiff, lässt es in Lorient modifizieren und bricht mit ihm erneut mehrere Rekorde im Atlantik. Doch sein eigentliches Ziel, der Sieg bei der Route du Rhum, war Le Cleac’h nicht vergönnt: Kurz vor dem Start zur prestigeträchtigen Einhand-Transatlantik-Regatta verletzte er sich. Das „Schweizer Taschenmesser der Franzosen“, Loick Peyron sprang ein und düpierte überraschend seinen größeren Gegner “Spindrift“, die als “Banque Populaire” den Jules Verne Rekord hält.

„Wir haben also beide was drauf,“ stellt Francis Joyon klar, nachdem der Trimaran in Lorient ein neues Rigg erhalten hat und nun in seinem neuen Heimathafen „La Trinité sur Mer“ liegt. „Ich mache mir auch keine Sorgen um das Handling: Diese riesigen Mehrrumpfer segeln im Prinzip alle gleich, da braucht ein versiertes Team nur kurze Einarbeitungszeit.“ Die Werft „Multiplast“ hatte übrigens neben dem neuen Branding nur wenige Umbauten vorgenommen. Vor allem eine größeres, „richtiges Navigationssystem“ war Joyon offenbar wichtig, zudem ein abnehmbarer Windgenerator als Backup für die Stromversorgung an Bord.

IDEC, Trimaran, Jules Verne Trophy

Mit diesem Segelkleid wird die IDEC jetzt wochenlang vor der bretonischen Küste trainieren © IDEC

Zwei bis drei Wochen will er nun mit wechselnder Crew vor „La Trinité“ trainieren, um dann ab Ende Oktober auf „Stand-by“-Modus für die „Jules Verne-Trophy“ zu gehen.

Auch aus Gewichtsgründen hat sich Joyon dazu entschlossen, nur mit einer fünf Mann starken Crew an den Start zur legendären Weltumseglung zu gehen. Wer genau mit ihm segeln darf , wird wohl erst bei der Taufe des Trimarans auf den Namen IDEC bekannt gegeben. Angeblich sollen mehr als zwanzig renommierte Hochseesegler „heiß“ auf einen der fünf Plätze sein.

„Für mich ist dieser Rekord ein Mythos, die ultimative sportliche Herausforderung auf der See,“ sagt Joyon. Es wäre der Höhepunkt einer beeindruckenden Karriere auf hoher See. „Wir müssen den Trimaran nur irgendwie bändigen und einen guten Draht zu den Wettergöttern herstellen. Dann klappt das auch, da bin ich mir sicher!“

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Jules Verne Trophy: Francis Joyon greift mit Gebrauchtboot die Bestzeit um die Welt an“

  1. avatar Anwalt sagt:

    Lustige Geschichte 🙂

    Unser Boris schlägt laut Tracker gerade einen 90 Grad Haken – Kurs Südwest., weil er ein Flautenloch getroffen hat.
    Es sieht also so aus, als wenn er sich vorher ver-navigiert hätte !

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