Klima: Der Dümmer verschlammt – Regatten werden abgesagt, Segler wechseln das Revier

Kurz vor der Katastrophe

Wenn das mal nicht längst zu spät ist: Politiker wollen sich nun zusammensetzen – der Bewirtschaftungsplan des Dümmers müsse an die neuen klimatischen Herausforderungen angepasst werden.

Gehören solche Bilder auf dem Dümmer bald der Vergangenheit an ? © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Über Jahrzehnte hinweg galt der Dümmer See im Westen des Norddeutschen Tieflandes als eine Art Kleinod für Segler. Auf dem 12,4 qkm großen, aber nur 1,4 m tiefen Gewässer fanden regelmäßig (teils legendäre) Regatten statt, die auch internationale Aufmerksamkeit erreg(t)en. Vor allem die Piraten, P-Boote, S-Kreuzer und Europes zeigen traditionell auf dem Revier alljährlich bei meist gut bis hervorragend besuchten Regatten ihr seglerisches Können. Und mit über 2.000 Hafenliegeplätzen in 18 Hafenanlagen verfügt der Dümmer zudem über eine außergewöhnlich gute Wassersport-Hafenstruktur für typische Freizeitsegler. 

Doch der Dümmer macht den Seglern erhebliche Sorgen. 

SR hat schon öfter über die „dunklen Wolken“ berichtet, die manchmal sinnbildlich über dem See schweben. Wie z.B. über die Blau-Algen-Plage 2013 und den anschließenden Einbruch im Wassersporttourismus vor Ort (SR-Artikel). Oder die Insekten-Invasion 2017, die aufzeigte, dass der Dümmer ökologisch aus dem Gleichgewicht geraten ist (SR-Artikel). 

Seitdem haben sich die Wolken über dem Dümmer See jedoch nicht verzogen: Das sowieso schon extrem flache Gewässer verschlammt bei extrem niedrigen Wasserständen über die Sommermonate hinweg zusehends. Im vergangenen Jahr mussten bereits mehrere Regatten im Sommer und Herbst abgesagt werden, da von den Clubs aus die tieferen Gewässer nicht mehr erreicht werden konnten. Auch auf dem See, dort wo man sich normalerweise im Luvkampf die Kante gibt, war es auf großen Flächen so flach, dass die Segler von einer Grundberührung zu nächsten stolperten. 

Regatten werden abgesagt

So musste etwa die Schwerpunktregatta der S-Kreuzer und P-Boote „Clarholzer Glasen / Clarholzer Seerose“ in den Sommer vorverlegt werden. Sie wird nun am Wochenende 11./12.07.2020 stattfinden. Die traditionsreiche Regatta musste zwei Jahre in Folge mangels Wasser (2018 und 2019) abgesagt werden. Mit der Vorverlegung in den Juli hofft der ausrichtende Club SCC und die Klassenvereinigung auf eine höhere Durchführungswahrscheinlichkeit. 

Was passiert, wenn auch die Opti-DM auf dem Dümmer abgesagt werden muss? © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Die letzten beiden Jahre wurden allgemein als eine Katastrophe für den Dümmer bezeichnet. Die trockenen Sommer führten zu einem ungewöhnlich frühen, extrem niedrigen Wasserstand. Das hat nun die örtliche Politik geweckt und ins Spiel gebracht.

So hat die FDP-Fraktion im Hinblick auf den Wassersporttourismus in der Region vorgeschlagen, möglichst rasch eine Konferenz mit Behördenvertretern und Politikern der Region abzuhalten. Thema: Der Bewirtschaftungsplan des Dümmers müsse an die neuen klimatischen Herausforderungen angepasst werden. 

Reicht der Bagger?

Zwar lockert und pumpt derzeit ein niederländischer Schwimmbagger Sandbänke und Schlammaufwerfungen Richtung Ufer, doch könne dies angesichts weiterhin zu erwartender Hitzerekordsommer nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ sein, ist aus Seglerkreisen zu hören. Das Land hat zwar in den vergangenen Jahren bereits mehrere Hunderttausend Euro in Baggermaßnahmen investiert, doch stellen sich mittlerweile viele Segler die Frage, ob dies als Sanierungsmaßnahme ausreichen kann.

Nicht nur Regattasegler sind betroffen © wettfahrtgemeinschaft dümmer

In der Konferenz soll auch auf die schwierige Situation der Segelvereine eingegangen werden. Da mehrere Regatten bereits abgesagt werden mussten, verzeichnen die Wirte in den Clubs und der Tourismus allgemein deutliche Einbußen. Und da in diesem Jahr die Deutsche Meisterschaft der Optis am Dümmer stattfinden soll, werden allein für diese Regatta über 600 Gäste erwartet. Sollte die Meisterschaft ausfallen, würde dies unweigerlich Konsequenzen für andere Regatten nach sich ziehen. Merke: Wenn eine Regatta erstmal in ein anderes Revier verlegt wird, kommt sie so schnell nicht wieder zurück. 

Segler flüchten

Schon jetzt sei zu beobachten, dass viele Segler mit ihren Booten den Dümmer verlassen hätten. Und aus den Clubs wird gemeldet, dass mehr und mehr Segler über einen Umzug zu anderen Revieren nachdenken. 

Dies sei der absolute Tiefpunkt, ist aus der Segelszene am Dümmer sarkastisch zu vernehmen. Bald könne man trockenen Fußes über den See wandeln. 

Bleibt zu hoffen, dass auf der anstehenden, offenbar dringend notwendigen Konferenz sinnvolle Maßnahmen zur Rettung des Wassersports am Dümmer vorgeschlagen werden. Der Dümmer ist als Regattarevier zu einzigartig, als dass er aufs Spiel gesetzt werden darf.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

8 Kommentare zu „Klima: Der Dümmer verschlammt – Regatten werden abgesagt, Segler wechseln das Revier“

  1. avatar Thomas Bunte sagt:

    Schade, schade das man nicht mal mit den Betroffenen vor Ort gesprochen hat und so einfach komplexe Themen miteinander vermischt und dann auch noch mit sensationsheischenden Überschriften das ganze anheizt.
    Denn kurz vor der Katastrophe ist hier relativ wenig – das Ganze hat ein bisschen was von der Zeitung mit den 4 Buchstaben!
    Als langjähriger Regatta Segler (u.a. im erwähnten P-Boot), als Vereinsoffizieller im Segler-Club Dümmer (Schriftwart und Webmaster) und als Initiator der 2010 gegründeten Initiative “Rettet den Dümmer”, wäre ich über eine etwas differenzierte Betrachtung sehr froh.

    Fakt 1:
    Der Dümmer ist ein Flachsee und wir hatten schon immer bei langer Trockenheit Wasserstandsprobleme. Wann wir mal 1,4 Tiefgang hatten, wüsste ich in meinen mehr als 50 Jahren am See nicht 😉

    Fakt 2:
    Ja wir haben – wie sehr viele andere Seen auch – Probleme mit der Überdüngung der Gewässer. Und ja, das führt zur vermehrten Schlammabsetzung und beding auch die Gefahr von Blaualgen Bildung.
    Aber schon seit ca. 30 Jahrn wird im Dümmer aus dem Grund regelmäßig gebaggert, so das das wieder ausgeglichen wird.

    Fakt 3:
    Zu lange wurde zu wenig gegen die Phosphateinbringung getan – aber unter anderem durch die Initiative Rettet den Dümmer und viele andere Beteiligte, hat sich der Druck in der Vergangenheit erhöhrt, so das seit längerem ein großer Schilpolder in Planung ist. Dieser soll die Phospatlast senken, dadurch die Überdüngung und das verschlammen verhindern. Ein Projekt dieser Größe dauert aber leider sehr lange – EU Auschreibungen usw. lassen grüßen.
    Andere Maßnahmen haben schon eine relevante Phosphatminderung gebracht, aber leider noch nicht genug.

    Fakt 4:
    Als Flachsee haben wir – wie u.a. auch das Steinhuder Meer – unter den Auswirkungen der beiden extremen Trockenheitsperioden in den Jahren 2018 und 2019 zu leiden.
    Das jetzt aber so einfach mit den genannten Punkten zu vermengen, ist zumindest unseriös.
    Denn genau diese Trockenheit war die Ursache der Probleme in den letzten beiden Jahren.

    Fakt 5:
    Ja wir würden uns über eine Änderung des Bewirtschaftungsplans mit höheren Wasserständen freuen, aber das dauert recht lange.
    Insofern freuen wir uns, das …

    Fakt 6:
    In diesem Frühjahr umfassender als sonst gebaggert wird und entsprechend auch die Flachstellen vor den Hafeneinfahrten von 2 Schwimmbaggern abgetragen werden.
    Außerdem das das Land Niedersachsen als Inhaber des Sees die Zusage gegeben hat, das für absehbare Zeit Geld für jährliches Baggern vorhanden ist.

    Fakt 7:
    Schon jetzt der Wasserstand 10 cm über dem Normalwert liegt und wir die Versicherung haben, das man auch auf die Belange des Tourismus und des Wassersportes achten wird.

    Fakt 8:
    Hier spreche ich mal nur für den SCD: Bei uns ist keine Flucht der Mitglieder zu merken. Unser Hafen ist gut gefüllt und auch die Mitgliederzahl ist konstant. Wir selber haben in den letzten Jahren viel Geld in die Vereins-Infrastruktur investiert.

    Wir richten jedes Jahr Regatten mit einem professionellen Team aus und würden uns freuen, wenn Ihr uns mit solchen Überschriften nicht unsere Teilnehmer vergrault!

    Also bitte ändert die schreierischen und unsachlichen Überschriften, berichtet fair und mit Sachverstand und fragt doch einfach lieber einmal mehr und überprüft Eure Quellen und Aussagen.
    Dann kann man auch gerne über den See berichten – auch gerne kritisch UND fundiert.

    Thomas Bunte
    Schriftwart / Webmaster des SCD
    Webmaster der P-Boot KV

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  2. avatar Karla sagt:

    Schade, der Artikel gibt nur eine Seite wieder!
    Segeln konnte man letztes Jahr auch noch im Spätsommer, Schwert beim Zugvogel etwas angestellt und los ging’s. Zur Zeit ist der Wasserstand sehr gut und wir freuen uns auf unsere Regattagäste, viele segelnde Kinder und Jugendliche und wieder auf wunderschöne Segeltouren auf dem Dümmer.

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  3. avatar RMeier sagt:

    ????
    gebaggert wird am Dümmer schon seit ewigen Zeiten. Badeverbote wegen Algen gab es ebenfalls schon vor über 40 Jahren regelmäßig.
    Schon in den 70/80er Jahren kam man, in so manchem Sommer, wegen extremen „Niedrigwasser“ , nicht aus dem Hafen ( ich war von 1978 bis 1995 selbst Segler am Dümmer, mit Liegeplatz in Hüde) Ich selbst bin von dort 1995 , genau aus diesem Grund, seglerisch, nach Holland „ausgewandert“

    Die Behörden nutzen jetzt anscheinend den negativen Klimahype , um das politische Fehlverhalten , speziell in Bezug auf Abwässereinleitung in die Hunte durch Lanwirtschaftliche Großbetriebe, auf den Klimawandel zu schieben.

    Statt hier tätig zu werden,
    genehmigt man lieber immer noch ein paar unsinnige Ferienhausprojekte mehr,

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  4. avatar JoWo sagt:

    Wie Thomas schon schreibt, ein bisschen mehr recherchieren und Segler vom See fragen bevor man so was online setzt.

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  5. avatar Wilhelm Beckmann sagt:

    Werter Herr Kunst,
    Thomas Bunte hat schon recht! Hätten Sie gründlich recherchiert und insbesondere mit den Seglern gesprochen, wäre sicherlich ein anderer Artikel entstanden. Nur einen Artikel einer Fraktion im Landtag Niedersachsen umzuschreiben ist nicht ausreichend.

    Klar, wir haben in dem flachsten Flachsee Deutschlands große Probleme, die mit der Änderung der Kulturlandschaft und der Eindeichung des Dümmer zusammen hängen und regelmäßig zu “Plagen” führen, aber wir haben auch zumindest seit 2011 die Zusicherung des Landes Niedersachsen – Eigentümer des Dümmer – die Zusicherung, die Seesanierung so zu vollenden, dass ein gesunder See entsteht. Wir Segler wissen, dass bei der derzeitigen Belastung des Dümmer nur durch die seit den 70er Jahren durchgeführte Entschlammung aufgehalten werden kann, der Wasserstand bei dem klimabedingten Niederschlagsrückgang im Sommer durch den Huntezufluss nur unzureichend ausgeglichen werden kann, und nur durch eine grundlegende Anpassung die Folgen von Eindeichung und Überdüngung ausgeglichen werden können.

    Wir Segler am Dümmer wissen, dass die Umsetzung leider viel Zeit bracht, ebenso viel Zeit, wie das Verschwinden der Binseninseln im See und des Schilfbestandes am Ufer gebraucht hat. Als Vertreter des Segel- und Surfsports am Dümmer kann ich unsere Interessen in den Dümmer-Beirat einbringen, der seit dem Jahr 2011 den langen und beschwerlichen Weg der Seesanierung geht.

    Aber da bin ich mir sicher, wir sind auf einem guten Weg, die Planung des Schilfpolders schreitet ebenso voran wie die Beteiligung der Landwirtschaft im Einflussbereichs der Hunte, dessen Phosphatfracht zur Überdüngung des Dümmer und in Folge dessen Probleme bereitet hat. Die Landwirtschaft hat ihren Beitrag zur Reduzierung der Phosphateintracht zugesichert, der Schilfpolder wird den Rest bewirken.

    Das alles wird seit dem November 2011 in der mittlerweile 32. Sitzung des Dümmerbeirates mit vielen Ideen und Gutachten erörtert und umgesetzt. Zu finden sind die Ergebnisse der Sitzungen regelmäßig auf der Seite https.//www.lgln.niedersachsen.de/rd-sul/verschiedenes/duemmer/duemmer-beirat-100702.html. Das Lesen dieser Seite ist der Mühe wert, um jeglichen Gerüchten, Fehlinfos und Fake-News entgegen treten zu können.

    Ich kann Ihnen diese Seite ebenso wie allen anderen Freunden des Dümmer nur ans Herz legen.

    Und zum Wasserstand: gelingt es uns, schon im März auf den See zu kommen, ist ein Wasserstand von mehr als 37.20 NN mit Sicherheit vorhanden, wenn Ihnen das was sagt.

    Wilhelm Beckmann 16er Segler, Dümmer-Fan und Beiratsmitglied

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  6. avatar Maximilian sagt:

    Den „Naturschützern“ kommt die Entwicklung mit dem Verschlammen bzw. den heißen Sommern am Dümmer und Steinhuder Meer durchaus gelegen, da dann weniger Wassersport betrieben wird, die Wassersportgemeinschaft kleiner/schwächer wird und die Durchsetzungsmöglichkeiten, weitere Wasserflächen und/oder Zeiträume zur Benutzung weiter einzuschränken, nochmals erhöht werden. Der Wassersport kann sich auf die mittel- und langfristige Entwicklung sicherlich freuen!

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    • avatar Thomas Bunte sagt:

      Die Zeiten als Segler, Naturschützer und Tourismus sich haben am Dümmer auseinander dividieren lassen, sind eigentlich lange vorbei – und dabei sollten wir es auch belassen..
      Denn auch die Naturschützer haben keine Interesse an einem zu niedrigen Wasserstand – im Gegenteil sind die starken Schwankungen für im Wasser brütende Vögel eher ungünstig.
      Und wie viele andere Seglerinnen und Segler, betrachte ich mich übrigens auch als aktiven Natürschützer, denn alle haben wir dasselbe Interesse – ein intaktes Ökosystem Dümmer.
      Dann geht es der Natur besser, den Wassersportlerinnen und dem Tourismus – denn das Gerücht das sich das nicht vereinen lässt, war schon immer nicht mehr als ein: Gerücht!

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  7. avatar bernie sagt:

    Moin,
    mitten in der langen “Sturmperiode” sind viele Baumteile / große Äste und sonstiger Unrat in den Dümmer gespült worden. Sie liegen aufgrund des Hochwassers teils im Schlick verborgen und sorgen so unter Wasser für Gefahr.
    Diese sollten aufgespürt und geräumt werden. Gibt es dazu ein Vorgehen?
    Gruß

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