Kloake: Doch keine olympischen Regatten in der Guanabara Bay vor Rio?

ISAF hat Kanal voll

Nicht nur Segler finden das eklig © pvdh

Nicht nur Segler finden das eklig © pvdh

Die ISAF macht Druck im Segel-Revier-Streit. Alastair Fox zeigt sich „frustriert“ und will alle olympischen Regattareviere aus der Bucht heraus in den Atlantik verlegen.

Man kann es buchstäblich und sprichwörtlich sehen – es kommt Bewegung in die Sch… .

Nach endlosen Diskussionen, unzähligen Versprechungen, noch mehr Lippenbekenntnissen und offensichtlichen Lügen seitens der brasilianischen Behörden und Politiker zur Wasserverschmutzung im Olympischen Segelrevier vor Rio de Janeiro, stellt nun die ISAF ein Ultimatum. Das eigentlich keins ist.

Alastair Fox, ISAFs „Head of Competitions“ sagt in einem Interview mit AP: „Wenn sich nicht ganz schnell was an der Situation ändert, müssen wir handeln!“ Dabei wissen doch alle Beteiligten, dass sich genau nichts ändern wird. Weil nichts geändert werden kann.

Sämtliche Maßnahmen, die bisher seitens der brasilianischen Umweltbehörden zur Verbesserung der Wasserqualität in der Guanabara Bucht vor Rio de Janeiro in die Wege geleitet wurden (SR berichtete mehrfach), erwiesen sich als „Tropfen auf dem heißen Stein“. Nach wie vor fließen Millionen Liter ungeklärter Abwässer in die Bucht, Segler kollidieren weiterhin mit Tierkadavern und Sperrmüll, lebensgefährliche Keime werden in der Kloake gefunden, über weite Flächen des zukünftigen Regattareviers treiben Müllteppiche.

Tierkadaver treiben vorbei © meu rio

Tierkadaver treiben vorbei © meu rio

„Die Wasserqualität wird sich zu 80 Prozent verbessern!“ versprachen die Brasilianer dem Olympischen Komitee im Jahre 2009. Heute, ein Jahr vor dem Beginn der Spiele, stellt sich die Situation jedoch unverändert schlecht dar.

Raus aufs Meer

„Politiker und Behörden müssen jetzt endlich „in die Gänge“ kommen“, fordert Fox. „Und wenn nichts geschieht, werden wir eben alle Regatten außerhalb der Bucht, im offenen Atlantik abhalten!“ Da sowieso schon zwei Regatta-Dreiecke dort vorgesehen und ein weiteres geplant sind, sieht Fox „keinen Grund, warum nicht alle Rennen dort veranstaltet werden.“ Medalraces vor Zuschauern in Landnähe fallen dann allerdings aus.

Die Boote müssen dann nur noch durch die Kloake der Guanabara Bucht hindurch segeln,  um die Reviere im Atlantik überhaupt zu erreichen.

Die anstehenden Trainingsmaßnahmen vieler Segelnationen, die sich gewissenhaft auf die Olympischen Spiele 2016 vor Rio vorbereiten, haben längst begonnen und werden sich über ein Jahr hinweg bis August 2016 ziehen.

Auch hierfür wird die „Kloakenbucht“ häufig frequentiert und durchquert werden. Die gastgebende Segelmarina, direkt neben „wilden“ Abwasserflüssen gelegen, die ungeklärt von den Favellas herunter fließen, ist unter Seglern aus aller Welt mittlerweile für ihren unerträglichen Gestank berüchtigt. Und die Angst vor Erkrankungen durch Kontakt mit den verseuchten Wassern kann die ISAF den Seglern mit ihrer „Androhung“ wohl kaum nehmen.

Außerhalb der Bucht ist es sauberer. Aber wie kommt man da hin? © Turismo Rio

Außerhalb der Bucht ist es sauberer. Aber wie kommt man da hin? © Turismo Rio

In Rio de Janeiro spricht man mittlerweile von einer „verpassten Chance“. Bürgermeister Eduardo Payes hätte es gerne gesehen, dass im Rahmen der Olympischen Spiele dieses „stinkende Damoklesschwert“ endlich über der Stadt verschwindet. Schon jetzt diskutiert man hinter verschlossenen Türen offenbar, in welchen Kanälen bestimmte Geldsummen, die eigentlich für eine Klärung genutzt werden sollten, versickert sind. Weiterhin ist die Rede davon, dass nur niedrige Anteile der für die Wasserreinigung versprochenen Gelder überhaupt zur Verfügung gestellt wurden.

Doch ob die ISAF nun mit dieser (anstehenden) Maßnahme das Boot wieder „auf Kurs bringt“ ist fraglich. Sinnvoller wäre gewesen, man hätte sich etwa vor einem Jahr, als die ersten alarmierenden Berichte seitens der Segler auftauchten, für ein völlig anderes Revier entschieden. Es gibt entlang der Küste reichlich saubere Spots im Atlantik – mehrere Standorte haben sich bereits als Ausweich-Lokalität angeboten.

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Kloake: Doch keine olympischen Regatten in der Guanabara Bay vor Rio?“

  1. avatar Kristof sagt:

    Ggf. muss die Bucht gar nicht durchquert werden. Schon ’96 wurden m.W. die Boote “draussen” auf Pontons gelagert. Das wäre wohl auch hier angebracht …

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  2. avatar Kluchschieter sagt:

    Ich finde angebracht wäre es dass die Olympiasegler, bzw dessen Landesvertreter sich mal zusammentun und den Brasilianern erklären dort nicht zu segeln.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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