Lage in Berlin: Eigentlich darf man segeln… – Probleme beim Einwassern der Boote

Auf dem Trockenen

Berlin war eines der ersten Bundesländer, wo der Wasserport Lockerungen erfuhr. Aber die Lage ist unbefriedigend. Ein spezielles Verbot bereitet Probleme. SR hat bei der Berhörde nachgefragt.

Holzboote segeln bei der Havel Klassik in Berlin um die Wette

Holzboote segeln bei der Havel Klassik in Berlin um die Wette (Foto: Jan Maas)

Schon seit dem 22. April durften die Berliner ihre Wassersportanlagen unter den üblichen Kontaktauflagen wieder benutzen. Das kontaktlose Sporttreiben auf Sportanlagen im Freien war wieder zugelassen. Und das gilt auch für die Segler.

Unter der Voraussetzung, dass man…

…die bekannten Abstandsregelungen von mind. 1,5 m einzuhalten sind. (Was auf normalen Zweimannjollen unter normalen Segelumständen nicht möglich ist)
.. sich zur Sportausübung auf Stegen und Booten nur alleine, mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit einer anderen Person befindet.
… mit einer Einhand-Jolle segelt.
…als Kader-Athlet oder Bundesliga-Mannschaft bei der Senatsverwaltung eine Ausnahmegenehmigung erwirkt hat.
…Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen nicht nutzt.

Allgemeines Jugendtraining unter Anleitung der Übungsleiter ist weiterhin verboten.

Theoretisch könnte man also auch größere Boote nutzen. Aber besonders die Regelungen für den Slipbetrieb haben vielen Eignern das Einwassern unmöglich gemacht. Offiziell heißt es: “Größere Slipping-Aktionen unter Beteiligung einer Vielzahl von Vereinsmitgliedern sind weiterhin unzulässig.  Soweit Boote aufgrund ihrer Größe nur von einer Gruppe von Personen bewegt oder geslippt werden können, muss hierfür ein gewerblicher Anbieter beauftragt werden.”

Kaum große Werften in Berlin

Das Kranen solle also von Werften übernommen werden. In Berlin gibt es aber kaum Unternehmen, die mit der nötigen Anzahl an Mitarbeitern anrücken könnten, um die Boote auf dem jeweiligen Vereinsgelände zu bewegen. Ohnehin sind in Berlin kaum große Werften ansässig. Die meisten Servicebetriebe werden von Einzelkämpfern geführt.

Sollte es überhaupt Betriebe geben, die einen Slippservice anbieten, wären die Personalkosten so hoch, dass sie für die Mehrheit der Wassersportler nicht erschwinglich sind. Darum sind sie ja auch im Verein organisiert und liegen nicht in einer Marina.
 
Vor diesem Hintergrund hat SegelReporter bei der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport nachgefragt. “Gibt es Überlegungen, wie der gemeinschaftliche Slipp-Betrieb trotzdem organisiert werden kann? Müssen sie die Wassersportler darauf einstellen, dass ihre Boote in absehbarer Zeit nicht zu Wasser gelassen werden können? Sollen sie sich darauf einstellen, dass die Saison 2020 ausfällt?”

Nun hat ein Sprecher der Innenverwaltung darauf geantwortet:

“Am 28.04.2020 ist im Land Berlin die fünfte Fassung der Verordnung zur Änderung der SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung  (SARS-CoV-2-EindV) mit Inkrafttreten zum 29.04.2020 verabschiedet worden. Auch die aktualisierte Fassung der SARS-CoV-2-EindV  sieht derzeit noch keine weitergehende Lockerungen im Wassersportbereich vor, die ein Abweichen von den Ihnen bereits mit Email vom 22.04.2020 mitgeteilten Informationen zulassen. Demnach behalten die Aussagen zum Slippen weiterhin ihre Gültigkeit.

Konzepte nicht ausreichend

Alle bisherigen Überlegungen und von Wassersportvereinen eingereichten Konzepte für einen gemeinschaftlichen Slipp-Betrieb konnten den Vorgaben der derzeitigen Regularien zur Eindämmung des SARS-CoV-2 leider nicht gerecht werden. Von daher kann derzeit nur auf die Inanspruchnahme von gewerblichen Anbietern zum Slippen von Booten verwiesen werden. Hierbei wäre auch die Inanspruchnahme von gewerblichen Anbietern aus dem Land Brandenburg denkbar, sofern in Berlin kein gewerblicher Anbieter gefunden werden kann.

Unbestritten führt die Inanspruchnahme von gewerblichen Anbietern zu ungewollten Mehrkosten für die Bootseigner, die jedoch, wie oben und mit der Email vom 22.04.2020 dargestellt, augenblicklich durch die Vorgaben der SARS-CoV-2-EindV nicht zu vermeiden sind.

In Anbetracht der öffentlichen Diskussion bleibt abzuwarten, inwieweit zeitnah weitere Lockerungsstufen im Land Berlin umgesetzt werden können. Sofern dann wieder Zusammenkünfte in Kleingruppen zulässig werden, könnte dann das Slippen in einem solchen Rahmen möglich werden und damit die Wassersportsaison 2020, wenn auch verspätet, starten.”

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