Lastensegler: Zwei Neubauprojekte in Frankreich – 22 und 136m Länge, Zwei- und Viermaster

Container unter Segeln

Lastensegler, Neubau

Welche Werft bekommt den Zuschlag für den Neubau? Der Pitch ist ausgeschrieben © neoline

Alles nur Spinnerei? Zwei französische Lastensegler-Projekte machen in Frankreich Furore. Kostenpunkte: 1 und 35 Millionen. Angeblich stehen sie kurz vor der Kiellegung… 

Lastensegler verspüren derzeit Aufwind. Schon seit einigen Jahren beschäftigen sich Schiffsmakler, Reeder und Händler aus unterschiedlichen Meeres- und Ozean-Anrainer-Staaten Europas mit dem Thema „Transport unter Segeln“. Mit offensichtlich wachsendem Erfolg, denn es gibt bereits einige gut funktionierende Beispiele, bei denen (meist) edle Güter unter Segeln über mehr oder weniger lange Strecken transportiert werden. Ganz egal, ob die Produkte dabei „nur“ entlang der Küsten gesegelt werden (etwa französische oder spanische Atlantikküste, Skandinavien nach Frankreich) oder ob sogar transatlantische Routen abgesegelt werden – immer steht der ökologische Aspekt im Vordergrund. Und eine damit verbundene Wertsteigerung der Waren. 

So kann man beispielsweise in französischen Supermärkten mittlerweile ganze Regale mit Produkten finden, die das Label „transportiert unter Segeln“ tragen. Und entsprechend „hip“ daher kommen, ganz egal ob es sich dabei um Schokolade, feinste Weine oder karibischen Rum handelt. Ein Trend, der ganz offensichtlich eine rosige Zukunft hat. 

Es hat sicherlich nostalgische Gründe (und wohl auch finanzielle), dass derzeit alle aktiven Lastensegler um- oder rückgebaute Klassiker sind. So zeigt etwa die „Sail Cargo Alliance“, ein Zusammenschluss von Lastensegler-Reedereien und -maklern, ausschließlich auf alten Schiffen Flagge. 

Von Chocolatiers initiiert

Doch das kann und soll sich bald ändern. Denn in Frankreich sollen schon in Kürze zwei Projekte realisiert werden, die der Welt des Lastensegelns neue, speziell dafür konzipierte Segelschiffe bescheren. Um einerseits schneller von A nach B zu gelangen als mit den „alten“ Lastenseglern. Und um mehr Waren aufnehmen zu können – auch Fahrzeuge und Container. 

Lastensegler, Neubau

Die Votaan © grain de sail

Ein Projekt dass dieser Tage in die Realisierungsphase gehen soll, ist die „Votaan“. Der 72 Fuß lange Lastensegler wurde von den französischen Chocolatiers „Grain de Sail“  in Auftrag gegeben und soll schon in zwei Jahren die „Schokoladenroute“ zwischen Frankreich und der Karibik bzw. Südamerika befahren. Die Baukosten des schnellen Lastenseglers werden mit 1 Million Euro beziffert – das Projekt sei bereits vollständig finanziert, versicherte „Grain de Sail“ SegelReporter telefonisch. 

„Votaan“: 72 Fuß (22 m) Länge, 31 Tonnen Verdrängung (ohne Ladung), bis zu 35 Tonnen Lastaufnahme möglich. Die Ladung wird auf speziellen Paletten gesichert im Bauch und an Deck des Schiffes untergebracht. Ein Schoner-Rigg mit zwei gleich hohe Masten sorgt für den Vortrieb. Neben der vier Personen starken Proficrew werden zwei zahlende Passagiere an Bord geduldet. Die Yacht wird am Wind 356 qm Segelfläche fahren und vor dem Wind 495 qm. Es wird besonderer Wert auf höchste Segelleistungen gelegt: Von der Sturmfock bis zu mehreren asymmetrischen Spis kann bei jeder Wetterlage das richtige Tuch gesetzt werden. 

Containersegler – hat das Zukunft?

Für ein weiteres, in St. Nazaire beheimatetes Projekt, wurde zwischenzeitlich eine Pitch-Ausschreibung an diverse europäische Werften versandt. 

Der „Neoliner“ soll 136 Meter lang und 24 Meter breit werden. Beladen wird der Lastensegler 11.000 Tonnen verdrängen. Das Schiff soll mit zwei Zwillingsmasten versehen werden und 3850 qm Segelfläche tragen. Dabei wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 11 Knoten unter Segeln möglich. Ein Elektro-Diesel-Hybridmotor könnte mit seinen 3.500 kW das Schiff bei ruhigem Seegang auf 13 Knoten bringen. Erklärtes Ziel ist jedoch, den Kraftstoffverbrauch des  „Neoliners“ im Vergleich zu Handelsschiffen gleicher Länge, aber mit Verbrennungsmotoren bestückt, um 90 Prozent zu reduzieren.

Die Crew wird 15 Personen stark sein, 12 zahlende Passagiere an Bord genommen.  

Der Neoliner soll über eine Rampe im Heck beladen werden und verfügt über drei Ladeflächen (2000, 1200 und 200 m²), darunter zwei große Decks mit insgesamt 1300 Linearmetern. Der „Neoliner“ ist für den Transport aller Arten von Gütern ausgelegt, einschließlich Schwergut, Rollmaterial, Sondergrößen und auch Container mit einer Kapazität von 286 TEU. Alles ist im Laderaum mit speziellen Vorrichtungen verkeilt oder wird in „Garagen“ vollständig geschützt. Die Baukosten des „Neoliners“ werden mit ca. 35 Millionen Euro angegeben. 

Lastensegler, Neubau

Vier Zwillingsmasten auf dem 136 m langen “Neoliner” © neoline

Das erste Schiff dieser Lastenseglerklasse soll vorwiegend auf sogenannten Sekundär-Routen eingesetzt werden, die kaum von den großen Handelsflotten befahren werden . Nicht zuletzt, weil es dort zu viele terminliche Unwägbarkeiten gibt. Der Lastensegler soll jedenfalls in erster Linie Produkte laden, die nicht zu streng an Auslieferungstermine gebunden sind.

Beide Projekte sind sicherlich ehrgeizig. Sie zeigen jedoch, dass man mittlerweile in andere Dimensionen denkt, als noch vor wenigen Jahren. Und dabei immer näher an eine Realisierungsphase rückt. Der Wille, Produkte über den Ozean auf umweltfreundlichem Wege zu transportieren, scheint mehr und mehr „salonfähig“ zu werden.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Lastensegler: Zwei Neubauprojekte in Frankreich – 22 und 136m Länge, Zwei- und Viermaster“

  1. avatar Wuwei sagt:

    286 Teu Kapazität !!! das ist nicht viel ?!
    Wieviel Container könnten das sein … ich meine in Tonnen 😏
    Dann sieht man/ frau schon etwas, was ungewöhlich ist … keine Container auf Deck,
    das würde ich – abgesehen von der Segeleffizienz – für einen Nachteil halten, da haben die dicken Pötte wohl einen Vorteil – ich meine in Teu. naja is vielleicht auch nicht soo wichtig.

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