Mantis-Studie: In höhere und breitere Rümpfe “geht mehr rein”

Wide Body

Studie des 67m-Modells mit Dyna-Rigg © Dixon Yacht Design

Studie des 67m-Modells mit Dyna-Rigg © Dixon Yacht Design

Bill Dixons Renderings zu 67- und 80m-Ketschen zeigen, wie geschickt sich Volumen in diesem Bootsformat unterbringen lässt. Blick in die (nahe) Zukunft der Superyachten?

Bei Serienbooten und im Flugzeugbau wird schon länger auf sogenannte “Wide Body”- Modelle gesetzt. In höhere und breitere Rümpfe geht mehr rein. Das kommt dem Komfort, Platz und der Wirtschaftlichkeit zugute.

Boote, die unter Deck maximal Platz bieten, verkaufen sich besser. Die ersten “Wide Body”- und außerordentlich erfolgreichen Großserienmodelle waren die schwedischen Maxi-Yachten. Flugzeuge mit zusätzlichen Stuhlreihen nehmen mehr Passagiere mit.

Kontakt zum Wasser sollen die Pforten und die Treppe im Heck der Mantis 67 bieten © Dixon Yacht Design

Kontakt zum Wasser sollen die Pforten und die Treppe im Heck der Mantis 67 bieten © Dixon Yacht Design

Zu wenig Platz?

Mit seiner Mantis-Studie für eine 67- und eine 80m-Ketsch hat der englische Konstrukteur Bill Dixon, Schöpfer der Moody Deckssalon Range von 45 bis 62 Fuß, diesen Gedanken aufs große Format übertragen.

Nun könnte man meinen, auf sehr großen Segelyachten gäbe es genug Platz. Von wegen! In dieser Range geht es um das Lebensgefühl großzügiger Domizile mit Panoramaverglasung, Lounge, schattigen Veranden und Gelegenheiten zum Faulenzen achtern und auf der Beletage.

Die Mantis-Studie zeigt, wie sich das Ganze geschickt verpacken lässt. In den Rumpf mit angehobenem, Backdecker-artigem Freibord passt viel rein. Darüber ein Deck mit umlaufender Schanz a la Wally.

Dazwischen ein weit nach vorn gezogener Motoryacht-ähnlicher Aufbau mit dem Steuerstand in Schiffsmitte. Der Dachüberstand ist wie bei der Moody Käppi-artig nach achtern gezogen. Das gibt im sonnigen Süden schön Schatten.

Die 80m-Variante wäre konventionell Ketsch-getakelt und würde etwas mehr Platz bieten © Dixon Yacht Design

Die 80m-Variante wäre konventionell Ketsch-getakelt und würde etwas mehr Platz bieten © Dixon Yacht Design

Ein Außensteuerstand ist nicht vorgesehen. Keine Idee, wie man so was segelt. In einem Panorama-verglasten Deckshaus fehlt der direkte Kontakt nach draußen. Es fehlt der Wind um die Nase, der Blick in die Tücher und zum Verklicker. Auch fehlen – ganz wichtig – die Geräusche. Die Handhabung des Bootes wird abstrakt.

Nur Appetizer aus Absurdistan?

Beim Manövrieren im engen Hafen hilft wie bei großen Yachten üblich die Besatzung mit Walkie Talkie. Oder der Steuermann läuft mit einem kleinen Zauberkasten zu den neuralgischen Punkten, beugt sich über die Schanz und gibt mit dem Joystick etwas Bug- oder Heckstrahlruder. Remote Control macht es wie beim Baukran möglich.

Natürlich ist man auf so einer Wide Body weit vom Wasser weg. Dieser Nachteil macht sich bereits bei den heute üblichen mittelgroßen, breiten und hochbordigen Booten bemerkbar.

Das Beiboot würde beim Ankern aus dem Vordeck gehoben, dessen Mulde Platz für ein kleines Schwimmbecken böte © Dixon Yacht Design

Das Beiboot würde beim Ankern aus dem Vordeck gehoben, dessen Mulde Platz für ein kleines Schwimmbecken böte © Dixon Yacht Design

In die Bordwand eingelassene Pforten, Balkons, auch Zugbrücken-artige Zugänge zum Beiboot und die achtern ausklappbare Badelandschaft sollen das ausgleichen.

Noch sind diese Renderings bloße Appetizer für potenzielle Kunden. Im Unterschied zu manchem Konzept kommen sie aber nicht aus Absurdistan. Sie zeigen, wo wie Reise hingeht und auch, wie sich das Design großer Segel- und Motoryachten annähert.

Bill Dixon begann als Mitarbeiter des englischen Konstrukteurs Angus Primrose dessen Büro er 1980 als 23-jähriger übernahm. Primrose war damals beim Segeln vor der amerikanischen Küste verschwunden.

Als Hauskonstrukteur der Moody Yachten setzt Dixon die Arbeit bis heute fort. Neben zahlreichen Motoryachten entwarf er Segelyachten wie den 70-füßigen Baltic-Werftbau „Vittfarne“, die 25 m Slup „Hanseat IV“ eines deutschen Eigner oder die „Opus 68“ für einen süddeutschen Segler.

1995 zeichnete Dixon mit dem 35 m Camper & Nicholsons Werftbau „Yanneke Too“ seine erste große Segelyacht. Diesem Schiff folgten mittlerweile mehrere große Boote.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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