Meeresverschmutzung: Boyan Slat (19) treibt sein „OceanCleanup“ per Crowdfunding voran

Der Müllsammler

Er will dem treibenden Meeresmüll riesige Barrieren in den Weg stellen. Und setzt sich und sein Projekt hervorragend in Szene. Crowdfunding soll zwei Millionen Dollar bringen.

Es ist eine Geschichte, die Mut und ein Projekt, das ohne Zweifel Sinn macht. Der 19-Jährige Holländer Boyan Slat will mit „Ocean CleanUp“ die Ozeane vom Müll der menschlichen „Zivilisation“ befreien.

Das ist bekanntlich kein einfaches Unterfangen. Mehr als 180 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben derzeit durch die Ozeane, sammeln sich in riesigen Mahlströmen, verschmutzen die Strände und massakrieren Flora und Fauna des wohl sensibelsten Ökosystems auf unserem Planeten.

Der junge Held und der Müll – vielelicht polarisierend, aber der Mann macht was! © ocean cleanup

Der junge Held und der Müll – vielelicht polarisierend, aber der Mann macht was! © ocean cleanup

Internationale Untersuchungskommissionen, unzählige Studien, zahlreiche Wissenschaftsteams auf hoher See… neben dem Klimawandel und der damit verbundenen Luftverschmutzung werden derzeit keine anderen Aspekte der Umweltverschmutzung so intensiv erforscht, wie der Plastikmüll in den Meeren.

Wirkung hält sich in Grenzen

Wohlgemerkt: erforscht! Denn die Maßnahmen gegen den Müll in unseren Meeren – sei es Verhinderung durch Aufklärung beim Menschen oder Einsammeln und späteres Verwerten des Meeresmülls – halten sich gelinde gesagt „in Grenzen“.

Zwar gibt auf allen Kontinenten immer wieder (meistens von Umweltschutzorganisationen geführte) Aufklärungs- und (Strand)Säuberungskampagnen, deren Wirkung leider wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein anmutet. Dennoch sind diese Maßnahmen enorm wichtig, um eine gewisse Sensibilität unter den Menschen für diese komplexe Thematik zu entwickeln.

Einige wenige Organisationen gehen einen Schritt weiter und unterstützen bzw. betreiben Projekte, die auf den Seen und auf hoher See gleichermaßen aktiv sind. Oder dies zumindest sein wollen. (Beispiel: One Earth- One Ocean).

Smart in Szene gesetzt und entsprechend aufmerksamkeitsstark! © ocean cleanup

Smart in Szene gesetzt und entsprechend aufmerksamkeitsstark! © ocean cleanup

Simple, aber effiziente Idee

Vor zwei Jahren tauchte der damals 17jährige Holländer Boyan Slat in der griechischen Ägäis und sah dabei häufiger treibende Plastiktüten als Fische. Empört beschäftigte sich der Jugendliche danach intensiv mit dem Thema und entwarf schließlich das Modell einer „Müll-Sammelanlage“, die auf hoher See und gleichermaßen vor den Küsten den zumeist auf der Oberfläche treibenden, groben Müll abschöpfen soll.

Slat gründete „Ocean Cleanup“, ein Unternehmen, das sich ganz „nomen est omen“ ausschließlich mit der Säuberung der Meere beschäftigen soll.

Der smarte und ausgesprochen charismatische Teen hatte sofort Erfolg damit.

Ohne Worte © ocean cleanup

Ohne Worte © ocean cleanup

Auf der Universität in Delft wird sein Konzept bei einem Technologie-Wettbewerb hoch gelobt und als „bestes technisches Designprojekt“ prämiert. Er erhält den ISea-Design-Preis des holländischen Umweltministeriums (beides 2012), erste wissenschaftliche Unterstützung seitens holländischer Forschungsinstitute und Umweltschutzverbände. Beim renommierten Intel EYE50-Top Thinkers- Wettbewerb wurde Boyan Slat unter die 20 „Most Promising Young Entrepreneurs“ weltweit eingestuft (2013).

Beim Test im Wellenbad (siehe auch Video) © ocean cleanup

Beim Test im Wellenbad (siehe auch Video) © ocean cleanup

Sein Gespür für einen effektiven Auftritt in der Öffentlichkeit (und wohl entsprechend professionelle Berater) öffneten ihm bald auch auf internationaler Ebene Tore und Türen. Auch wenn seine Filme, Fotografien, die Art und Weise wie er sich in Szene setzt (oder gesetzt wird?) in der nüchternen Welt der Wissenschaft eher auf Skepsis stößt, erhält sein „Ocean Cleanup“ seriöse Unterstützung von allen Seiten: Das „Ocean Cleanup“-Forschungsteam zählt mittlerweile über 50 Mitarbeiter.

 Doch etwas fehlt…

Der junge, smarte Protagonist unserer kleinen Geschichte bekommt also eine Menge Zuspruch, darf sich im Wohlwollen vieler sonnen, erfährt reichlich seriöse Unterstützung. Nur eines bekommt er nicht im ausreichenden Maße: Geld!  Es fehlen die Finanzen, um die Machbarkeitsstudien an seinem Projekt den entscheidenden Schritt weiter zu bringen.

Erste Tests auf dem Meer © ocean cleanup

Erste Tests auf dem Meer © ocean cleanup

Zwei Millionen Dollar brauchen die Macher von „Ocean Cleanup“, um erste Müllsammelanlagen (Konzept siehe Info-Box) so weit fertig zu stellen, dass sie auf hoher See unter realistischen Maßnahmen eingesetzt werden können. Zwei Millionen Dollar, mit denen unsere Meere vielleicht wirklich etwas sauberer werden könnten. Zwei Millionen Dollar, die anderswo „in der Pfeife“ geraucht werden – wie hoch war noch mal das Budget einer durchschnittlichen America’s Cup-Kampagne?

Boyan Slat geht nun, nach monatelangem Klinkenputzen bei Ministern, Sponsoren, Institutionen, Stiftungen und dergleichen den Weg der jungen Generation: Mit Crowdfunding will er die zwei Millionen innerhalb von Hundert Tagen auf virtuellem Wege sammeln. 91 Tage hat er noch Zeit, 5270 Personen haben gespendet, 12% der angepeilten Summe (also 258.000 Dollar) liegen bereits im „Topf“.

Ermutigend!

Ocean Cleanup

• Das Prinzip der Müllsammelanlagen nach Boyan Slat ist einfach: „Es wäre zu aufwändig, hinter dem Müll herzufahren, um ihn einzusammeln. Also lassen wir ihn lieber mit den großen Strömungen auf uns zutreiben!“ erklärt der Holländer seine Idee.

• Entsprechend sollen fest verankerte, kilometerlange Barrieren, die nicht tiefer als 2-3 Meter unter Wasser reichen, den treibenden Müll einfangen.

• Auf diese Weise wird zwar „nur“ der große, also an der Wasseroberfläche treibende Müll abgeschöpft, dafür haben Meeresbewohner „Fluchtmöglichkeiten“, indem sie einfach unter dem angesammelten Müll hindurch tauchen.

Barrieren-Prototypen beim Verankern vor der Küste © ocean cleanup

Barrieren-Prototypen beim Verankern vor der Küste © ocean cleanup

• „Wir sind uns darüber im Klaren, dass die sich zersetzenden und tiefer treibenden Mini- und Mikro-Plastikteile eine ebenso große Gefahr darstellen, wollen aber mit „Ocean Cleanup“ zunächst in einer ersten Phase den groben Müll bekämpfen!“ so Slat weiter.

• Der angesammelte Müll soll schließlich abgeschöpft und an Land recycelt werden.

• 7,5 Millionen Tonnen will „Ocean Cleanup“ auf diese Weise mit mehreren Anlagen mittelfristig aus den Meeren holen – jährlich!

• Derzeit laufen vor allem Machbarkeitsstudien, bis zu welchen Wetterbedingungen die Barrieren einsetzbar sind. Slat verspricht, dass sich nach heutigem Stand der Forschungen bei „90% aller Wetterbedingungen“ das „Ocean Cleanup“-Prinzip bewährt habe.

• Website „Ocean Cleanup

• Machbarkeitsstudie PDF

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

4 Kommentare zu „Meeresverschmutzung: Boyan Slat (19) treibt sein „OceanCleanup“ per Crowdfunding voran“

  1. avatar Alex Lang sagt:

    danke fuer den artikel. endlich macht mal jemand was. hab gleich mal gespendet.

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  2. avatar Francesca Hülshörster sagt:

    Bei FB gesehen, gespendet, geteilt und Artikel “geflattred”. Skål!

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  3. avatar Alex Lang sagt:

    Wie wär’s denn wenn der Boyam als Testlauf die Bucht von Rio für Olympia 2016 sauber macht?

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    • avatar Peter Sorowka sagt:

      das gemeine daran ist, dass Rio permanent Müll nachpumpt. So lange die nicht ihre Abwasser-Struktur überdenken ist das eine Sisphos Arbeit.

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