Megayachten: Perini Navi pleite, Konkurrent „hilft aus“ – kommt jetzt das Mega-Monopol?

"Maltese Falcon"-Werft insolvent

Nein, das hat nichts mit Corona zu tun. „Perini Navi“ mit Sitz in der Toskana schwächelte schon zuvor und steht mit 80 Millionen Euro in den roten Zahlen. Jetzt steigt das Werft-Konglomerat San Lorenzo ein.

Eigentlich könnte man ja meinen, dass die wichtigsten Beteiligten im Superyacht-Business finanziell gut bis sehr gut aufgestellt sind. Wo die Auftragsvolumina mittlere bis hohe, dreistellige Millionenbeträge einnehmen, dürfte wirtschaftlich eitel Freude Sonnenschein herrschen. Oder?

Selbstverständlich sind auch Super- und Megayacht-Werften den Gesetzen des Marktes unterworfen. Und die sagen: Ganz egal, um welches Produkt es sich handelt und wie teuer dasselbe letztendlich sein wird, unterliegt seine Herstellung und Produktion doch den Regeln von Angebot und Nachfrage. Ganz zu schweigen von Mitbewerbern, die „ebenfalls ein Stück vom süßen Kuchen abhaben wollen“. 

Schönstes Megayacht-Portfolio

So mag es einerseits erstaunen, dass die Megayacht-Werft Perini Navi einen Insolvenzantrag und die Aktivierung des italienischen Konkursrechtes beantragt hat. Denn immerhin zählte die Werft seit 1983 zu den erfolgreichsten Megayacht-Herstellern der Welt – ganz egal, ob unter Segeln oder Motor oder zumeist beides. Perini Navi „bescherte“ der Segelwelt faszinierende Yachten wie den 88 m langen Dreimaster „Maltese Falcon“ oder zuletzt die 60-Meter-Ketsch „Seven“. Auf ihrer Website stellt die Werft stolz eine Flotte von 60 Megayachten vor. 

Dreimaster Maltese Falcon in schwierigen Gewässern © perini navi

Andrerseits ist in der Szene bereits seit Längerem bekannt, dass die italienische Werft schwächelt.  Ob dies aufgrund von schlechtem Management, verstärktem Druck durch ebenfalls erfolgreiche Mitbewerber, durch eher zurückhaltende Auftraggeber oder einem Mix von allem eintrat, sei dahin gestellt. Tatsache ist, dass Perini Navi mit ca. 80 Millionen Euro in den roten Zahlen ist. Tendenz täglich steigend. 

Dem stehen derzeit fünf im Bau befindliche 40 bis 50-Meter-Segelyachten gegenüber und sechs neue Projekte, für die jedoch noch Käufer gewonnen werden müssen. 

Schwächelt schon seit Jahren

So weit zum offiziellen Teil. Hinter den Kulissen war man sich allerdings schon seit langem darüber im Klaren, dass Perini Navi bei der nicht gerade rosigen Auftragslage nicht nur straucheln, sondern auch fallen wird. Bereits im Oktober fand eine Art „Turnaround“ bei der Finanzierung des Unternehmens statt. Die Familie Tabacchi, der bis dahin 49,9 Prozent von Perini Navi gehörte, erhöhte ihre Anteile auf 74 Prozent mit einer Gesamtinvestition von 40 Millionen Euro. Doch auch diese Maßnahme brachte Perini Navi nicht aus der Gefahrenzone. 

Nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrags meldete sich prompt der in den letzten Jahren wirtschaftlich deutlich erfolgreicher agierende Mitbewerber San Lorenzo zu Wort. Dessen börsennotiertes Werftkonglomerat brauchte noch ein paar anständige Segelprojekte im Portfolio. Und hatte ganz offensichtlich etwas Kleingeld für den Kauf der angeschlagenen Perini Navi-Werft übrig. 

Ketsch “Seven” © perini navi

Derzeit verhandeln San Lorenzo und die Familie Tabacchi über die Gründung eines neuen Unternehmens, das die Perini Navi-Werft unter seine Fittiche nehmen soll. San Lorenzo will so mit einem Investment von 30 Millionen Euro 70 Prozent des Unternehmens für sich beanspruchen, die Tabacchis erhielten mit einem weiteren Investment von 10 Millionen Euro 30 Prozent. Zudem ist die Rede davon, dass die Tabacchis eine „partizipative Unternehmensform“ wünschen, bei der die Mitarbeiter ein deutlich erhöhtes Mitspracherecht im Management des Unternehmens erhalten. Diesen Maßnahmen müssennoch die Gläubiger – hauptsächlich Zulieferer-Firmen – zustimmen.

Kommt jetzt das Megayacht-Monopol?

Was einerseits die Gewerkschaften, vor allem wegen der Erhaltung der Arbeitsplätze erfreuen dürfte. Andrerseits warnen sie aber auch mit Zusammenlegungsszenarien der einzelnen Werften – 2018 hatte San Lorenzo bereits die Luxus-Motorbootmarke „Blue Game“ gekauft – vor einer Monopolstellung auf dem italienischen Markt. Was unweigerlich Arbeitsplatz-Verluste nach sich ziehen und unter den Zulieferern einen Verdrängungswettbewerb auslösen würde.  Und mittelfristig wahrscheinlich das Ende der kreativen und oft genug wegweisenden Individualität der Perini Navi-Megayachten wäre. 

Website San Lorenzo

Website Perini Navi

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Michael Kunst

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