Naturphänomene: Gigantischer Algenteppich im Atlantik – Barriere für Segler?

8.850 Kilometer Algen

Braunalgen, so weit das Auge reicht © Brian Lapointe/Florida Atlantic University’s Harbor Branch Oceanographic Institute

An den Küsten stinken sie zum Himmel, und auf See bilden die Algen einen dichten Teppich: Braunalgen vermehren sich in einem ungeahnten Ausmaß – 20 Millionen Tonnen schwer, 8.850 Kilometer lang. 

Dass Algen im Zentralatlantik für Hochseeregatta- und cruisende Blauwasser-Segler ein bremsender Faktor sein können, ist längst bekannt. So verdankt etwa die Sargassosee ihren Namen den Braunalgen der Gattung Sargassum. Vor allem in Meeren mit tropischen und gemäßigten Wassertemperaturen fühlen sich diese Algen wohl und tragen dort normalerweise zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Normalerweise. Doch was im letzten Jahr erstmals in seiner Gänze vermessen wurde und derzeit erneut im Zentralatlantik erwartet wird, hat nun überhaupt nichts mehr mit „normal“ zu tun. Massiv und in ungeheuren Mengen auftretende Braunalgenblüten, die sich später in einen dichten Braunalgenteppich umwandeln, reichen mittlerweile von Westafrika bis in die Karibik und Mittelamerika. An karibischen und mexikanischen Stränden werden Tausende Tonnen Braunalgen angeschwemmt – täglich! Mexikanische Behörden schätzen, dass allein in der lang gezogenen Bucht des Urlaubsortes Cancun in diesem Jahr zwischen 800.000 und 1 Million Tonnen Braunalgen angeschwemmt werden. Ähnliche Werte gelten für karibischen Inseln, Venezuela, das nördliche Brasilien und Kolumbien. Und Barbados rief im letzten Jahr sogar den Notstand wegen der braunen Masse stinkenden, organischen Materials an seinen Stränden aus. 

Das vermehrte Braunalgen-Aufkommen wird bereits seit mehr als fünf Jahren beobachtet. Noch nie waren die Ausmaße so gewaltig wie im letzten Jahr: 8.850 Kilometer reichte der Gürtel von Westafrika quer über den Atlantik bis in die Karibik und nach Mittelamerika. Schätzungen über die Menge der Braunalgen variieren zwischen 20 und 40 Millionen Tonnen. 

Eine kürzlich im wissenschaftlichen Magazin Science veröffentlichte Studie der Universität South Florida macht deutlich, dass derartige Mengen Braunalgen im Zentralatlantik wohl zur neuen „Normalität“ werden könnten. 

Auf See verdichten sich die Braunalgen zu riesigen Teppichen, in denen Segelyachten regelrecht feststecken können. Ein Faktor, mit dem Regattasegler wie die Mini Transat-Teilnehmer auf ihren 6,50 m kurzen Flitzern genauso rechnen müssen wir die double-handed-Crews der Transat Jacques Vabre oder der Ultim Regatta Brest Atlantiques, (die alle in diesem Herbst starten).

Noch ist es wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, wie es zu dieser Algenplage kommen konnte. Es wird vermutet, dass u.a. durch die vermehrte Abholzung des Amazonasdschungels und die darauf folgende landwirtschaftliche Nutzung der freigewordenen Flächen hohe Mengen Düngemittel in die Meere gelangen und die Vermehrung der Algen fördern. Vor der Küste Westafrikas wiederum gelangte in den letzten Jahren besonders viel nährstoffreiche, kaltes Wasser an die Wasseroberfläche. Ein „Austausch“ dieser Wasserschichten ist seit jeher bekannt, wurde aber aber noch nie in einem derart hohen Ausmaß beobachtet. 

Normalerweise sind Braunalgen als partielle „Inseln“ wichtiger Lebensraum für viele Meeresorganismen. Im offenen Meer bieten sie Schutz vor Fressfeinden und Nahrung. Wenn sich diese Algenteppiche jedoch zu riesigen Flächen verdichten, wird aus dem schützenden Raum aufgrund von Licht- und Sauerstoffmangel eine tödliche Falle für viele Meeresbewohner.

An Land gespült, setzen sie im Verwesungsprozess Schwefelwasserstoff ab. Der stinkt wiederum zum Himmel – und kann in großen Mengen sogar giftig sein sein. 

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Naturphänomene: Gigantischer Algenteppich im Atlantik – Barriere für Segler?“

  1. avatar addi sagt:

    Unglaublich!
    Da ist unser “Kampf” mit der Algenblüte in der Ostsee geradezu Peanuts! Im Bereich Oskarshamn sehen wir heftige Schlierenbildung. Ein einheimischer Segler lässt seine Tochter (ca. sechs Jahre) “noch” schwimmen, aber wenn man davon trinkt (was vor allem Kinder beim Baden tun) kann es zu Bauchschmerzen und Erbrechen führen.
    Auch nicht so schön.

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    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Das mit dem Erbrechen und den Bauchschmerzen sind BLAUalgen, nicht BRAUN. Braunalgen behindern nur beim Schwimmen – man kann sogar Salat und Medikamente draus machen. Stinken tun sie nur beim Verwesen.

      Wer gern mal echte Blaualgen (eigentlich sind es Bakterienklumpen) sehen und riechen möchte, ist herzlich an die Alster eingeladen. Da wird die “Blüte” jedes Jahr schlimmer und ich mag nicht denken, dass das etwas mit dem Klimawandel zu tun haben könnte…Kann ja nicht sein, denn Donald (Trump, nicht Duck) sagt, das ist alles Quatsch!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

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