Neue Langfahrt-Technik: TÜV-geprüfte Meerwasserentsalzung – 2 l/h mit Quench Sea 

Ultimativer Durstlöscher 

Eine handliche Meerwasserentsalzungsanlage an Bord – welcher Langfahrtskipper hat sich sowas angesichts der salzigen Wasserwüsten um ihn herum nicht schon mal gewünscht?

Probleme im großen Ausmaß hat die Menschheit bekanntlich nicht erst seit der COVID19-Pandemie. Der Klimawandel und seine Folgen gefährden unsere Existenz auf dem Planeten Erde, Hunger und die Versorgung mit Elementarem bedrohen die Population ganzer Kontinente. Weltweit sterben jährlich hunderttausende Menschen an den Folgen von Darmkrankheiten oder Dehydrierung, weil sie nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. 

Wasserentsalzung technisch längst möglich

30 Prozent der Weltbevölkerung lebt in unmittelbarer Nähe zu Meeren und Ozeanen. Darunter viele Völker, die unter akutem, lebensbedrohlichem Wassermangel leiden. Naheliegende Frage: Warum versorgt man diese Menschen nicht mit gefiltertem, entsalztem Meerwasser?

Volvo Ocean Race

Wenn in der Flaute das (Trink)Wasser ausgehen sollte. © Rich Edwards/Volvo Ocean Race

Technisch ist die Entsalzung von Meerwasser im großen Stil längst möglich. Im Nahen Osten ist die Gewinnung von Trink- aus Meerwasser weit verbreitet. Auf der Arabischen Halbinsel wird der mit Abstand größte Teil des Trinkwasserbedarfs mittlerweile durch gigantische Meerwasser-Entsalzungsanlagen gedeckt.

Die Technik ist aber energieintensiv und erfolgt mit Hilfe von fossilen Brennstoffen.  Deshalb können sich andere Länder und Völker mit Trinkwasserproblemen trotz einem Zugang zum Meer diesen enormen, finanziellen und Ressourcen verschlingenden Aufwand nicht leisten. 

Handliche Wasserentsalzungsanlage zum Mitnehmen

Das britische Tech-Startup „Hydro Wind Energy“ hat sich nun der Meerwasserentsalzung auf andere Weise angenommen.

© Jesus Renedo/Volvo Ocean Race

Durst? © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Dort stellte man den Begriff „bedarfsgerecht“ in den Vordergrund und versucht das Problem Wasserversorgung beim einzelnen Individuum zu lösen. Anders formuliert: Geht es nach „Hydro Wind Energy“, soll bald schon jeder Betroffene respektive Bedürftige seine eigene Wasserentsalzungsanlage bei sich führen. Nicht mehr und nicht weniger. 

Meerwasserentsalzung im kleinen, handlichen Stil? Da horcht der Langfahrtsegler auf! 

Denn das Problem mit größeren Mengen Süßwasser an Bord für die wirklich langen Törns begleitet die Welt des Segelns im Prinzip seit Jahrtausenden: Süßwasser wird schlecht, wiegt viel und nimmt reichlich Platz an Bord weg. Mal ganz abgesehen von dem im Unterbewusstsein immer wieder diskutierten Paradox, dass man von Wasser umgeben ist – zum Trinken aber Wasser mitnehmen muss.

Quench Sea – ultimativer Durstlöscher?

Hydro Wind Energy bietet nun eine Lösung auf dem Markt an, die 0,7 kg wiegt, ca. 40 cm lang ist und eine Entsalzungskapazität von zwei bis drei Litern pro Stunde aufweist: Quench Sea. 

Klein und handlich: Quench Sea © quench sea

Es ist ein (sage und schreibe) 60 Dollar günstiges Handgerät, das über einen Pumpgriff betätigt wird und im Prinzip in jede Tasche, jeden Rucksack… und in die kleinsten Boote passt. Das Gerät soll laut Hersteller strapazierfähig und wiederverwendbar sein – nur die Filter müssen von Zeit zu Zeit (je nach Häufigkeit der Nutzung) für rund 10 US-Dollar ausgetauscht werden. 

Zu schön, um wahr zu sein? Es liegt auf der Hand, dass das britische Unternehmen „Quench Sea“ nicht in erster Linie für Outdoor-Sportler geschaffen hat. Vielmehr ist der Nutzen von Quench Sea für Hochsee-Segler, Expeditionsteilnehmer oder auch Wanderer eine Art glücklicher Nebeneffekt und letztendlich Mittel zum Zweck.

Humanitäre Kampagne

Denn mit dem Einsatz von „Quench Sea“ bei Seglern und anderen Outdoorsportlern soll eine humanitäre Kampagne angestoßen werden, die den zu Beginn erwähnten, tatsächlich an Wassermangel leidenden Menschen weltweit zugute käme. Die Intention: Jede Quench Sea-Bestellung hilft auf zwei unterschiedlichen Wegen Leben zu retten. Für den Kauf eines Quench Sea Entsalzungsgeräts stellt der Hersteller ein weiteres Gerät einer Hilfsorganisation für die Versorgung mit Trinkwasser zur Verfügung. 

Diejenigen, die persönlich keinen Quench Sea benötigen, können 30 US-Dollar auf Indiegogo spenden, mit denen der Hersteller dann ein Gerät an eine Hilfsorganisation ausliefern wird. 

Das (hehre) Ziel von Hydro Wind Energy: Mit der Indiegogo-Kampagne sollen bis 2027 Hundert Millionen Einheiten für humanitäre Hilfsprojekte zur Verfügung gestellt werden. 

Geprüft vom TÜV Nord

Quench Sea – das übrigens vom TÜV Nord überprüft  und getestet wurde – kann während der nächsten 30 Tage auf der Crowdfunding Plattform Indiegogo zum reduzierten Preis von 60 US-Dollar (anstelle des späteren Preises in Höhe von 70 US-Dollar) vorbestellt werden. 

Eine kritische Anmerkung der SR-Redaktion: Die Auslieferung des Gerätes ist erst für Februar 2021 geplant. Das gibt der Aktion – trotz aller Begeisterung für das Produkt – einen eher undurchsichtigen Anstrich. Zudem wird in den aktuell kursierenden Ankündigungen nicht erwähnt, wie lange der Filter im Quench Sea genutzt werden kann.

Deshalb sollte man als potentieller Käufer zunächst den Spenden-Gedanken hegen und pflegen. Schließlich kommt die nächste Saison bestimmt – und Quench Sea kann dann bei Langfahrten, Blauwasser-Törns, Transats oder Nonstop-Weltumseglungen zum Einsatz kommen, als back-up dienen oder in der Rettungsinsel für den Notfall untergebracht werden. Ganz zu schweigen von der Stärkung der Armmuskulatur (siehe Video unten) – „Pumpen“ kann so auch auf Segelbooten wieder im doppelten Wortsinne verstanden werden.

FUNKTIONSWEISE

Quench Sea ist eine innovative Technologie, die ein Hydrauliksystem, eine dreifache Vorfiltration und eine kleine Umkehrosmosemembran kombiniert, um aus Meerwasser mit menschlicher Kraft Süßwasser zu erzeugen. Auf See oder an der Küste wandelt es Meerwasser sofort in sauberes Trinkwasser um. Quench Sea verfügt über ein eingebautes Ultrafiltrations- und Mikrofiltrationssystem zur Entfernung von Schwebstoffen, Bakterien, Viren, Parasiten und Mikroplastik. Die erste Filterstufe entfernt Sedimente und Partikel. Meerwasser wird dann unter Druck durch eine 0,01-Mikron-Membran gedrückt, um alle Verunreinigungen vor dem eigentlichen Umkehrosmoseprozess zu entfernen.

UMKEHROSMOSE

Quench Sea verwendet eine hochmoderne industrielle Umkehrosmosemembran. Meerwasser wird unter Druck von 55 bar bis 60 bar (6000 kPa) durch eine semipermeable Membran entsalzt. Umkehrosmose-Membranen enthalten feine Poren, die klein genug sind, um reines Wasser durchzulassen, während größere Moleküle wie gelöste Salze (Ionen) und Verunreinigungen wie Bakterien zurückgehalten werden, um hochreines Trinkwasser zu erzeugen.

AKTIVKOHLEFILTER

Durch den Adsorptionsprozess sorgt ein fortschrittlicher Aktivkohlefilter dafür, dass das Wasser gut schmeckt und angenehm riecht.

HYDRAULIKSYSTEM

Ein einzigartiges Hydrauliksystem baut einen Druck von 60 bar (6.000 kPa) auf, um Salze durch eine Umkehrosmosemembran aus dem Meerwasser zu entfernen.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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