Nonstop Einhand-Weltumseglung: Narvaez 246 Tage gegen Strom und Wind

Auf Erdmanns Spuren

Stéphane Narvaez mit seiner 14 Meter Yacht vom Typ Sharp 47 auf dem Weg um die Welt gegen Strom und Wind. © Stéphane Narvaez

Seine Ankunft war dann doch weniger spektakulär als erwartet. Gemütlich von lauen Mittelmeer-Lüftchen angetrieben, dümpelte Stephane Narvaez mit seiner Sharp 47 nach 8 Monaten und 1 Tag Reisezeit über die imaginäre Ziellinie vor der französischen Hafenstadt Nizza. Zwei Motorboote mit Kamerateams und Fotografen und einige wenige Schaulustige auf ihren Yachten drehten ein paar Runden um den Weltumsegler und begleiteten ihn auf den letzten Seemeilen.

Als er schließlich in der „Baie des Anges“ festmachte, applaudierten vom Steg aus etwa 50 Freunde, Sponsoren und Fans; seine Frau freute sich standesgemäß heulend, dann die obligatorische Schampus-Dusche, Händeschütteln, Umarmungen, schließlich ein paar Fragen den Lokalreportern beantwortet („war es einsam da draußen? Ziehen Sie jetzt in die Berge?)… das war’s, mehr nicht!

Endlich angekommen: Bei leichter Damenbrise dümpelt Stephane Narvaez über die Ziellinie vor Nizza!

Nach 246 Tagen alleine auf den Weltmeeren, nach einer Tortour gegen Wind und Strom in westliche Richtung, nach einer Weltumseglung unter extremsten Bedingungen ohne größere Havarien war es wahrscheinlich ganz gut so, dass dem als wortkarg geltenden Narvaez der große Bahnhof erspart blieb.

Denn schon im Atlantik hatte er auf seinem Blog mehr als ein Mal geäußert, dass ihn die Aussicht auf das übliche „Leben an Land“ nicht gerade erfreue. Entsprechend schmiedete er schon vor ein paar Monaten auf hoher See erste Pläne für die Zeit nach seiner Rückkehr. Zeit, die er mit sich und seinem Schiff verbringen wolle, sonst niemanden.

Medienrummel blieb aus

Dennoch ist es zumindest auf den ersten Blick erstaunlich, dass Narvaez eher heimlich, still und leise an die Cote d’Azur zurückkehren konnte. Denn seine Einhand-Weltumseglung entgegen der üblichen Routenrichtung wurde bestens vermarktet und noch besser promotet.

Zum Start und während des Törns häuften sich die Reportagen in Magazinen und TV, eine wöchentliche Kolumne in der auflagenstärksten Tageszeitung der Provence, nahezu tägliche Kontakte über Sat-Telefon mit Schulklassen, die sein Engagement für Wind- und Sonnenenergie in den Unterricht einbezogen und natürlich die häufigen Blog-Einträge auf seiner Website besorgten dieser Reise höchste Aufmerksamkeitswerte, zumindest unter den Franzosen.

Und vielleicht ist genau dies der Grund, warum nun das glückliche Ende für Narvaez ein eher ruhiges ist – denn es wurde bereits alles gesagt, erzählt, über alles informiert. Moderne Medien machen’s möglich – Fluch oder Segen?

Übrigens: Narvaez bezeichnet sich als 1. Rundum-Segler von Ost nach West, der auf einem Schiff unter 45 Fuss unterwegs war. Irrtum: Er segelte auf Wilfried Erdmanns Spuren. Seine Kathena Nui war bei ihrer Weltumseglung nonstop gegen den Wind  in 2000/01 nur 10,60 m kurz. Er benötigte allerdings 343 Tage

Mehr Informationen (in Französisch) und interessante Filme, die echte Einsamkeit auf den Meeren gut rüberbringen

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Michael Kunst

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