Oldtimer: Dobrindt spricht mit Traditionsschiffern – alles nur ein Missverständnis?

Minister will "Tradition erhalten"

Die Traditionsschiffer demonstrierten mit Pappschiffen und splitternden Buddelschiffen vor der Handelskammer. Sie drängten Bundesverkehrsminister Dobrindt zum Gespräch.

In der Pressemitteilung der Traditionsschiffer heißt es:

“Vertreter von Traditionsschiffen haben am Rande der maritimen Konferenz dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ihre Forderungen für eine Zukunft der Traditionsschiffahrt übergeben. Dem voraus ging eine Protestveranstaltung mit über 50 Menschen von den Schiffen, denn die Situation ist drängend: Eine neue Fassung der Schiffssichereheitsverordnung, die für viele das Aus bedeuten würde, liegt bereits in Brüssel.

Der Protest der “Tradis” zeigt offenbar Wirkung. © GSHW

Doch nun scheint sich das Blatt noch einmal zu wenden: Dobrindt hat gegenüber der Delegation aus Schiffsbetreiber und Vertretern des Dachverbandes der Traditionsschiffe eine Wiederaufnahme der Verhandlungen für eine neue Schiffssicherheitsverordnung zugesagt.

“Wir werden darauf achten, dass unsere Expertise nun endlich in den Entwicklungsprozess für eine neue Verordnung einbezogen wird und die Gespräche auch wirklich Ergebnisoffen gestartet werden”, sagt Soeren Vollmann von der Lovis. “Eine Verordnung, die Schiffe aus mehr als zehn Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten Fahrenskonzepten unter einen Hut bringen will, braucht eine Abstimmung mit diesen.”

Bisher hatte das Ministerium auf stumm geschaltet, zahlreiche Anfragen nach Fachgesprächen ignoriert. Ein bereits am 19.12.2016 an das Ministerium gereichter mehrseitiger Katalog mit aus fachlicher Sicht offenen Fragen an die neue Verordnung blieb bis heute, mehr als drei Monate später, unbeantwortet.

Protest der Traditionsschiffer vor der Hamburger Handelskammer. © GSHW

Dobrindt hat diesbezüglich nun einen klaren Kurswechsel zugesichert. Es sollen Gespräche nicht nur mit dem Dachverband, sondern mit allen Schiffen, die daran teilnehmen möchten, stattfinden.

“Wir sind froh über die jetzige Gesprächszusage. Denn wir erwarten von einer neuen Verordnung, in Zukunft nicht auf Ausnahmen oder individuelle Entscheidungen der Prüfbehörden angewiesen zu sein, sondern Rechtssicherheit zu haben.” sagt Lukas Schruhl von der Jonas von Friedrichstadt. Ein klarer Apell an die Verantwortung der Politik für zivilgesellschaftliches Engagement.”

War also die Aufregung umsonst, oder hat Alexander Dobrindt jetzt am Rande der Maritimen Konferenz in Hamburg eingelenkt? Im Interview oben erklärt er, dass er Tradition und Ehrenamt in der Schiffahrt erhalten möchte. Ihm sei die Bedeutung bewusst und genau aus diesem Grund wolle sein Ministerium dafür sorgen, dass sie langfristig möglich ist. Deshalb seien die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend zu verbessern. Er stellt in Aussicht, dass mögliche finanziellen Härten durch ein “entsprechendes Förderprogramm” ausgeglichen werden könnten.

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://summercamp-borgwedel.de

Ein Kommentar „Oldtimer: Dobrindt spricht mit Traditionsschiffern – alles nur ein Missverständnis?“

  1. avatar uh sagt:

    Andererseits ist Sicherheit ein wichtiges Thema. Gerade auf den Traditionsschiffen fahren auch viele unbedarfte Touristen und die können eine zeitgemäße Sicherheit erwarten. Im Fall der holländischen Amicitia ging das ja schief. Der morsche Mast tötete mehrere Menschen. Schiffe sind nicht erhaltenswert, nur weil sie alt sind. Sie müssen ihren Zweck auch sicher erfüllen.
    Ein Gesetz muss die notwendige Rechtssicherheit bieten auch damit es nicht zu willkürlichen Entscheidungen bei der Zulassung kommen kann.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *