Nach dem Passieren von Kap Hoorn wird es für Guirec Soudée erst richtig ernst. Im Pazifik trifft der französische Einhandsegler bei seiner Ost-West-Weltumseglung auf schwere See und 50-Knoten-Böen (Video!). Und auf die Erkenntnis, dass selbst ein Ultim-Trimaran primär eines benötigt: Zurückhaltung.
29°27.15 S // 108° 64.72’ W, im Pazifik, 1.850 Seemeilen west-nordwestlich der chilenischen Stadt Concepción. Guirec Soudée hat es auf seinem Ultim Trimaran MACSF „erledigt“, wie er das etwas salopp formuliert. Nein, er hat die Weltumseglung von Ost nach West, also gegen die vorherrschenden Windrichtungen und Strömungen, noch längst nicht geschafft. Aber er hat seinen Angstgegner Kap Hoorn ausgesprochen lässig bezwungen und mehrere unangenehme Fronten im westlich der südamerikanischen Landspitze gelegenen Seegebiet hinter sich gelassen. Er sei jetzt wieder „locker drauf“ lässt er seine Fans wissen. „Kap Hoorn war eigentlich easy, aber was danach kam, hat mir höchsten Respekt eingeflößt. Und mir gezeigt, dass man selbst auf Monstern wie einem Ultim-Trimaran nichts anderes als ein Spielball der Elemente ist“, schrieb er kürzlich in den Sozialen Medien.
Nach dem Kap der gar nicht so friedliche Pazifik
Soudée hatte das Kap Hoorn in einem kurzen Wetterfenster mit leichten Winden passiert, wie es in dieser Region selten vorkommt. Doch einmal im Pazifik angekommen, formierten sich bereits Tiefdrucksysteme, die zu beschleunigten Starkwindlagen mit ausgeprägtem Seegang führten. Prognostiziert waren 30 bis 40 Knoten Windstärke im Mittel, in Böen bis 50 Knoten, dazu eine konfuse, teils querlaufende See von vier bis sechs Metern. Bedingungen, unter denen ein Ultim-Trimaran nicht von seiner Geschwindigkeit lebt, sondern von seiner strukturellen Reserve – und von der Disziplin des Skippers.
„Ich will mich mal nicht zu früh freuen“, schrieb Soudée in sein Bordlog. Die Erleichterung über das passierte Kap wolle er sich erst erlauben, wenn die nachfolgenden Systeme durchgestanden seien. Eine fast schon weise Zurückhaltung, wie man sie von dem meist ausgesprochen selbstbewusst auftretenden Abenteurer eher selten hört.
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