Ostsee: Warum der große Einstrom nun doch ausbleibt – und was dahinter steckt

Hoffen auf kräftigen West

Der niedrige Wasserstand, bedingt durch langanhaltende Ostwinde, ist eine große Chance für das Ökosystem Ostsee. Leider bleibt der dringend nötige Wasseraustausch bislang aus. Woran das liegt.

Major Baltic Impact für die Ostsee? © Stephan Boden

Vor wenigen Wochen lag der Wasserstand der Ostsee auf einem historisch niedrigen Niveau. Ursache war eine ungewöhnlich stabile Großwetterlage mit anhaltenden Ost- bis Nordostwinden. Diese drücken das Wasser regelrecht aus der Ostsee heraus in Richtung Nordsee – ein langsamer, aber stetiger „Aderlass“. In der Folge sank der Pegel in der gesamten Ostsee messbar ab, teils um Rekordwerte.

Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) hatte Anfang Februar bekannt gegeben, dass aus der Ostsee rund 275 Kubikkilometer Wasser abgelaufen sind. Das IOW erklärte: „In der über 140-jährigen Messreihe wurden nur in fünf weiteren Jahren ähnlich niedrige Wasserstände mit Abweichungen von mehr als 60 Zentimetern unter Normalnull gemessen. Das letzte vergleichbare Ereignis liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück und datiert auf den März 1980.“

Die Chancen für einen größeren Salzwassereinstrom und dessen heilende Wirkung für die kränkelnde Ostsee in den kommenden Wochen waren so hoch wie schon lange nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit lag bei 80 bis 90 Prozent.

Die Ablauf-Phase bei dauerhaftem starkem Ostwind ist normalerweise der erste Teil eines natürlichen Pumpmechanismus. Denn wenn anschließend die Wetterlage kippt und kräftige und möglichst langanhaltende Westwinde einsetzen, wird das zuvor ausgepumpte Wasser wieder zurückgedrückt – dann allerdings als salzreicher Zustrom aus der Nordsee. Genau das ist der Moment, in dem ein sogenannter „Major Baltic Inflow“ (MBI) entstehen kann.

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