Recycling-Tradition: Französische Dorfbewohner bauen Häuser aus alten Bootsrümpfen

Dorf der umgedrehten Boote

Ausgediente Boote, die irgendwo ihrem Schicksal überlassen werden und langsam vor sich hingammeln, werden immer mehr zum Problem. Erste Initiativen setzen sich deshalb für die Wiederverwertung alter GFK-Leichen ein – mit zum Teil äußerst kreativen Ideen. In einem kleinen Dorf im Norden Frankreichs hat das Boots-Recycling der ganz besonderen Art bereits eine lange Tradition.

© Joel.herbez, Wikimedia Commons

Equihen-Plage liegt an der nordfranzösischen Küste, nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Lange Zeit führten die Bewohner hier ein einfaches, vom Fischfang bestimmtes Leben. Entdeckten sie an der Küste Bootswracks, zogen sie diese hinauf in den Ort, um sie für den Hausbau zu verwenden.

Die alten Bootsrümpfe wurden abgedichtet, umgedreht und als Dächer auf die selbstgebauten Behausungen der Fischer gesetzt. In die Längsseiten schnitten die Bewohner eine Tür, daneben manchmal noch ein Fenster. So entstanden zweckmäßige Recycling-Unterkünfte, die dem Quartier schnell den Namen „quilles en l’air“ – übersetzt: Kiele in der Luft – einbrachten.

© Bateloupreaut, Wikimedia Commons

Während des Zweiten Weltkriegs wurde dann allerdings ein Großteil der traditionellen Bauten zerstört. Erst Ende des 20. Jahrhunderts entschied man sich in Equihen-Plage dafür, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen, übrig gebliebene Schiffshäuser zu restaurieren und neue zu errichten.

© Bertrand Hodicq, Wikimedia Commons

Mittlerweile bieten diese wohl weniger das dringend notwendige Dach überm Kopf als vielmehr einen willkommenen Erlebnisfaktor. Viele der neuen Häuschen werden an Touristen vermietet. Eine Nacht für zwei Personen ist ab etwa 70 Euro zu haben.

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