Rekordsegeln: Gabart auf Macif mitten im Southern Ocean – sieben Meter Welle

Coole Socke im Nirgendwo

 

Der 100 Fußer im heftig bewegten Southern Ocean:


Der 34-jährige Ultim-Segler Francois Gabart hält zur Hälfte seiner Weltumsegelung weiter einen Vorsprung auf den Rekord von knapp einem Tag. Doch der Southern Ocean zeigt Muskeln.

Der Mann rast mitten durchs Nirgendwo. Vage Ortsbestimmung: Im Southern Ocean, zwischen Kap Leeuwin und Kap Hoorn. Exakte Postion: 52°12.42’S • 152°26.66’W.  Er segelt auf den „Schwingen“ eines Tiefs , das ihm zwischen 30 und 45 Knoten Windstärke beschert. Zwei Reffs im Groß, kleines Vorsegel, raumschots.

Das sollte eigentlich wieder für Spitzengeschwindigkeiten von über 32 Knoten sorgen, doch das Meer gibt sich chaotisch. Wellenberge aus allen Richtungen türmen sich bis zu sieben Meter hoch auf. Da hilft nur eines: Speed rausnehmen, das Boot sicher auf Kurs halten und irgendwie versuchen, möglichst bald ohne Schaden aus dem Schlamassel herauskommen.

Immer frisch, immer cool

Francois Gabart schreibt auf seinem Rekordtrimaran „Macif“ schon wieder Geschichte. Nicht wegen überragender Geschwindigkeiten – einen neuen Weltrekord hat er schließlich schon abgehakt (SR-Bericht) – sondern wegen des wohl entspanntesten Verhaltens eines Einhandseglers im Southern Ocean. Dort, wo sein Vorsegler Thomas Coville vor einem Jahr Bilder der Erschöpfung und offen zur Schau gestellter Angst von sich aufnahm, macht Gabart einen auf “coole Socke“.

Gabart, Macif, Weltrekord

Was für Dimensionen! © macif

Es ist schlicht beeindruckend, wie locker der 34-Jährige auf seinen Videos wirkt, die er nahezu täglich als „nette Zusammenfassung des Tages“ von seiner Weltrekordjagd rund um den Globus per Satellit sendet.

Als käme er gerade frisch geduscht aus dem „Gym“, mit einem charmant-schelmischen Lächeln auf den Lippen, führt er die Zuschauer mal eben durch sein „Wohnzimmer“ auf dem 100 Fuß-Trimaran, schwenkt locker mit der Kamera über seine „Bastelarbeiten“, die er gerade erledigt hat (zuletzt den Meerwasser-Entsalzer), gönnt uns einen Blick hinaus in die graue und trostlos wirkende Umgebung und richtet die Kamera meist – als würden wir seine Speed-Angaben nicht glauben – aufs rasende Kielwasser des 100-Fuß-Trimarans. 

Und plötzlich taucht ein Eisberg auf:

Nur ein Mal, da entgleisen ihm doch die Gesichtszüge. Oder tut er nur so verblüfft und mittelmäßig besorgt, als er vor zwei Tagen, wenige Seemeilen entfernt einen Eisberg aus dem Dunst querab auftauchen sieht? Denn eigentlich hätten ihn seine Wetterrouter doch weitab von allen Eisbergen und Growlern führen sollen?

Das sei eben der Southern Ocean, meint sein Shore-Team dazu. Da könne es eben Eisberge geben. Und nein, sie seien eben nicht alle per Satellit auszumachen und mit Bordmitteln wären sie eben erst ab einer bestimmten, ziemlich beeindruckenden Größe zu erkennen. Was dagegen hilft? Na, nördlicher Segeln, was sonst? 

Weghalsen, was sonst?

Ein Rat, den Gabart erstmal prompt befolgt, um ein paar Stunden später dann doch wieder gen Süden zu halsen. Dort, wo mehr Wind auf ihn wartet, der ihn möglichst bis zum Kap Hoorn vor sich hertreiben soll. 

Die Speed-Entwicklung

Die Entwicklung des Vorsprungs im Vergleich zur Sodebo-Rekordzeit

Schließlich hat der junge Einhandsegler hier eine Aufgabe zu erledigen: Die Welt einhand und nonstop in Rekordzeit umsegeln. 49:03:04 Tage hat der bisherige Rekordhalter Thomas Coville vor Jahresfrist vorgelegt, 596 Seemeilen hat Gabart auf diesen „virtuellen Gegner“ derzeit Vorsprung. Der war schon deutlich größer, knapp 900 Seemeilen immerhin, doch noch ist sich der Rekordsegler seiner Sache weiterhin sicher. 

Gabart, Macif, Weltrekord

Das “Macif”-Monster im Abendlicht © macif

Eine Sicherheit, die trügerisch sein kann. Auf diesen Ultim-Rennmaschinen sind „die paar Hundert Meilen“ schnell verloren, entsprechend viele aber auch wieder gewonnen. Es würde ihn nur verrückt machen, wenn er dauernd auf seinen Abstand zu seinem virtuellen Vor-Segler Coville starren würde, sagt Gabart dazu.

Der sei zwar zur gleichen Jahreszeit wie er unterwegs gewesen, habe aber („hey, wir sind hier in der Natur und die ist sowas von unberechenbar!“) völlig andere Wetterlagen auf seiner Weltumseglung gehabt, gibt Gabart zu bedenken. 

Gabart, Macif, Weltrekord

Die Position von Gabart auf seiner “Macif” – mitten im Nirgendwo des Southern Oceans . Deutlich zu erkennen, wie er mit einem Tief gen Kap Hoorn rauscht © macif

Also segle er so professionell wie möglich: Das Boot immer auf der Kante zwischen optimaler Sicherheit und maximalem Speed und so eng wie möglich mit den 24-Stunden zur Verfügung stehenden Wetteroutern zusammenarbeiten.

Alles andere sei Schicksal, und das dürfe man eben nicht herausfordern, betont Gabart. Und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 Knoten seit Beginn seiner Rekordfahrt vor nunmehr 25 Tagen, einer gesegelten Max.-Geschwindigkeit von sagenhaften 39 Knoten auf Hoher See, sei ein Plus von knapp 600 Seemeilen auf dem Konto schnell aufgebraucht. 

Stippvisite an Bord

Was ihn so unglaublich schnell auf diesem 30-Meter-Monster von einem Trimaran mache, wird Gabart oft gefragt? Weil er seinen Tri aus dem Effeff kenne und ihn in nahezu jeder Situation bereits  erlebt und studiert habe, lautet Gabarts Antwort darauf immer wieder. Obwohl er uns sein Tri als Paar etwas ungleich wirke, seien sie doch ein ziemlich eingeschweißtes Team.

Die technischen Besonderheiten seines Ultim Trimarans „Macif“ beschreibt Gabart in einem etwas älteren Video, das er im Hafen aufgenommen hat. Er zeigt darin die Schwertkästen in den Außenrümpfen und im Mittelrumpf, erklärt die Funktionsweise des drehbaren Masts, zeigt die Anordnung der fünf riesigen Winschen im Cockpit, den Steuerstand der „Macif“, der an Captain Kirk auf dem Raumschiff Enterprise erinnert mit dem maßgeschneiderten Drehsitz, den Computer-Bildschirmen und Terminals, und er gibt Einblick in seine erstaunlich kleine Privatsphäre.

Wer nun wissen will, mit was Francois Gabart so kuschelt, wenn er sich für seine 20-minütigen Schlafphasen „aufs Ohr haut“, der findet die Antwort im obigen Video: Mit der Großschot – die kann er im Notfall von der Bettpritsche aus fieren.  

Rekord-Tracker Macif

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Michael Kunst

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