Roboter: Norweger und Briten bauen erstes unbemanntes, automatisches Frachtschiff

Schiffe ohne Steuermann

Roboter, Handelsschifffahrt, unbemannt

Die Hrönn soll nach dem Willen ihrer Entwickler so ziemlich alles transportieren , was sonst auch auf Schiffen verladen wird © Kongsberg

Im Januar soll das Roboter-Schiff auf Kiel gelegt werden, erste Testfahrten im neuen „Drohnen“-Zentrum im Trondheim-Fjord.

Viele Science Fiction-Autoren unterhalten mit dem Thema „Roboter“ seit mehr als 150 Jahren ihre Leser und auch in Filmproduktionen mit dem gewissen „Blick in die Zukunft“ zählt der Roboter seit jeher zur festen Besetzungsliste.

Heute ist der Roboter im gewissen Sinne längst „sozialer Partner“ des Menschen geworden, obwohl dies natürlich ein fragwürdiger, weil allzu humanisierter Begriff ist. Viele Aufgaben, wie etwa in der industriellen Fertigung, werden von zum Teil autonom agierenden Maschinen übernommen. Moderne Roboter können bereits einen Hausputz erledigen, Bomben entschärfen, Haushaltsgeräte ersetzen aber auch buchstäbliche Drecksarbeiten erledigen, wie etwa kleinere Aufräumjobs im stark verstrahlten Fukushima-Reaktor.

Dass die Schifffahrt bei der Entwicklung, vor allem aber beim erfolgreichen Einsatz von Robotern vergleichsweise sehr gute Fortschritte gemacht hat, wird schon seit einigen Jahren von vielen branchenfremden Technologen bestätigt. Vor allem der Umgang mit dem komplexen Prinzip des Segelns, unter Einbeziehung von Wetterdaten und Umgebungsparametern wie etwa Wellengang etc. wird als „vorbildlich“ bezeichnet (SR berichtete)

Roboter, Handelsschifffahrt, unbemannt

Sieht aus wie eines dieser Pionier-Landefahrzeuge © kongsberg

Da erscheint es konsequent und folgerichtig, dass in Zeiten, in denen große Automobil-Hersteller und Flugzeugbauer längst mit selbststeuernden, autonomen Fahrzeug- bzw. Flugrobotern experimentieren und diese bereits in vielen Bereichen einsetzen, auch zu Wasser endlich autonom arbeitende Roboter als „Helfer“ im menschlichen Alltag Einzug halten.

Die “Welle” hat keinen Steuermann an Bord

Bis heute sind jedoch in der Handels- und Versorgungsschifffahrt Roboter nur auf kleinen Versuchsbooten eingesetzt worden – den Schritt hin zu realen Abmessungen, also Schiffen, die tatsächlich Güter und Menschen im großen Stil transportieren, wagte man bisher noch nicht. Auch wenn die hierfür notwendige Technik mittlerweile durchaus ausgereift scheint, scheiterten Werften bisher an nationalen und internationalen Regeln und Gesetzen, die in den jeweiligen Hoheitsgewässern und offshore befolgt werden sollten. Außerdem sind Gebiete, die für den Testeinsatz von Roboterschiffen geeignet scheinen, echte Mangelware.

Platz scheint jedenfalls reichlich vorhanden © kongsberg

Platz scheint jedenfalls reichlich vorhanden © kongsberg

Die auf Roboterschiffe spezialisierte britische Agentur Automated Ships LTD. und die norwegische Kongsberg Maritime sind nach zahlreichen Entwicklungsstudien nun überein gekommen, das erste unbemannte, vollautomatisch arbeitende Schiff für Offshore-Operationen auf Kiel zu legen.

Die „Hrönn“ (isländisch für „Welle“) soll bereits ab Januar 2017 in Norwegen gebaut werden; ein Jahr später wird die Jungfernfahrt stattfinden.

Unterstützt und gefördert wird der Bau des ca. 100 Meter langen Cargo-Schiffes von der Norwegischen Regierung, die in mehreren Pressemitteilungen zum Thema ihren festen Willen bekundete, bei so zukunftsträchtigen Entwicklungen „ganz vorne mitmischen“ zu wollen.

Neues Testgebiet im Trondheim Fjord

Weiterhin kommt so die erst kürzlich eröffnete „Autonomous Ship Test Area“ im Trondheim Fjord zum Einsatz, die von der norwegischen Regierung kürzlich ihrer Bestimmung übergeben wurde. Hier können in einem weltweit einmaligen Testgebiet die unterschiedlichsten Steuer- und Automatisierungsprozesse ausgiebig getestet und erprobt werden. Außerdem stellen die norwegische Handelsmarine und das norwegische Schifffahrtsministerium sicher, dass sich der Neubau der „Hrönn“ im Rahmen international geltender Gesetze und Regeln abspielen wird.

Roboter, Handelsschifffahrt, unbemannt

Ist das die Zukunft? © kongsberg

„Im Prinzip gibt es technisch keine größenspezifischen Einschränkungen für vollautomatische und selbststeuernde Handel- und Cargoschiffe“, stellt Kongsberg vor Kurzem in einer Pressemitteilung klar. „Lediglich Regularien und Gesetze könnten uns einen Strich durch die Rechnung machen.“

Dass dies zumindest nicht in norwegischen Hoheitsgewässern so sein wird, wurde offensichtlich im Vorfeld geklärt. „Wir genießen die volle Unterstützung der norwegischen Regierung!“

Kongsberg beschreibt die „Hrönn“ als ein Leichtbau-Schiff, das speziell für den Offshore-Einsatz in der Nordsee konzipiert ist. Es soll den Offshore-Energie-Zentren vor Norwegen zu Diensten sein und bei Fischfarmen oder hydrographischen Forschungsarbeiten eingesetzt werden. Auch als Löschboot wäre das Roboterschiff bei schwierigen, lebensgefährlichen Einsätzen denkbar.

Die „Hrönn“ soll zunächst als ferngelenktes Schiff verstanden werden, wobei eine spätere Vollautomatisierung und autonome Einsatzweise fest geplant ist. Den Bau des Schiffes wird die Werft Fjellstrand AS übernehmen, die weltweit im innovativen und kreativen Aluminium-Schiffsbau einen hervorragenden Ruf genießt. Ihr letzter „Coup“ war der Bau der weltweit ersten, ausschließlich elektrisch betriebenen Auto- und Personenfähre „Ampere“.

Website Kongsberg

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Michael Kunst

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