Saisonstart: Worauf bei der Vorbereitung der Segel für die Saison zu achten ist

Segelkontrolle

Die Saison rückt näher, die Boote werden bald wieder aufgeriggt. Den Winter über lagern die Segel oft im Keller oder an Bord. Doch bevor die Tücher wieder gesetzt werden, müssen sie auf Schadstellen untersucht werden. Worauf man achten sollte:

Um Schäden am Segel zu erkennen, sollte es auf einer großen Fläche ausgebreitet werden © Silke Springer

Spätestens vor dem ersten Auftakeln müssen alle Segel gründlich durchgeschaut werden. Ist die Rollgenua erst einmal ins Profil geschoben und liegt das Groß angeschlagen auf dem Baum, bleibt die Garderobe meist bis zum Ende der Saison aufgezogen oder solange, bis ein Schaden eintritt, der mit einer kleinen, rechtzeitig ausgeführten Nahtreparatur hätte vermieden werden können. Wie aber sollte bei der Kontrolle vorgegangen werden? Was kann der handwerklich geschickte Eigner selbst reparieren, welche Arbeiten sollte er auf jeden Fall dem Profi überlassen? Um das herauszufinden, haben wir uns in der Segelwerkstatt Stade umgeschaut und Tipps von Geschäftsführer Jens Nickel eingeholt.

Die Reffkauschen werden genau untersucht: Löst sich die Naht, kann sich der Ring unter Belastung lösen © Silke Springer

Das Groß

Um sich sein Großsegel anzuschauen, muss Nickel allerdings auf die Knie: „Die Nase muss 40 Zentimeter über dem Segel sein. Sich jede Naht ganz genau anzuschauen bedeutet, über das Segel zu krabbeln!“

Weil Wohnzimmer und Garage meist nicht groß genug sind, werden die Segel gern im Garten oder auf dem Hafenvorfeld ausgebreitet. Idealerweise sollte man sie nicht direkt auf den Rasen legen, denn darin enthaltene Mikroorganismen bleiben am Tuch haften und sorgen später für Schimmel. Besser ist es, sich im Baumarkt eine Plane zu holen und die Segel darauf zu entfalten.

Nun kommt die Nagelprobe. Wenn sich Nahtfaden oder Tuchfasern mit dem Daumennagel aufdröseln lassen, ist es höchste Zeit für eine Reparatur oder sogar eine Neuanfertigung. Das gilt auch, wenn Tuchsegmente fadenscheinig geworden sind – oder im Falle von Laminatsegeln Delaminationen erkennbar sind.

Löst sich das Tuch wie auf diesem Bild auf, können Flicken nur kurzzeitig helfen. Das Segel muss neu angefertigt werden © Silke Springer

Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, sollte ein Eigner eine Naht nicht von Hand selber nähen, rät der Fachmann. Dabei würde häufig mehr zerstört, als repariert. Dass eine Segelmachernadel zur Bordausrüstung gehört, versteht sich jedoch von selbst, denn im Notfall, fern von Hafen oder Ankerbucht, muss die Möglichkeit vorhanden sein, einen Riss zu schließen!

Nach der optischen Durchsicht der Nähte folgt die Kontrolle der Verstärkungen und Aufdopplungen, beispielsweise im Bereich der Salinge. Dasselbe gilt für die Lieken. Hier darf gern den Clam­cleats der Liekbändsel besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Sind ihre Zähne abgenutzt, lohnt es sich, die Klemme zu ersetzen. Dafür bohrt man die Nieten heraus, besorgt sich beim Segelmacher oder Ausrüster neue Clamcleats und befestigt diese dann mit Schrauben. Genietet sind in der Regel auch die Kopfbretter von Großsegeln. Im Laufe der Zeit holen sich die Nieten etwas Lose. Mit ein paar Hammerschlägen lassen sie sich wieder festschlagen.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Kauschen und auf die Mastrutscher gelegt werden. Das gilt vor allem für jene, die über und unter den Reffs sitzen, da dort besonders hohe Spannungen auftreten. Treten Schadstellen auf, muss der Segelmacher ran. Sofern die Mastrutscher aber mit Gurtband angenäht und deren Nähte brüchig geworden sind, kann der Eigner selbst mit Segelmachernadel und -garn nacharbeiten.

Segellatten sind natürlich auch ein Thema. Bei kurzen Latten ist es empfehlenswert, alle paar Jahre ein neues Gummi einarbeiten zu lassen, damit die eingesteckte Latte auf Spannung bleibt. Bei durchgelatteten Großsegeln liegt der neuralgische Punkt dort, wo die Latte am Want scheuert. An dieser Stelle muss genau hingesehen werden, ob das Tuch schadhaft ist.

Die Fock

Stagreiter können jedes Jahr zu Saisonbeginn mit einem Tropfen Öl leichtgängig gehalten werden, sonst fressen sie sich fest © Silke Springer

Nach ausführlicher Kontrolle der Nähte, Kauschen und Tuchflächen rückt das Vorliek in den Fokus. Sofern es sich um ein Vorsegel mit klassischen Stagreitern handelt, gibt es in jedem Fall für den Eigner etwas zu tun, denn: „An jeden Stagreiter gehört jedes Jahr ein Tropfen Öl!“ erklärt der Segelmacher, wohl wissend, dass viele sich scheuen, ihre Segel mit Öl in Kontakt zu bringen. Doch diese Wartung ist sinnvoll, weil sie das Segelsetzen und -bergen wirklich erleichtert.

Bei Vorsegeln, die auf einer Rollanlage sitzen und in ein Profil eingeschoben werden, ist der Knackpunkt das obere Ende des Profilstreifens. Im Laufe der Zeit franst es aus. Hier hilft ein radikaler Schnitt. Nickel beschreibt ihn folgendermaßen: „Wenn der Streifen aufgepilzt ist, dann rate ich, mutig zu sein, ein scharfes Messer zur Hand zu nehmen, die oberen zwei Zentimeter vom Profilstreifen abzuschneiden und das Ende mit einem Feuerzeug abzubrennen beziehungsweise zu verschmelzen.“

Sowohl bei Vor- als auch bei Großsegeln sollte auch eine Farbkontrolle vorgenommen werden. Verfärbungen im Tuch sind in der Regel das Resultat intensiver Sonneneinwirkung und ein Zeichen von Alterung. Ist der Schutzstreifen schon stark ausgeblichen, wird es nicht mehr lange dauern, bis der Stoff nachgibt. Wie angegriffen der Stoff bereits ist, zeigt wiederum die Nagelprobe.

Der Spinnaker

Gegen das Licht gehalten lassen sich selbst kleinste Löcher erkennen © Silke Springer

Wird der Spinnaker oder Gennaker auf dem Boden ausgebreitet, lassen sich kleinere Löcher schlecht bis gar nicht erkennen. Um sie zu entdecken, muss das leichte Segel entweder Bahn für Bahn vor einer hellen Lichtquelle durchgesehen werden oder gewedelt werden. Dafür wird Unterstützung benötigt. Schothörner und Kopf werden auf drei Leute verteilt, die dann den Spinnaker mit Schwung hochwedeln. Wenn sich das leichte Segel aufbauscht, schaut ein Vierter von unten, ob er Löcher sieht.

Schädlinge

Die Maus

Mäuse lieben muckelige Winterquartiere und damit auch zusammengelegte Segel, die irgendwo in einem Schuppen aufs nächste Frühjahr warten. Tatsächlich ist Mäusefraß ein recht häufiger Schadensgrund, der nicht selten zur Neuanfertigung führt, weil sich die Mäuse peu à peu durch jede Falte fressen. Um Mäusefraß zu verhindern, hängt man die Segelsäcke möglichst an der Decke auf oder vergewissert sich, dass das Winterlager mäusefrei ist.

Während sich Risse sehr offensichtlich zeigen, sind beschädigte Nähte erst bei genauerer Kontrolle sichtbar © Silke Springer

Die Sonne

Noch schädlicher ist die Sonne. In unseren Breiten scheint sie während der Sommermonate besonders lange, auch dann noch, wenn längst schon der Hafen erreicht ist. Um UV-Schäden möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, die Segel sorgfältig abzudecken, sobald festgemacht wurde. Bei Rollvorsegeln übernehmen UV-beständige Achterliekstreifen einen guten Schutz (zumindest für ein paar Jahre), alternativ behilft man sich mit Schlauchpersenningen oder einem speziellen UV-beständigen Farbauftrag. Bei Großsegeln kommen Lazybag oder Baumpersenninge zum Einsatz.

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