Schiffbau: Mit dem Rumpf segeln – mehr als nur eine Vision für die Frachtschifffahrt!

Das Windschiff

 

.Jahrelang wurde der Norweger Terje Lade von der Wissenschaft für sein Vindskip-Projekt gefeiert. Doch Investoren für den Bau des exotischen Schiffes fand man nicht. Eine neue Schiffsbeteiligungsgesellschaft könnte das bald ändern! 

Was ist draus geworden? Bei den meisten Projekten, die im Boots- oder Schiffbau auf dem Papier oder auf dem Bildschirm bereits im frühen Stadium Furore machten, kann man diese Frage mit einem klaren „nichts“ beantworten. 

In Zeiten des Klimawandels haben radikale Querdenker vielleicht eher eine Chance, gehört zu werden © vindskip

Doch Manches, wenn es auch noch so exotisch erscheinen mag , setzt sich dann doch durch, allem Unken und „das-wird-nie-was“-Geschrei zum Trotz. Oder wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass diese seltsam filigranen Foils, die federleichte Moths samt Segler über die Wasser hoben, eines Tages sogar Monster-Trimarane wie die 100-Fuß langen Ultims vollständig über die Wasseroberfläche wuchten und vielleicht sogar in Kürze große Personenfähren per Elektroantrieb gänzlich anheben werden (wohlgemerkt: per Foils, und nicht Tragflächen).

Auf der Erfolgswarteliste

Doch es gibt auch noch einige Projekte, die irgendwo dazwischen liegen. Deren Machbarkeit mittlerweile wissenschaftlich anerkannt ist, deren Nutzen und Gewinn x-fach simuliert, durchgerechnet, theoretisch geprüft und mit „gut bis sehr gut“ bewertet wurden. Durchaus vielversprechende Initiativen, die jedoch noch keine praktische Chance bekommen haben, sich in der Realität zu beweisen. 

Wie z.B. das Projekt Vindskip, das wir bei SegelReporter bereits 2013 vorstellten (SR-Artikel).

Es geht bei Vindskip um ein altes, aber immer wieder aufs Neue diskutiertes Prinzip: Mit Verbrennungsmotoren angetriebene Fracht- und Handelsschiffe sollen mit Hilfe der Windkraft in Zukunft emissionsärmer und ressourcenschonender über die Ozeane und Meere segeln. 

Doch der norwegische Vindskip-Erfinder Terje Lade will den Wind nicht über Segel, Kites, Flettner-Rotoren oder Flügel zum Vortrieb nutzen – das Vindskip respektive Windschiff soll mit dem Rumpf segeln. 

Hoch am Wind mit 200 Meter-Segel-Rumpf © vindskip

Hierzu hat Lade ein Modell entwickelt, das auf den ersten Blick eher in die Star Wars-Fantasiewelt passen würde. Und das auch bei wiederholtem Hinschauen nicht unbedingt Vertrauen erweckt. Ein 200 Meter langer, überproportional hoher Rumpf, der später einmal 6.600 Automobile transportieren soll, wurde ähnlich wie ein Segel „geschnitten“ und soll einen Vortrieb in Fahrtrichtung erzeugen. Eindruck: Achtung, das Teil wird bei der ersten Welle umkippen!

Uraltes Prinzip, etwas andere Umsetzung

Im Laufe der letzten Jahre wurde das Prinzip Vindskip auf wissenschaftlicher Ebene durchaus wohlwollend aufgenommen. Terje Lade und sein Team haben offenbar die nötigen theoretischen Beweise geliefert, dass – aller Exotik zum Trotz – das Windschiff funktionieren kann. 

Nach mehrfachen Veränderungen an der Rumpfform spucken heute Computer-Simulationen Ergebnisse aus, die in Zeiten, da Emissionen drastisch reduziert werden müssen und Umweltbelange höchste Priorität bei den Konzeptionen von Schiffsneubauten haben (sollten), außerordentlich erfreulich sind. 

So behauptet Terje Lade auf seiner Website, in diversen Interviews (u.a. BBC und Deutschlandfunk) und wissenschaftlichen Publikationen, dass Vindskip im Vergleich zu herkömmlichen Frachtschiffen bei einer gewöhnlichen Fahrt z.B. über den Atlantik 60 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und dabei 80 Prozent weniger Emissionen ausstoßen wird. Diese Werte könnten sich jedoch noch verbessern, da derzeit eine modifizierte Rumpfform im Computer auf seine Effizienz überprüft wird. 

Über 6.000 Autos soll das Windschiff laden können © vindskip

Wie immer, wenn Wind als Vortrieb genutzt werden soll, spielt das Wetter bei allen Berechnungen eine zentrale Rolle. Beim Projekt Vindskip ist das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen in Hamburg für die Entwicklung von adäquaten Vindskip-Wetter-Routing-Programmen zuständig. So berechnet ein neues Wetter-Routing-Tool anhand der zu erwartenden Wettersituationen auf einer Route X den Vindskip-Treibstoff-Verbrauch auf direktem, schnellstem Weg und bietet gleich eine Alternative, bei der Windrichtungen, Windstärken und Seegang in den meisten Fällen zwar eine längere Fahrtzeit nach sich ziehen, dafür aber deutlich reduzierten Verbrauch und Emissionsausstoß generieren.

Neue, willige Investoren?

Stellt sich die Frage, warum Terje Lade mit seinem Windschiff-Projekt nicht schon längst als einer der erfolgreichsten Erfinder im Schiffbau gefeiert wird? Die Schiffsindustrie verhalte sich eher zurückhaltend und scheue Risiken, gibt der Tüftler in Interviews mit norwegischen Medien an. Mit einer Werft in Kroatien waren die Vereinbarungen schon so weit fortgeschritten, dass man schon erste Termine für die Kiellegung festgelegt hatte. Doch dann geriet die Werft in finanzielle Schwierigkeiten und nahm Abstand vom Projekt Vindskip. 

Um mit anderen Finanzierungsformen mehr Glück zu haben, gründete Terje Lade nun eine Schiffsbeteiligungsgesellschaft, der wiederum das Recht eingeräumt wird, das erste Windschiff zu bauen. Derzeit sucht „Vindskip AS“ nach Investoren, die bisher nicht das volle Risiko eingehen wollten, sich jedoch in einer Investorengruppe wohler fühlen könnten. Terje Lade hofft, dass er 2021 einen Vertrag mit einer Werft abschließen kann. Spätestens 2023 könnte dann das erste Windschiff zur Jungfernfahrt ablegen.

Website

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

3 Kommentare zu „Schiffbau: Mit dem Rumpf segeln – mehr als nur eine Vision für die Frachtschifffahrt!“

  1. avatar esailor sagt:

    Schöne Idee, aber ich sehe da auch nur 1/3 Ladevolumen des Schiffes. Dann braucht man also 3 Schiffe und ist am Ende beim gleichen Gesamt-Treibstoffverbrauch.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar Klaus-Peter Kostag sagt:

    Lieber Michael Kunst,

    es gibt da eine weitere Idee, mittels Überwasser-Rumpf zu segeln. Die ist noch weit sensationeller, als der TRAGFLÜGEL-Rumpf vom Terje Lade und wird demnächst die Weltschifffahrt umkrempeln. Sie beruht wissenschaftlicherseits darauf, dass es eine Proportionalität zwischen Zirkulation und Auftrieb gibt. KUTTA/JUKOWSKI schrieben dazu eine Formel. Der weltweit bekannte Satz vom MAGNUS-Effekt ist der größte Bremser der Weltwissenschaftsgeschichte. Vergleichbar mit den trügerischen Hexenprophezeiungen im Shakespear-MACBETH. Weil er nicht der geglaubte Lehrsatz, sondern lediglich eine Experiments_Einzelbeschreibung, nicht verallgemeinerbar ist. Ebenfalls glaubt die Physikwelt bis heute, dass DYNAMISCHER AUFTRIEB sich nur per zweier Vehikel generieren ließe: Per Tragflügelprofilen und per “runder Rotoren” a la MAGNUS. Aber auch andere als runde und sich drehende Körper erfahren in seitlicher Anströmung diese Querkraft. Das Wort „rund“ und die Bedingung “sich drehend” als notwendige Voraussetzungen zu behaupten trifft zwar auf die mangelhaften Erkenntnisse von ROBINS und MAGNUS über den Flug von Kanonenkugeln zu, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Das exakte Gegenteil von „rund“, nämlich glatt und ebenflächig funktioniert auch. Das beweist, dass jeder Körper, ausnahmslos ALLES dazu taugt, DYNAMISCHEN AUFTRIEB zu erfahren. https://www.youtube.com/watch?v=4_LlhLeqh_8 und https://www.youtube.com/watch?v=xMoVzV-XmU0
    Dass ebenfalls keine Eigendrehung notwendig ist, beweist jedes einzelne der Tragflügelprofile und der Kutta- Jukowski – Satz von 1904.
    Deswegen ist die neue Erkenntnis keine zu beweisende These, keine Theorie sondern eine Faktendarstellung. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit beschreiben folgende AXIOME:
    „Jedweder zirkular umströmte Körper, ALLES, erfährt in dazu seitlicher Anströmung eine Querkraft. (Dabei sind Form, Beschaffenheit, Größe, Gewicht etc. des „Körpers“ sowie die Herkunft der Zirkulation, entweder durch Eigendrehung oder extern anders, gar vorsätzlich und bewusst bewirkt, absolut beliebig)”
    und
    „Jedes zirkular umströmte Objekt, ALLES, erfährt in seitlicher Anströmung eine Querkraft – DYNAMISCHER AUFTRIEB ist ausschließlich jene Querkraft, die ein zirkular umströmtes Ding in seitlicher Anströmung erfährt”

    Daraus folgt sich anwendungshaft ableitend eine komplette TECHNISCHE REVOLUTION gleich in mehreren Bereichen:

    1. Alle bereits existierenden und künftigen Wasserfahrzeuge (Schiffe, Boote, Sportboote etc.) können ab jetzt auch ohne Montage von Segeln, Tragflächen, Rotoren oder Skite-Drachen per Meereswind angetrieben s e g e l n . Der Rumpf über Wasser ist das Segel. Eine unvermeidliche Renaissance der Windkraft, bei der der Überwasser-Schiffsrumpf Querkraftumwandler ist, wird folgen: Weil Geld sparend. Weil ungiftig. Weil leiser. Weil schneller. Weil einträglicher. Weil cleverer.

    2. Solche windbewegten Schiffe können mittels Strömungsmaschine und Generator haufenweise elektrischen Strom erzeugen, mit dem dann Wasserstoff/Methan/Methanol/synthetischer Diesel gewonnen und anschließend gespeichert wird. Und genau an dieser Stelle sind irgendwelche niedrigen Wirkungsgrade deswegen unerheblich, weil einfache Rumpfflächenvergrößerungen das auszugleichen imstande sind. „Segelenergie“ könnte die Verspargelung des Landes ablösen, wo nötig. (segelenergie.de) Die Repellerverspargelung der Landschaften, das ganze Tonnen schwere Insekten- und Vogelmorden hätte ein Ende. Und die unfreiwillig in Kauf genommene Temperaturerhöhung/Landschaftsaustrocknung durch Windparks. https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aae102

    3. Alle bisherig existierenden Flugzeuge der Welt mit ihren ausladenden Tragflächen könnten selbst nachträglich mit Zirkulations-Auftriebsboostern (Start- und Landestrecken zu verkürzen, Nutzlasten zu erhöhen) nachgerüstet werden, künftige Flugapparate komplett anders (völlig ohne oder mit minimierten Tragflächen) konstruiert sein. Es ließe sich in Start- und Landephasen sowohl ein Ekranoplan-Bodeneffekt, als auch zugleich eine garantierte Strömungsabriss-Verhinderung herstellen, wohl der Traum eines jeden Anfänger-Piloten und der Albtraum von BOEING. Und zusätzlich eine neue Bremslastverteilung weg vom Bugrad hin zu den Tragflächen-Räderschaften. Es ist also kein prinzipieller Verzicht/Abbau/Rückbau der klassischen Tragflächen erforderlich, modern zu bleiben! Und die einst erträumte FLYING SAUCER wird REALITÄT !!!

    4. Alle Flugzeuge, KFZ und Schienenfahrzeuge, derzeit weltweit eine sehr, sehr reichliche Milliarde Stück, ließen sich für hohe Start-Landungs-, Rollgeschwindigkeiten mit einer lebensrettenden Bremskraftverstärkung/Kippsicherung aus- und nachrüsten. Wie ein unsichtbarer Riesendaumen sorgte ein „Emergency-Break-Booster“ durch erzwungene Zirkulation für gewünschten, „Not!“wendig verstärkten Anpressdruck, selbst auf der durch Kippmoment entlasteten Achsen hinten (beim Flugzeug damit der unter den Tragflächen befindlichen, die somit dem total überlasteten BUGRAD künftig die bisherige Bremsungs-Hauptrolle abnähmen)

    5. Und, besonders vorteilhaft dabei, nichts Altem, nichts Bisherigem bliebe die Anwendung des „Neuen” verwehrt, müsste dazu gar selbst entsorgt werden. So ziemlich alles bereits Bestehende an Fahr-, Flug- und Schwimmzeugen lässt sich ziemlich preisgünstig, unaufwendig, ungefährlich und idiotensicher n a c h r ü s t e n . Beispielsweise per Pressluftkonstrukt als eine Vorrichtung von Schraubenverdichter in Verbindung mit Düsen. Technisch geradezu beleidigend primitiv. Aber eine sehr, sehr gute, eine zweckmäßige Software brauchte es dennoch, alle möglichen Vorteile dieses “Neuen” optimal auszureizen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

  3. avatar Firma Siemek sagt:

    Keeeeine Gummipümpel, Keeeeeeeine Chemikalien, Reiiine komprimierte Luft!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *