Seekrankheit: Mit Elektroschocks gegen die Geißel der Seefahrt

Unter Strom

Britische Wissenschaftler wollen eine neue Methode gegen Bewegungs- und Seekrankheit gefunden haben. In 5-10 Jahren soll eine Haube zur zerebralen Elektrostimulation serienreif sein – Strom kommt aus dem Handy

Die wahre Ursache für Reise-, Bewegungs- und Seekrankheit wurde wissenschaftlich noch nicht eindeutig definiert, aber zwei Theorien haben Bestand:

  1. Eine überhöhte Histamin-Produktion verursacht Nausea bzw. die Reisekrankheit und muss entsprechend mit Anthistaminen bekämpft werden. Dabei können auch prophylaktisch eingenommene, hohe Vitamin-C-Dosen helfen.
  2. Das Gehirn „versteht“ bestimmte Informationen, die es von außen erhält, nicht mehr bzw. kann diese nicht richtig verarbeiten. Die Vertreter dieser Theorie versuchen meistens das Gehirn zu „überlisten“, indem sie annähernd normale Situationen vortäuschen. Hierzu werden u.a. Brillen eingesetzt, die einen stabilen Horizont mittels einer Wasserwaagenlinie suggerieren.

Forscher des „Imperial College London“ haben sich der letztgenannten Theorie verschrieben und versuchen das „Übel mit der Übelkeit“ mit physikalischen Mitteln anzugehen. Sie veröffentlichten kürzlich in dem neurologischen Fachmagazin „Neurology“ die These, dass man das Gehirn durch gezielte, leichte Stromstöße dabei unterstützen könne, die vermeintlich „unverständlichen“ Signale, verursacht durch Schwanken, Schaukeln, Drehen etc. besser oder richtig zu verarbeiten.

Strom im Hirn

Dr. Quader Arshad, Leiter des Forschungsprojektes in der medizinischen Abteilung des Imperial College London, ist zuversichtlich, dass es „schon in wenigen Jahren möglich sein wird, sich bei ersten See- oder Reisekrankheitssymptomen Elektroden auf den richtigen Stellen am Schädel anzusetzen – etwa mit einer Kappe oder Mütze.“ Die dafür notwendige, (niedrige) Stromdosis will Arshad aus dem Handy beziehen.

Bei ersten Versuchen wurden seekrankheitsanfällige Probanden in einem „Raumfahrtstuhl“ bei Symptomen von Übelkeit mit Elektrostimulation am Schädel behandelt. Nach Aussagen der Ärzte erholten sie sich deutlich schneller als Nausea-Patienten ohne Elektrostimulation und überstanden anschließende Raumfahrtstuhl-Einsätze ohne Seekrankheit.

 Ohne Nebenwirkungen?

Dr. Arshad: „Das ist natürlich noch kein wissenschaftlicher Beweis, der erst in langwierigen Studien und Versuchsreihen erbracht werden muss. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir schon in wenigen Jahren, ähnlich wie bei elektrischer Muskelstimulation im Rücken, entsprechende Gerätschaften zur Bekämpfung der Reise- und Seekrankheit in der Apotheke kaufen können!“

Arshad und das Imperial College London machen sich jetzt auf die Suche nach geeigneten Sponsoren in der Industrie und Pharmazie.

„Natürlich ist uns bekannt, dass es bereits gute Mittel gegen Seekrankheit gibt. Doch die haben alle teils heftige Nebenwirkungen,“ sagt Dr. Arshad. „Mit zerebraler Elektrostimulation haben wir dieses Problem jedoch nicht!“ Strom im Hirn ohne Nebenwirkungen? Was noch zu beweisen wäre.

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Michael Kunst

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