Seenot: DGzRS Einsätze über Ostern – Handy hilft nicht nach Elektronik-Ausfall

Kogge in Nöten

Seenotretter der aus Horumersiel sowie Bremerhaven gemeinsam mit einem Such- und Rettungshubschrauber der Deutschen Marine einen Alleinsegler aus einer misslichen Lage befreit.

Der 34-Jährige war mit seinem Boot nordöstlich der Düneninsel Mellum auf Grund gelaufen. Am Samstagmorgen waren die Seenotretter der DGzRS-Station Cuxhaven für eine plötzlich erkrankte Frau im Einsatz. Die Besatzung der ANNELIESE KRAMER übernahm die Patientin von der Brigg „Roald Amundsen“ und brachte sie sicher an Land.

Bremerhaven/Horumersiel | Mit seinem Mobiltelefon setzte der Segler gegen 1.45 Uhr den Alarm ab: Nach einem Blackout und dem damit verbundenen Ausfall der gesamten Bordelektronik war er mit seinem sieben Meter langen Segelboot bei ablaufendem Wasser in der Nähe der Düneninsel Mellum festgekommen. Eine genaue Positionsangabe konnte der Wilhelmshavener nicht machen – er wusste lediglich, dass er sich nordöstlich der Insel befand. Damit sein Boot nicht vertreibt, hatte er es mit einem Anker gesichert.

Die SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS alarmierte die Seenotretter der Freiwilligen-Station Horumersiel mit dem Seenotrettungsboot BALTRUM und der Festangestellten-Station Bremerhaven mit dem Seenotrettungskreuzer HERMANN RUDOLF MEYER. Außerdem bat sie in der Nähe fahrende Schiffe um Mithilfe. Trotz guter Sicht bei Vollmond und ruhiger See blieb die Suche nach dem unbeleuchteten Boot – der Skipper konnte lediglich mit seiner Taschenlampe schwache Lichtsignale geben – zunächst erfolglos. Erschwerend kam hinzu, dass die Handyverbindung zum Havaristen immer wieder abbrach.

Deshalb zogen die Wachleiter der SEENOTLEITUNG BREMEN wenig später einen Such- und Rettungshubschrauber der Deutschen Marine hinzu. Außerdem sendete die Seenotküstenfunkstelle BREMEN RESCUE RADIO der DGzRS ein „Mayday Relay“ aus, um die gesamte Schifffahrt um erhöhte Aufmerksamkeit zu bitten. Gegen 4.45 Uhr entdeckte schließlich der SAR-Hubschrauber das Segelboot an der Nordostkante Mellums.

Aufgrund der sehr geringen Wassertiefe war es nicht möglich, den Skipper mit seinem Segelboot ins tiefere Wasser zu ziehen oder ihn mit dem Tochterboot CHRISTIAN der HERMANN RUDOLF MEYER von Bord zu holen. Daher winschte der Hubschrauber den unverletzten und nicht unterkühlten Mann ab. Anschließend setzten die Marinesoldaten den Segler auf dem Seenotrettungskreuzer ab. Die Besatzung der HERMANN RUDOLF MEYER brachte den 34-Jährigen nach Bremerhaven an Land.

Die Seenotretter weisen noch einmal auf ihre Website sicher-auf-see.de hin, auf der Wassersportler zahlreiche wertvolle Tipps für die Vorbereitung ihrer Törns finden. Dazu empfehlen die Seenotretter den Download ihrer Sicherheits-App SafeTrx, mit der man auf See über das eigene Smartphone seine Route aufzeichnen lassen kann. Im Notfall hat die Seenotleitung der DGzRS direkten Zugriff auf die Daten der zurückgelegten Fahrt, was eine Suche erheblich verkürzen kann.

Cuxhaven | Gegen 8.15 Uhr alarmierte die SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS die Seenotretter der Station Cuxhaven: Auf dem Traditionssegler „Roald Amundsen“ hatte eine 38-jährige Frau einen epileptischen Anfall und benötigte umgehend ärztliche Hilfe. Die Brigg befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 14 Seemeilen (rund 26 Kilometer) nordwestlich von Cuxhaven. Mit einem Notarzt und zwei Rettungssanitätern der Berufsfeuerwehr Cuxhaven an Bord nahm die Besatzung des Seenotrettungskreuzers ANNELIESE KRAMER wenig später Kurs auf den Zweimaster.

An Bord der „Roald Amundsen“ war die Patientin nach einer ärztlichen Beratung per Funk durch Mitarbeiter der Johanniter Unfallhilfe, die ebenfalls in den Räumen der SEENOTLEITUNG BREMEN sitzen, bereits vor dem Eintreffen der Seenotretter medizinisch erstversorgt worden. Als die ANNELIESE KRAMER gegen 9.15 Uhr bei dem Segelschiff längsseits ging, hatte sich der Zustand der Frau bereits soweit verbessert, dass sie bei ruhiger See und einer leichten Brise selbst auf den Seenotrettungskreuzer übersteigen konnte.

Auf der ANNELIESE KRAMR versorgten Notarzt und Rettungssanitäter die Patientin im Bordhospital weiter. In Cuxhaven übergaben die Seenotretter die Frau an den Landrettungsdienst.

Seenotretter schleppen festgekommene Kogge nach Wismar

Bei bestem Frühlingswetter war die Kogge „Wissemara“ am Vormittag von Wismar aus zu einem Törn aufgebrochen. Es sollte für die Fahrgäste eine Zeitreise zurück ins Mittelalter werden, als der Segelschifftyp seine Hochzeit hatte. Doch die Ausflugsfahrt endete am Karfreitag, 19. April 2019, im Schlepp des Seenotrettungskreuzers HANS HACKMACK der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Im Einsatz für die Kogge „Wissemara“: Das Seenotrettungsboot WOLFGANG WIESE (l.) und der Seenotrettungskreuzer HANS HACKMACK © DGzRS

Die SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS wurde gegen 14 Uhr über den Notfall informiert: In Höhe von Hohen Wieschendorf in der Eggers Wiek war die fast 32 Meter lange „Wissemara“ wenige hundert Meter von Land entfernt festgekommen. Aus eigener Kraft konnte sich die Kogge aus ihrer misslichen Lage nicht mehr befreien. Sofort alarmierten die Wachleiter die freiwilligen Seenotretter der nahe gelegenen Station Timmendorf auf Poel, die bereits eine Viertelstunde später vor Ort eintrafen.

Trotz der 380 PS starken Maschine des Seenotrettungsbootes WOLFGANG WIESE gelang es den Rettungsmännern nicht, die etwa 260 Tonnen schwere „Wissemara“ von „Schiet“ zu ziehen. Deshalb schickte die SEENOTLEITUNG BREMEN zusätzlich den Seenotrettungskreuzer HANS HACKMACK aus Grömitz zur Unglücksstelle. Gemeinsam befreiten die beiden Rettungseinheiten schließlich die Kogge dank ihrer insgesamt 3.080 PS. Anschließend nahmen die Seenotretter das Segelschiff mit der HANS HACKMACK längsseits und schleppten es mit geringer Geschwindigkeit nach Wismar.

Eine Gefahr für die 42 Personen an Bord der „Wissemara“ bestand bei nordöstlichem Wind um drei Beaufort (bis zu 19 km/h) und ruhiger See zu keinem Zeitpunkt.

 

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