Seenot: “Tao“ im Atlantik gekentert und gesunken – Crew von Fischer gerettet

Rettung in letzter Minute

Die Alliage 44 kenterte 1200 Seemeilen südöstlich von Cape Cod auf dem Weg nach Europa. Drei Segler wurden in koordinierter Rettungsaktion abgeborgen.

Während der letzten zwei Wochen beherrschte vor allem ein Thema die Welt der Segler: Die Kenterung der „Rafiki“ nach Kielverlust und die – letztendlich vergebliche – Suche nach ihrer vierköpfigen Crew.

Doch fast gleichzeitig befand sich auch eine weitere Yacht in Seenot, ungefähr doppelt so weit vom Festland entfernt, auf Höhe Cape Cod. Von den Medien nahezu unbemerkt koordinierte hier die US-Coast-Guard eine vorbildliche Rettungsaktion auf hoher See, bei der alle drei Segler der französischen Alliage 44 „Tao“ unversehrt abgeborgen werden konnten.

Was nicht heißen soll, dass die Rettungsaktion für die Beteiligten ungefährlich war…

Auf See ist keiner vor Überraschungen sicher: Die "Tao" vor der Schicksalsreise © privat

Auf See ist keiner vor Überraschungen sicher: Die “Tao” vor der Schicksalsreise © privat

In Seenot

Am Donnerstag, 15. Mai empfing das Zentrum der US-Küstenwache in Boston um sechs Uhr morgens auf 406 MHz die Signale einer Notfallbake der 44-Fuß-Yacht „Tao“. An Bord waren drei Männer: Zwei im Alter von 79 Jahren, einer 72 Jahre alt. (Diese Angaben wurden später in französischen Internet-Blogs korrigiert, die Drei seien lediglich 72, 74 und 76 Jahre jung gewesen).

Ein HC Hercules 130 Suchflugzeug wurde umgehend in Richtung der Positionsmeldung (1.200 Seemeilen südöstlich von Cape Cod) gesandt; zudem wurden Schiffe, die in der Region lokalisiert wurden, um Hilfe gebeten. Das 500-Fuß-Marine-Trainingsschiff „State of Main“ änderte ebenso seinen Kurs wie die „MolMaxim“ (offenbar eine Motoryacht) und der spanische Hochseefischer „Robero“.

Eine doppelt so hohe Welle

Auf der „Tao“ hatte sich zuvor ein Drama abgespielt. Bei etwa 35 kn Windgeschwindigkeit in relativ hoher See (die Angaben schwanken zwischen vier und fünf Metern Seegang) spülte eine besonders kräftige Welle über die Yacht, die ungefähr doppelt so hoch gewesen sein soll wie die anderen. Dabei schlug das 44-Fuß-Schiff offenbar quer und kenterte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Segler angeleint an Deck – er wurde in das Innere des Schiffes geschleudert – die beiden anderen waren unter Deck.

Die gekenterte Yacht machte in der Seitenlage offenbar schnell Wasser. Drei bis vier Wellen später war das Schiff hoffnungslos vollgelaufen, wie die Segler später berichteten. Auch nach fünf Minuten im gekenterten Zustand richtete sich die „Tao“ noch nicht auf. Die drei Männer versuchten, ihre Rettungsinsel einsatzbereit zu machen, doch einmal „entfaltet“ riss sie sich vom Schiff los und wurde davongetragen.

Als das Hercules Suchflugzeug die Szene erreichte, befanden sich die Männer in Trockenanzügen und mit Schwimmwesten bekleidet beim gekenterten Schiff im Wasser. Es wurden Markierungssignale, ein Rettungsfloß und ein wasserdichtes VHF-Funkgerät zu den Havarierten abgeworfen.

Vollgelaufen, nicht mehr zu retten.

Mitten auf dem Atlantik kam die eine, doppelt so hohe Welle © US Coast Guard

Mitten auf dem Atlantik kam die eine, doppelt so hohe Welle © US Coast Guard

Gegen zwei Uhr Nachmittag erreichte der Hochseefischer „Robero“ die „Tao“. Die Yacht hatte sich in der Zwischenzeit aufgerichtet und die drei Segler hatten den gebrochenen Mast und Segel gekappt. Die vorderen zwei Drittel des Vorschiffes tauchten bereits gefährlich ein – die „Tao“ war vollgelaufen und wäre so nicht mehr mit normalen Bordmitteln leerzupumpen gewesen. Außerdem berichteten die Segler später von schweren Schäden, die der Mast im Rumpf verursacht hatte.

Mit dem Wind ruderten die Segler auf die „Robero“ zu , die schwer in der See rollte.

Das Video der US-Küstenwache zeigt deutlich, wie gefährlich das Abbergen der Crew vom Rettungsfloß gewesen sein muss. Die Wellen spülen das Floß über die gesamte Höhe der Bordwand hinauf. In so einem Seegang den richtigen Moment zum „Ausstieg“ zu treffen, ist eine wahres „Spiel mit dem Schicksal“.

Doch für die drei eher betagten französischen Atlantiksegler ging diese Rettungsaktion glimpflich ab.

Die „Robero“ brachte die Segler zum 300-Fuß-Hospital-Schiff „Esperanza“ (auch unter spanischer Flagge), das etwa eine Tagesreise entfernt wartete und die Drei später zu den Kanarischen Inseln brachte.

Stellen sich einige Fragen…

In französischen Segelblogs wird seitdem heftig diskutiert, wie ein derart seegängiges Schiff – die Alliage 44 gilt als besonders typisches Blauwasser-Langfahrt-Schiff – in eine derart missliche Lage kommen konnte.

• Warum richtete sich das Schiff , solange es noch mit dem Mast über Wanten und Vorstage verbunden war, nicht von alleine auf?

• War der Hubkiel etwa eingefahren oder „rutschte“ er in gekenterter Lage in den Rumpf hinein?

• Drückte die „eine große Welle“ die Tür zum Inneren des Schiffes ein oder war diese schlicht geöffnet, als die Welle überkam?

Die US-Küstenwache und mehrere Meteorologen aus der Region bestätigten übrigens die Möglichkeit, dass es speziell in diesem Seegebiet zu überproportional hohen Wellenformationen kommen kann: Strömungen und Wind wechseln dort schnell ihre Richtung – die Gegend gilt als eine der ruppigsten auf der nördlichen Transatlantik-Route.

Die „Tao“ sank kurz nach der Rettung – es gab buchstäblich in letzter Minute ein glückliches Ende.

Eine besonders eindeutige Lehre konnten jedoch alle Beteiligten aus dieser Rettungsaktion ziehen:

• Die See ist immer für Überraschungen gut, erst recht in Form von unberechenbaren Wellen, Strömungen, Winden.

• Die seit Jahrhunderten beschworene Solidarität und Hilfsbereitschaft aller Seefahrer untereinander gibt es noch immer. Tag für Tag, auf allen Meeren dieser Welt!

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Michael Kunst

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