Seenotfall vor Helgoland: Seekranke Seglerin stark unterkühlt

Tochterboot VERENA des Seenotrettungskreuzers HERMANN MARWEDE auf der aufgewühlten Nordsee im Einsatz für eine stark unterkühlte Frau an Bord einer Segelyacht (Foto: Die Seenotretter – DGzRS)

Drei Crewmitglieder einer Segelyacht geraten bei schwerem Seegang nordöstlich von Helgoland in gesundheitliche Probleme. Für eine 35-Jährige verschärft sich die Lage so sehr, dass Seenotretter, Rettungshubschrauber und der Notschlepper Nordic gemeinsam zum Einsatz kommen.

Tochterboot VERENA des Seenotrettungskreuzers HERMANN MARWEDE auf der aufgewühlten Nordsee im Einsatz für eine stark unterkühlte Frau an Bord einer Segelyacht (Foto: Die Seenotretter – DGzRS)

Am späten Vormittag geriet die sechsköpfige Besatzung einer knapp zwölf Meter langen Segelyacht nordöstlich von Helgoland in Schwierigkeiten. Gegen 11.40 Uhr setzte die Crew über UKW-Kanal 16 einen Notruf ab. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Yacht etwa neun Seemeilen von der Insel entfernt. Drei Menschen an Bord waren stark seekrank. Besonders kritisch war der Zustand einer etwa 35 Jahre alten Frau, die deutlich geschwächt war und erste Anzeichen einer Dehydrierung zeigte.

Das Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen, die von der DGzRS betriebene deutsche Rettungsleitstelle See, leitete daraufhin einen Rettungseinsatz ein. Der auf Helgoland stationierte Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE lief sofort aus. Zusätzlich wurde ein Rettungshubschrauber von NHC Northern Helicopter angefordert.

Der Hubschrauber erreichte die Segelyacht kurz vor dem Seenotrettungskreuzer. Die Bedingungen auf See erschwerten den Einsatz jedoch erheblich: Bei westlichem Wind mit etwa sechs Beaufort und rund drei Meter hohen Wellen bewegte sich die Yacht so stark, dass ein direktes Abwinschen des medizinischen Personals auf das Boot nicht möglich war. Stattdessen setzte der Hubschrauber einen Notarzt und einen Notfallsanitäter per Seilwinde auf der HERMANN MARWEDE ab.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Gesundheitszustand der 35-Jährigen weiter verschlechtert. Trotz Wärme- und Wolldecken war sie inzwischen stark unterkühlt. Die Seenotretter brachten das medizinische Team deshalb mit dem Tochterboot VERENA zur Segelyacht. Unterstützung erhielten sie dabei vom Notschlepper Nordic. Das vom Bundesverkehrsministerium gecharterte Schiff positionierte sich so, dass es der Yacht Windschutz bot und damit das Längsseitsgehen der VERENA erleichterte.

Nach der medizinischen Erstuntersuchung wurde die Patientin auf das Tochterboot übernommen und zur HERMANN MARWEDE gebracht. Bei dem kräftigen Seegang war der Transfer anspruchsvoll. Im Bordhospital des Seenotrettungskreuzers wurde die Behandlung fortgesetzt.

Nach der Rückkehr nach Helgoland übernahm der örtliche Rettungsdienst die Frau. Sie wurde anschließend zur weiteren Behandlung in das Inselkrankenhaus gebracht.

 

Quelle: Die Seenotretter DGzRS 

7 Kommentare

  1. Die Kommentare bewegen sich für meinen Geschmack etwas zu sehr zwischen „alles richtig gemacht“ und „das hätte ein guter Skipper selbst lösen müssen“. Mich würde als Segler viel mehr interessieren, wie es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist.

    Dass bei einer stark unterkühlten und dehydrierten Seglerin die Seenotretter gerufen wurden, möchte ich überhaupt nicht beurteilen. Wenn eine Crew zu dem Schluss kommt, dass sie medizinische Hilfe benötigt, ist es sicher besser, einmal zu früh als einmal zu spät Hilfe anzufordern.

    Aber was geschah vorher?

    Nach den veröffentlichten Angaben befand sich die Yacht beim Notruf rund neun bis zehn Seemeilen nordöstlich von Helgoland. Dort herrschten etwa 6 Bft aus West und rund drei Meter Seegang. Das war offenbar auch keine völlig überraschende Wetterentwicklung: Für die Deutsche Bucht waren bereits am Vorabend West bis Südwest 5–6 Bft und zeitweise etwa drei Meter Seegang vorhergesagt.

    Deshalb würde mich die Vorgeschichte interessieren: Woher kam die Yacht und wohin wollte sie? War Helgoland das Ziel, stellt sich die Frage, warum man so kurz davor schließlich abbrechen musste und wie lange die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt bereits seekrank waren. War die Yacht dagegen von Helgoland ausgelaufen, wäre interessant zu erfahren, warum man bei zunehmender Seekrankheit nicht früher umgedreht hat. Vielleicht gab es dafür sehr nachvollziehbare Gründe – aus dem Artikel erfahren wir sie leider nicht.

    Genau solche Informationen wären für mich der eigentliche Mehrwert eines digitalen Segelmagazins gegenüber einer bloßen Wiedergabe der DGzRS-Meldung. Nicht, um hinterher vom Sofa aus über die Crew zu urteilen, sondern um daraus zu lernen: Welche Entscheidung wurde wann getroffen? Wie entwickelte sich die Seekrankheit? Wann wäre ein Abbruch noch einfach möglich gewesen? Welche Rolle spielten Wetterbericht, Seegang, Zeitdruck oder das geplante Ziel?

    Seenotfälle entstehen häufig nicht durch eine einzige falsche Entscheidung, sondern durch eine Kette von Umständen und Entscheidungen. Diese Kette zu verstehen, wäre für mich wesentlich interessanter als die Frage, ob am Ende „alles richtig“ oder „alles falsch“ gemacht wurde.

    Denn mein persönliches Ziel als Segler ist nicht, beurteilen zu können, ob die Retter hätten auslaufen müssen. Ich möchte möglichst viel daraus lernen, damit sie wegen mir gar nicht erst auslaufen müssen.
    Grüße
    Ahab

  2. Edel Schorr

    Alles richtig gemacht, danke – den Kritikern wünsche ich in ähnlicher Situation umsichtige Menschen an ihrer Seite

  3. Eelko Hülskötter

    Anstatt ihr was zu trinken zu geben und eine heisse Suppe zu machen. Bei solchen Bedingungen sollte ein Skipper die Situation noch selber in den Griff kriegen. So von aussen.

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    1. PL_klaus.schink

      Was ist, wenn die Frau nichts bei sich behalten kann?

    2. Man sollte immer vorsichtig mit solchen Anschuldigungen sein, wenn man keine Hintergrundinformationen hat.

      1. Eelko Hülskötter

        Alles richtig. Gilt aber auch andersrum.

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  4. glückwünsch gute Arbeit. danke

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