Solo-Seglerin aus Seenot gerettet: Gefährliches Übersteigen bei 5 Meter hohem Wellengang

Einsatz bei schwerer See

Mitten in der Nacht geht der Alarm in der Rettungsleitstelle ein. Die RNLI-Station erhält einen Notruf über eine Einhandseglerin, die auf See in Schwierigkeiten geraten ist und dringend Hilfe braucht.

Die RNLI im Einsatz. © RNLI

Die Frau befindet sich im Seegebiet bei Kirkwall vor den Orkney-Inseln im Norden Schottlands. Es regnet, ist stockdunkel, und der Seegang erreicht im Sturm eine Höhe von bis zu fünf Metern. Das genaue Problem der Seglerin ist zunächst nicht klar. Die örtliche RNLI-Besatzung läuft daraufhin mit ihrem erprobten Rettungskreuzer Roger and Joy Freeman aus, um die Segelyacht zu finden. 

Sieben ehrenamtliche Crewmitglieder sind an Bord.  Um 2:40 Uhr morgens treffen sie am Einsatzort ein, etwa 44 Seemeilen östlich von Orkney. In der RNLI-Meldung heißt es weiter: „Das freiwillige Besatzungsmitglied Graeme Spence wurde beauftragt, an Bord der Yacht zu gehen, um den Zustand der Seglerin zu beurteilen.“ Das gefährliche Übersteigen gelang im Schein des starken Suchscheinwerfers. 

Spence untersuchte die Frau, und schließlich wurde beschlossen, sie nicht von ihrer Yacht abzubergen. Ihr Zustand ließ die Operation im schweren Seegang nicht zu. Was genau das Problem war, ist nicht bekannt. Es ging offenbar eher um einen Erschöpfungszustand als um schwere Verletzungen, die sofort hätten behandelt werden müssen. Spence verblieb an Bord und half dabei, eine Schleppverbindung zum Kreuzer herzustellen.

Das RNLI-Rettungsboot Roger and Joy Freeman lief in Kirkwall Harbour aus, um der Seglerin zu helfen. © RNLI/Graham Campbell

Die Yacht wird nach dem gut siebenstündigen Einsatz um 8:39 Uhr morgens im Hafen von Kirkwall Marina festgemacht. RNLI-Mann Taylor Gibson erklärt: „Dies war ein anspruchsvoller Einsatz, da wir unsere Rettungsmission im Dunkeln begannen und die See sehr rau war. Ich war wirklich froh, dass wir die Verunglückte und ihr Boot sicher in den Hafen und die Marina von Kirkwall zurückbringen konnten. Wir blieben bei ihr, während sie wieder zu Kräften kam.“

Die Rettungsbootstation Kirkwall befindet sich in der schottischen Rettungsregion. Im Jahr 2024 wurden in Schottland insgesamt 36 Menschen von Rettungsbootbesatzungen gerettet, und weitere 881 Menschen wurden durch das mutige und selbstlose Handeln der freiwilligen Besatzungen unterstützt.

Das Kürzel RNLI steht für die Royal National Lifeboat Institution, eine gemeinnützige Organisation, die im Jahr 2024 ihr 200-jähriges Jubiläum feierte. Die RNLI ist wie die DGzRS in Deutschland auf Freiwillige, Spendenaktionen und Spenden angewiesen.

Ein Kommentar zu „Solo-Seglerin aus Seenot gerettet: Gefährliches Übersteigen bei 5 Meter hohem Wellengang“

  1. Jörn

    sagt:

    Einhandsegeln verantwortbar? Ich bin selbst schon 3x Silverrudder gesegelt. Nach 35 h ohne Schlaf nimmt die Leistungsfähigkeit des Menschen soweit ab, dass notwendiges Handeln wegen der hohen Erschöpfung kaum noch durchgeführt werden können. Je nach Wetterlage auch früher oder später.

    Trotz hoffentlich redundant ausgeführter Systeme für Energieversorgung und Selbststeuerungsanlage kann es zu Problemen kommen.
    Wenn dann nicht innerhalb weniger Stunden eon sicherer Hafen oder eine ruhige Wetterlage eintrifft, ist man als Einhandsegler auf Hilfe von außen angewiesen.

    Großen Dank an alle Seenotbretter, die oft auch ihre eigene Gesundheit risikieren, um anderen Seefahrenden zu helfen.
    Ich mag mir nicht vorstellen, wie es zugeht, wenn ein relativ kleiner Rettungskreuzer bei 5 m Welle neben einem Sportboot fahren soll, damit Retter zur Hilfsbedürftigen Person übersteigen können und dann auch noch den Havaristen abzuschleppen.

    Ich denke, dieser Fall zeigt, dass Doublehanded segeln oder in Crew eine Tour machen, die sicherere Variante ist.

    Einhandsegler vertrauen m.E. zu oft darauf, dass andere Rücksicht nehmen, aufmerksamer sind, und dann auch häufiger auf Hilfe von Außen vertrauen.

    Das Einhandsegeln in Form einer Regatta mit relativer Nähe der anderen Teilnehmer sehe ich weniger kritisch, da dort dein Konkurrent dein bester Freund u. Helfer sein könnte.

    Durch das Tracking in diesen Regatten hat auch der Ausrichter u.Angehörige viel mehr den Blick auf die Teilnehmer.

    See you next at Silverrudder, Vegvisir…..

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