SR-Porträt: Yachtdesigner Ed Dubois – von der Segeljolle zur Superyacht

„Ich war besessen von Booten“

Yachtdesigner Ed Dubois entwarf eindrucksvolle Superyachten wie die derzeit für 45 Millionen Euro zum Verkauf stehende „Ngoni”. Doch seine ersten Entwürfe waren Modellsegelboote.

Ed Dubois entwarf seine Yachten mit Papier und Bleistift © Jan Maas

Er hat es versucht. Kurz vor der Jahrtausendwende hatte Yachtdesigner Ed Dubois akzeptiert, dass er seinen Beruf nicht mehr ohne Computer würde ausüben können. Der Endvierziger belegte einen zehntägigen Grundlagenkurs. Am dritten Tag warf er das Handtuch. „Ich dachte, ich kann das nicht. Es interessierte mich einfach nicht“, erinnerte sich der Konstrukteur lachend, als wir ihn kurz vor seinem Tod vor fünf Jahren besuchten. Und deswegen stand auch später noch ein Zeichentisch in seinem Arbeitszimmer in dem restaurierten Bauernhof bei Lymington in Südengland.

Auf dem Zeichentisch lagen neben Bleistiften und Linealen Strakgewichte und Straklatten. Wenn Dubois an einem neuen Entwurf arbeitete, setzte er zwei schwere Gewichte an zwei gewünschten Punkten auf die dünne Latte. Dann bog er sie etwas in Richtung des dritten Punktes und fixierte sie mit einem dritten Gewicht. Und so weiter, bis die Gewichte die Latte in der gewünschten Kurve auf dem Papier festhielten. Wenn sie harmonisch aussah, also strakt, zeichnete er sie auf das Papier.

Doch vorher prüfte Dubois den Verlauf. Denn manchmal gab es Beulen. „Dazu bringe ich mein Auge auf das Papier. Wenn man eine Linie entlangpeilt, kann man sehen wie sie wirkt. Das geht an einem Bildschirm nicht. Außerdem arbeitet der Verstand, während die Hand die Linie zeichnet. Das macht mir Freude. Wenn man die Linie am Bildschirm zeichnet, bewegt man den Mauszeiger und klickt. Dann arbeitet der Computer für den Bruchteil einer Sekunde und der Verstand wartet. Das finde ich langweilig.“

Ed Dubois Designstudio in einem ehemaligen Bauernhof in der Nähe von Lymington in Südengland © Jan Maas

Trotzdem stand auf Ed Dubois’ Schreibtisch natürlich ein Computer. Ohne komplexe Berechnungen wären seine Superyachten zumindest in der Form nicht möglich gewesen. Neue Software revolutionierte ungefähr zur Jahrtausendwende das Yachtdesign. Seitdem lassen sich Lastverteilungen viel genauer betrachten und daher können tragende Strukturen auch genauer dimensioniert werden. Superyachten könne man auch ohne diese Software bauen, meinte der Yachtdesigner in unserem Gespräch, aber sie wären dann viel zu schwer.

So aber fällt der Fortschritt in der Konstruktionsweise zusammen mit verbesserten Materialien. Die moderne Kompositbauweise, die verschiedene Werkstoffe wie Carbon und Aluminium verbindet, erlaube es, Gewicht dort zu konzentrieren, wo es gebraucht werde. „Am besten wäre das ganze Gewicht in einem Golfball auf Höhe der Wasserlinie konzentriert und der Rest des Schiffs wöge nichts“, sagte Ed Dubois. „Das ist natürlich unmöglich, aber je näher wir herankommen, desto besser.“

Begonnen hatte Ed Dubois’ Karriere als Yachtdesigner mit deutlich kleineren Booten. Sein erster Entwurf 1976 hieß Borsalino Trois. Die Yacht gewann die britischen Ausscheidungen zum Dreivierteltonner-Cup. Der Neuling hatte einen extremen Leichtwindrenner konstruiert und Glück mit dem Wetter: Der Sommer war heiß und trocken, das Boot gewann jede einzelne Wettfahrt. „Hätten wir 1976 einen windigen Sommer gehabt, wäre ich vielleicht kein Yachtdesigner geworden“, sagte Dubois.

Halbmodelle einiger Dubois-Designs. Oben der Zweitonner Police Car, mit dem Australien 1979 den Admiral’s Cup gewann © Jan Maas

Beim Cup – der Weltmeisterschaft der Dreivierteltonner – hatte Borsalino Trois keine Chance: zu viel Wind. „Ich dachte, jetzt kann ich mich umbringen, aber ich hatte einen Eindruck hinterlassen.“ Dubois’ Durchbruch kam beim Admiral’s Cup 1979. „Den galt es zu gewinnen. Als ich segeln lernte, waren die vorherrschenden Designer Sparkman & Stephens aus den USA. Vielleicht noch Camper & Nicholson, aber das war’s. Dann kamen Doug Peterson und Ron Holland dazu. Wie sie wollte ich Olin Stephens schlagen.“

Dubois entwarf den Zweitonner Police Car. „Ich versuchte, die guten Leichtwindeigenschaften beizubehalten und den Rest zu verbessern.“ Er orientierte sich an Wave Rider, einem Halbtonner von Laurie Davidson. Und setzte eigene Akzente: Police Car hatte ein extrem niedriges Freibord und ein Fraktionalrigg – alle anderen Zweitonner waren toppgetakelt. Im Jahr der Fastnet-Katastrophe, als im Sturm 19 Segler starben, gewann Police Car mit dem australischen Team den Admiral’s Cup.

Inzwischen hatte Dubois bereits einen Auftrag von der britischen Serienwerft Westerly erhalten. Er sollte einen moderneren Nachfolger für das beliebte Modell Centaur entwerfen. Das Boot bekam den Namen Griffon 26 und schon bei seiner Vorstellung auf der Messe in Southampton 1978 verkaufte die Werft 80 Boote. Für jedes bekam der Designer 250 Pfund Lizenzgebühren. „Ich dachte, ich bin reich.“ Trotzdem konnte Westerly angesichts steigender Preise nicht die gewohnten Stückzahlen absetzen.

Schlepptankmodelle, Linienrisse und Bauzeichnungen dokumentierten die Arbeit, die in jedem einzelnen Entwurf steckte © Jan Maas

Doch in den folgenden Jahren zeichnete Ed Dubois noch 16 weitere Modelle für Westerly, außerdem weiterhin Rennyachten sowie Boote für andere Serienwerften. Sein 1977 gegründete Designbüro konnte sich tragen. Die Arbeit an den Rennyachten empfand der Konstrukteur als besonders hilfreich für das Design von Fahrtenyachten. „Sie sehen sich zwar nicht ähnlich, aber man lernt, wie Boote sich verhalten. Man lernt schmerzhaft, aber schnell eine Menge über Performance und Seetüchtigkeit.“

1985 erhielt Dubois den ersten Auftrag für eine Superyacht. Der Kunde war an einen Makler herangetreten, der einen illustren Kreis von Designern um Angebote bat: Ron Holland, Martin Francis, German Frers, Bruce Farr – und Ed Dubois. Der erhielt den Zuschlag, weil er dem Kunden so sympathisch war. Aquel II ging 1986 zu Wasser und prägte eine ganze Generation von Superyachten. Verborgene automatische Winschen und versteckte Lüfter ließen die Yacht stromlinienförmig und futuristisch erscheinen.

Der Decksalon erlaubte den Eignern, permanent mit dem Horizont im Blickfeld zu leben. Rückblickend meinte Dubois, dass Aquel II dazu beigetragen habe, Yachtdesign aus dem Blickwinkel der Architektur zu betreiben: „Es geht heute nicht mehr nur darum, ein Wasserfahrzeug zu entwerfen, sondern einen Lebensraum.“ Offensichtlich hatte Dubois diese Aufgabe überzeugend gelöst, denn Aquel II löste eine Reihe von Folgeaufträgen aus, die den Ruf von Dubois’ Büro als Superyachtschmiede begründeten.

Ed Dubois in seinem Arbeitszimmer © Jan Maas

Für Ed Dubois ist damit ein echter Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, denn er wollte schon als Teenager nichts anderes als Yachten entwerfen. „Ich war besessen von Booten“, sagte Dubois. Aufgewachsen in Surrey südwestlich von London ohne Zugang zum Wasser, übertrug seine Mutter ihre Liebe zum Meer auf ihn. Nach einem Besuch des Teeklippers Cutty Sark im National Maritime Museum im Londoner Stadtteil Greenwich begann der junge Ed Dubois, Modellsegelboote zu bauen.

Zunächst baute er nach Anleitungen, die in den einschlägigen Zeitschriften angeboten wurden, aber bald versuchte er sich an eigenen Entwürfen und ließ sie zum Beispiel auf einem Teich im Londoner Regent’s Park segeln. „Dort standen immer viele alte Männer, die gerne Tipps gaben“, erinnerte sich der Konstrukteur. Mit 13 Jahren durfte Ed Dubois dann 1965 auf die echten Boote umsteigen – seine Mutter hatte ihn in einem der typisch englischen Ferienlager angemeldet – aber in einem, wo er segeln lernen konnte.

Sechs Wochen wohnte er mit fünf anderen Jungen in einem von fünf Zelten an der walisischen Küste – insgesamt 30 Jungen. Für jedes Zelt war ein Student zuständig, den der Leiter, ein segelverrückter Professor, rekrutiert hatte. „Ein begeisternder Typ. Ihm verdanke ich meine Karriere“, urteilte Dubois. Von den sechs Jungs pro Zelt waren immer vier paarweise auf dem Wasser, während die restlichen beiden das Essen vorbereiteten. „Die einzige Regel lautete, dass wir auf dem Wasser Schwimmwesten tragen mussten.“

Ed Dubois’ Superyachten sind ebenso preisträchtig wie früher seine Rennyachten © Jan Maas

„Endlich hatte ich etwas gefunden, in dem ich gut war“, sagte Ed Dubois. Er war auf einer traditionellen britischen Schule mit Rugby- und Cricket-Mannschaft. Schon sein Vater und seine fünf Onkel waren dort zur Schule gegangen. An den Wänden hingen überall alte Mannschaftsfotos mit Familienmitgliedern. Nur Ed konnte weder mit Rugby noch mit Cricket etwas anfangen. Aber segeln, das konnte er. Und er begann es zu lieben: „Es ist ganz einfach: Wenn man etwas findet, das man kann, mag man es auch.“

Seine Eltern unterstützten ihn dabei. „Mein Vater wäre gerne Pianist geworden, aber dann kann der Krieg, als er 22 Jahre alt war. Als er zurückkam, hatte er zwei Brüder verloren und musste helfen, das Land aufzubauen. Das war eine traumatische Erfahrung. Er arbeitete dann in der Bekleidungsindustrie, um uns durchzubringen. Er hat seinen Job gut gemacht, aber er hat ihn nicht geliebt. Dafür hat er mir alle Freiheiten gelassen zu tun was ich wollte. Er sagte: Tu was Du liebst und das Geld wird kommen.“

3 Kommentare zu „SR-Porträt: Yachtdesigner Ed Dubois – von der Segeljolle zur Superyacht“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Ist das ein altes Portrait als Lückenfüller? Irgendwo abgeschrieben?

    Jan Maas kann Ed Dubois jawohl kaum selbst getroffen haben, denn der ist leider bereits vor 5 Jahren verstorben……das hätte man vielleicht erwähnen sollen. Wenn man es denn wusste.

    Mannmann, Segelreporter!

    RIP Ed.

    2
    10
    • avatar SegelReporter sagt:

      Steht im ersten Absatz 😉

    • avatar Typisch deutsch sagt:

      Hauptsache erstmal die Fresse weit aufgerissen obwohl man nicht mehr als die Überschrift gelesen hat. Typisch deutscher Forist der Andreas…. Nicht gönnen können, immer nochmal klug drauf scheissen… blöd nur, wenn man so offensichtlich daneben liegt.. gelle Herr Borrink.
      Ich find den Artikel jedenfalls toll und hab ihn gern gelesen. Danke an den Autor.

      7
      3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 − 2 =