Stephan Bodens Kolumne: Sollen Seekartendaten kostenlos zur Verfügung gestellt werden?

Argumentation mit starker Osmose

Seekarten für umme? Die Diskussion gibt es schon seit langer Zeit. Sie keimt immer dann auf, wenn es ein größeres Thema rund um Seekarten, Daten und deren Preise gibt. Das war in den letzten Tagen der Fall: es gab wieder so einen Keim. 

Sollen Seekarten kostenlos sein? Foto mit KI Hilfe generiert.

 

Hintergrund ist eine Initiative, die ich schon seit einer Weile in einem Online-Forum verfolge. Mit dem Projekt „freenauticalcharts.net“ ist plötzlich eine Plattform aufgetaucht, die digitale Seekarten kostenlos im Browser darstellt. Grundlage sind offene Datensätze staatlicher Hydrographiebehörden, vor allem aus Deutschland. Die Betreiber greifen auf offenbar frei verfügbare Vermessungsdaten auf dem BSH-Server zurück, bereiten sie mit Geoinformationssoftware auf und rendern daraus Karten, die sich online ansehen oder in Navigationsprogramme exportieren lassen.

Die Behörde vermisst die Küstengewässer, erstellt daraus die offiziellen Seekarten und stellt einen Teil der zugrunde liegenden Daten über Open-Data-Schnittstellen bereit. Dazu gehören unter anderem Tiefenpunkte, Seezeicheninformationen oder Küstenlinien. Diese Rohdaten werden im Projekt automatisiert heruntergeladen, in einem GIS verarbeitet und anschließend im Stil klassischer Seekarten gerendert. Am Ende entsteht eine digitale Karte, die im Browser angezeigt oder in Navigationssoftware exportiert werden kann. Technisch ist das durchaus interessant gelöst.  Datensatz einlesen, aufbereiten, Symbole und Linien nach nautischem Standard darstellen und daraus Kacheln für eine Webkarte erzeugen. Im Grunde entsteht so eine Art frei zugänglicher Plotter. Und zwar kostenlos. 

Ich hatte mich die gesamte Zeit gefragt, ob es gewollt ist und Absicht, dass Detaildaten, die sonst an kommerzielle Anbieter von Papierkarten und digitalen Seekarten verkauft werden, um damit einen Teil der Kosten zu decken, einfach so frei verfügbar gemacht werden. Vorstellbar war das für mich nicht. Aber es wurde gejubelt, von einem „Traum, der wahr wird“, gesprochen. Interessant, dass offenbar viele Menschen Träume haben, die sich um ca. 150 Euro im Jahr drehen.  

Freie Karten für freie Segler?

 

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2 Kommentare zu „Stephan Bodens Kolumne: Sollen Seekartendaten kostenlos zur Verfügung gestellt werden?“

  1. matthias

    sagt:

    Stephan, ich glaube, deine Argumentation geht am Kern der Sache vorbei.
    Öffentliches Geld – öffentliches Gut. Mit diesen Schlagworten lässt sich die Idee gut zusammenfassen. Wenn durch Steuergelder finanziert Daten erfasst werden, sollten diese zur öffentlichen Nutzung bereitgestellt werden. Was Ehrenamtliche dann daraus schaffen, und ob diese Karten einer sicheren Navigation dienlich sind, ist eine andere Frage.
    Die Daten aus Sicherheitsbedenken nicht bereitzustellen, halte ich für vorgeschoben. Schließlich sind sie über kommerzielle Kartenanbieter zugänglich. Ich nehme an, der Feind kann sich ein Orca-Abo leisten. 😉

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    1. Moin Matthias. Schöne Diskussion.
      Ich halte die Idee, alle durch Steuergelder finanzierte Daten grundsätzlich frei verfügbar zu machen, allein schon wegen der politischen Lage für bedenklich.
      Frag mal in Schweden nach. Die halten ihre Vermessungsdaten gerade sehr zurück.
      Abgesehen davon: ich hab gerade neue Papierkarten bestellt. Das kostet weniger als einmal im Verbrenner den Tank voll zu machen. Für ein Jahr. Ich verstehe die Aufregung um die Kosten nicht. Hab ich noch nie. Da kannst Du hier lange zuruckspulen. Darüber hab ich schon 2024 geschrieben.

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