Streiflicht: Die Quest-Crew wurde von Piraten ermordet. Röttgering nimmt Stellung

Piraten. Täter oder Opfer?

Vergangene Woche wurde die unter US Flagge segelnde Yacht Quest von somalischen Piraten im Indischen Ozean mit vier Seglern an Bord gekapert. Der Fall ist mir unter anderem deswegen nahe gegangen, weil ich das Skipperpaar Jean und Scott Adam kannte. Während meiner Weltumsegelung war ich 2002 bei ihnen einen Abend am Ankerplatz in Tahiti zu Gast an Bord.

Meine Hoffnung, dass die Crew der Quest nach Zahlung eines Lösegeldes frei kommt, hat sich nicht erfüllt. Alle vier Segler sind tot – offenbar von den Piraten erschossen. Wenigstens konnten die Piraten von der US-Navy gefasst werden, wobei es zu weiteren Toten kam.

Mehr dazu hier. Wie in einem anderen Fall, in dem ein somalischer Pirat in den USA zu über 30 Jahren Haft verurteilt wurde, ist davon auszugehen, dass die jetzt gefassten Piraten vor Gericht gestellt und bestraft werden. Das ist richtig so.

Es gibt aber auch Menschen, die der Ansicht sind, dass somalischen Piraten nicht Täter sind, sondern Opfer. Und zwar Opfer gesellschaftlicher Umstände, für die der Westen die Verantwortung trägt.

Dieser Ansatz folgt dem gutmenschlichen Erklärungsmodell, dass soziale Verlierer und Kriminelle grundsätzlich Opfer der Umstände sind, die die herrschende Klasse zu verantworten hat. 
Im Fall der Piraterie in Somalia versucht dieses Flugblatt hier zu erklären, warum die somalischen Piraten eigentlich nicht vor Gericht gehören. Rhetorisch wird dort gefragt:

„Eine erste der vielen offenen Fragen lautet, ob der Vorwurf des Angriffs auf den Seeverkehr sowie versuchten erpresserischen Menschenraubs gegenüber diesen Menschen, die zum Zeitpunkt Ihrer Festnahme zum Teil völlig unterernährt und Minderjährig waren, tatsächlich schwerwiegender ist als der Vorwurf der Ausbeutung Afrikas durch neo-kolonialistische Länder.

Ist institutionalisierter Diebstahl nicht viel schlimmer als Mundraub? Ist die Piraterie vor Somalia nicht eine Überlebensstrategie und eine Selbstverteidigung gegen das grenzenlose Freibeutertum der Großkonzerne und gegen die Interventionen der westlichen Mächte?“

ONSAILCTM
Folgt man dem Flyer, soll das Piratenunwesen seinen Anfang genommen haben, nachdem der Internationale Währungsfonds die somalische Wirtschaft durch seine Politik zugrunde gerichtet hat. Dies soll den Zusammenbruch staatlicher Strukturen zur Folge gehabt haben, was wiederum dazu geführt hat, dass in den somalischen Gewässern illegale Fischer aus den Industrienationen die Bestände dezimieren konnten.

Die dadurch brotlos gewordenen somalischen Fischer verdingen sich quasi in einem Akt der Notwehr als Piraten. Und wer will es diesen armen Fischern verdenken, dass sie sich wehren und “die reichen Westler” bestehlen, um sich selber zu versorgen? So die zynische Logik des Flugblattverfassers.

Es wird ausgeblendet, dass dabei Menschen ums Leben kommen, Schiffsbesatzungen gefoltert werden, die Piraterie auch weit außerhalb der somalischen Hoheitsgewässer stattfindet und dass die gezahlten Lösegelder keinen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der Situation in Somalia leisten.

Das betrifft auch den Umstand, dass es mit den Frachterbesatzungen und Yachtseglern Menschen trifft, die mit Sicherheit nichts für die Situation in Somalia können. 
Zudem ist mir schleierhaft, warum die Ahndung von in internationalen Gewässern begangenen Verbrechen Postkolonialismus sein soll, wie im Flugblatt behauptet wird.

Es hat nichts mit Postkolonialismus zu tun, wenn die Industrienationen dafür sorgen wollen, dass die Hohe See frei von Piraterie ist. Seit Jahrhunderten ist es anerkanntes Völkergewohnheitsrecht, dass Staaten gegen Piraten auf hoher See gewaltsam vorgehen können.

Regelrecht weltfremd erscheint mir die Aussage des Flugblattes, dass es bei der somalischen Piraterie darum geht, „den Reichtum auf der Welt gleichmäßiger zu verteilen“. 
Es würde mich wundern, wenn dies der formulierte Anspruch der Piraten wäre, die bei ihren Raubzügen wohl weniger an eine gerechte Welt, als an persönlichen Reichtum denken.

Dass es Menschen in Deutschland gibt, die die Piraterie im Indischen Ozean als Aufbegehren eines unterdrückten Volkes gegen den ausbeuterischen Westen romantisieren, halte ich insbesondere vor dem Hintergrund der vier jetzt erschossenen Segler für menschenverachtend.

Wenn Yachtsegler das Opfer von Piraten werden, hört man gelegentlich das Argument, dass die Opfer ja nicht in diesen Gewässern hätten segeln müssen und sie insofern für ihr Schicksal selber verantwortlich seien. Wer so argumentiert, muss auch der Meinung sein, dass eine Frau, die nachts alleine durch den Park geht, schuld an ihrer Vergewaltigung ist.

Dem ist nicht so. Das Opfer einer Straftat bleibt ein Opfer, auch wenn es sich freiwillig in eine die Tat begünstigende Situation begeben hat.

Der aktuelle Vorfall im Indischen Ozean beschäftigt mich auch aus dem Grund, weil ich vor fast 20 Jahren selber mit dem Thema Piraterie konfrontiert worden bin. Damals war ich als Crew auf einer Yacht vor der kolumbianischen Küste unterwegs.

Zu dieser Zeit machten unter Seglern Geschichten von Überfällen auf Yachten in diesem Seegebiet die Runde. 
Mein Skipper hatte aus diesem Grund vor der Fahrt eine Pistole, eine Schrotflinte eine Winchester und ein halbautomatisches Gewehr besorgt. Die Devise meines Skippers lautete damals: “Der erste Schuss zwischen die Augen, der zweite zur Warnung”.

Nach mitteleuropäischem Rechtsverständnis ist dies wohl kein vertretbarer Ansatz zur Ausübung der Notwehr. Aber die Angst um das eigene kleine Leben verschiebt die Maßstäbe dessen, was man zu seinem eigenen Schutz tun würde, schnell.

Dieses Gerede von Angemessenheit der Notwehr und den gesellschaftlichen Ursachen von Kriminalität wird zur Makulatur, wenn einem die Angst im Nacken sitzt und im Notfall keine Hilfe zu erwarten ist. Ich hätte jedenfalls keine Hemmungen gehabt zur Waffe zu greifen. Zum Glück ist es dazu nicht gekommen.

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Uwe Röttgering

… der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert – ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.

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26 Kommentare zu „Streiflicht: Die Quest-Crew wurde von Piraten ermordet. Röttgering nimmt Stellung“

  1. avatar Bla sagt:

    Die Wahrheit ist wohl wie immer grauschattiert, statt schwarz wie hier oder weiß wie im Flugblatt. Dass Industriestaaten ihr Steinchen zum Elend der Bevölkerung beigetragen haben, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Dass die aussichtslose Situation der Fischer die Hemmschwelle zu solchen Taten senkt ist wohl auch klar und wenn dann so ein gigantischer Eimer wie die Quest mit allem erdenklichen und für die Fischer unerreichbarem Luxus vorbei kommt, wird halt vom einigen Kriminellen zugegriffen. Dass dies rechtlich nicht in Ordnung ist und der Tod von Menschen sowieso nicht, ist klar, doch ich finde, Du argumentierst hier aus der Sicht des luxusverwöhnten Europäers. Wären wir unter den Bedingungen der Fischer aufgewachsen, mit Bürgerkrieg, Hungersnot, Wertlosigkeit des Lebens, käme uns Dein Artikel vermutlich wie der letzte Hohn vor.

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    • avatar Uwe sagt:

      Natürlich wirken die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen diese Leute aufwachsen, begünstigend auf die Bereitschaft Pirat zu werden – keine Frage. Ich wehre mich aber gegen die Ansicht, dass die Leute nicht als das zu behandeln sind, was sie sind: nämlich Schwerkriminelle. Ich finde es auch nicht angemessen, dass der Westen in moralische Geiselhaft für alles Elend in der Welt genommen wird. Dies entbindet Menschen und Gesellschaften in den Ländern der “3. Welt” davon, Verantwortung für sich selber zu übernhemen. Und damit ist am wenigstens den Betroffenen geholfen. Siehe dazu hier: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1020840/

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  2. avatar Ralf sagt:

    Armut ist schlimm, vor allem wenn existenzielle Bedürfnisse wie sauberes Trinkwasesr und ausreichende Nahrung nicht mehr gewährleistet sind.

    Aber kann das als Begründung für Piraterie dienen? Wer organisiert die Piratenangriffe und wer führt sie durch? Sind das wirklich die armen Menschen in Somalia, die Ihren Familien Nahrung beschaffen müssen? Oder handelt es sich um mafiöse Strukturen, denen es nur um die Bereicherung geht, die mit Massanzügen Kontotransaktionen aus London auslösen und dann den Befahl zur Freilassung der Crews geben? Ich glaube einfach nicht, dass sich der arme Fischer, der durch westliche Überfischung seine Existenzgrundlage verloren hat, sich auf hohe See begibt und dann mit Raketenwerfern Schiffe angreift. Ich denke vielmehr, die Chefs der kriminellen Banden verstecken sich hinter den Argumenten und finden in der armen Bevölkerung willige Helfer. Dabei geht es nicht um Hilfe der Armen sondern um das Füllen der eigenen Taschen.
    Genau wie in der Geschichte Italiens hilft die Mafia nicht der armen Bevölkerung, sondern saugt sie erst richtig aus und zerstört jeden Funken auf Hoffnung, die Zustände zu verbessern.

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  3. avatar Sven sagt:

    Natürlich ist es schrecklich was diesen menschen ,aber nicht nur den Somalischen ,sondern allen Menschen überall auf der Welt durchmachen müssen die in solchen oder ähnlichen verhältnissen leben müssen.
    Die frage ist was man selbst in dieser situation machen würde.
    Und von diesem hohen Roß auf dem wir uns als menschen der sogenanten 1.Welt ist es leicht zu urteilen dass das was diese Menschen machen kriminell ist und verboten und bestraft gehört!!

    Nun ist es aber so das die Merzahl der sogenannten Piraten , ferngesteuert- benutzt werden teils von eigenen Landsleuten die selbst das leben in der “1.Welt” geniessen mit den Gelder die die Piraten für sie erpressen.
    Finanziert und mit Drogen versorgt riskieren die Somalischen Piraten ihr leben in der hoffnung auf ein besseres!
    Man wird die Piraten nicht aufhalten können, es ist ihre einzige hoffnung dem Ehlend entrinnen zu können. Gäbe es andere wege ,ohne das eigene Leben aufs Spiel zu setzen ,sie würden ihn gehen !
    Diese leute ,die im hintergrund die Fäden ziehen müssen gefasst werden!

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  4. avatar Klaus Meier sagt:

    Lasst uns zu diesen linken in Ihre warmen Häuser, sie überfallen und ausrauben.

    Klaut Claudia Roth ihre Kuscheldecke!

    Auch ich bin arm. Das meine Ausrede dafür das ich letztens falsch geparkt habe.

    “Die erste Kugel zwischen die Augen, die zweite zur Warnung”

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

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  5. avatar Bill sagt:

    Ich bleibe dabei: Du bist mit Abstand das Dümmste was segelreporter.com zu bieten hat.
    Wenn dich der Tod deiner Bekannten so sehr tangiert solltest du dir wenigstens verkneifen solch inhärent schwachsinnige Beiträge auf einer Seite die einen gewissen journalistischen Anspruch hat zu veröffentlichen.

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  6. avatar Robert sagt:

    Lieber Uwe, auch wenn ich deine Kommentare sonst sehr schätze: das ist doch eine sehr deutsche Sicht.

    Ich bin mir sicher: zumindest ich wäre als Somalier ebenfalls Pirat geworden. Dass das strafbar und verwerflich sein mag – geschenkt. Aber immer noch besser als zu verhungern oder Mitglieder der eigenen Familie verrecken zu sehen.

    “Der erste Schuss zwischen die Augen, der zweite zur Warnung.” Lustig!! Wenn die Somalier in einem faktisch nicht existenten von unserem moralischen Verständnis abweichen, dann sind das “Verbrechen”. Wenn wir aber in schreckhaften Situationen lieber “auf Nummer sicher gehen” und “die Angst um das eigene kleine Leben” die “Maßstäbe schnell verschiebt”, dann ist das selbstverständlich was anderes?

    Nein, ist es nicht. Höchstens bigott.

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  7. avatar Jürgen sagt:

    Die Denke von dem Robert kann man nur als abartig bezeichnen. Piraterie und damit Mord “mag” nicht strafbar und verwerflich sein, sondern IST es. Würde dieser Robert auch noch solche abstrusen Gedanken haben, wenn einer seiner Familienangehörigen von den somalischen Verbrechern umgebracht würde?Gleiches gilt auch für die Verfasser des Flugblattes, ein Verein namens “Karawane” mit Sitz in Bremen (typisch), der schon eng am Tatbestand der “kriminellen Vereinigung” vorbeischrabt.

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  8. avatar Uwe sagt:

    Hier noch ein Lesetipp: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,747348,00.html

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  9. avatar Hurghamann sagt:

    Ich kann sowohl den “Sozialromantikern” als auch der “Rübe ab Fraktion” die ausgezeichnete Untersuchung von Stig Jarle Hansen “Piracy in the greater Gulf of Aden” unter
    http://en.nibr.no/uploads/publications/26b0226ad4177819779c2805e91c670d.pdf
    zur Lektüre empfehlen.
    Ich habe in Bezug auf die Piraterie, deren Ursachen und Organisation noch nichts gelesen was sich eigehender und differenzierter mit der Thematik auseinandersetzt. Zum einen gründlich mit den Vorurteilen der ach so verhungernden Somaliern in einem angeblich nicht funktionierenden Staat aufräumt aber auch u.a. die unrühmliche Rolle unserer spanischen Freunde bei illegaler Fischerei beleuchtet.
    Englischkenntnisse notwendig.
    -lest und dann diskutieren wir weiter-.

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  10. avatar Immanuel sagt:

    Lieber Uwe!

    Der Umstand, dass Du es vorziehen würdest potentielle Feinde zuerst zu erschießen und dann zu Ihren Absichten zu befragen, stellt, die in dem “Flyer” ausgeführten Zusammenhänge zwischen “Piraterie”, Armut, Reichtum und Weltwirtschaftsordnung nicht in Frage.

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  11. Auslöser der Piraterie waren tatsächlich die europäischen Raubfischer vor der Küste Somalias, der Bürgerkrieg, Armut und Hunger. Aber das ist doch unterdessen Folklore. Heute sind das hoch effizient organisierte Kriminelle, die vollkommen skrupellos Millionenumsätze machen, Seeleute verschleppen (zur Zeit etwa 700), systematisch foltern, töten. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, schaut euch mein Blog an: http://piraten.tumblr.com/ und/oder lest mein neues Buch Piratenterror http://www.delius-klasing.de/buecher/wassersport/segeln/unterhaltung/erlebnisberichte/Piraten-Terror.21614.html

    Gegen Piraterie hilft nur konsequentes Vorgehen der Ordnungsmächte. Das heißt: vessel protection teams an Bord der Schiffe, Küstenwache vor Somalia, internationale Ächtung von Lösegeldzahlungen. Mit Kriegsschiffen und Marines in der Gegend herumfahren, die nichts machen können, außer vorbeizukommen, wenn es zu spät ist (siehe QUEST), nützt nichts.

    @Hurghamann – Die Studie ist aus Norwegen ist prima – wenn man sich für die aktuelle Geschichte der Piraterie interessiert. Sie stammt aus dem Jahr 2009 und verwendet als aktuellsten Stand der Dinge das Jahr 2008. Aber mit dem, was heute im Indischen Ozean passiert (Mutterschiffe, Lösegeldindustrie) hat sie nichts mehr zu tun.

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    • avatar Hurghamann sagt:

      Du hast recht, taufrisch ist die Studie nicht, mein Verweis auf die Selbe war in erster Linie gegen die unerträglichen Verständnissheuchler für Mord und Totschlag gerichtet. Das deren Argumentation nicht tragfähig ist belegt die Studie meiner Ansicht nach zu genüge.
      Dass leider dieser Geschäftszweig in den letzten 3 Jahren eine beispielhafte Professionalisierung erfahren hat ist eine Herrausforderung der wir uns stellen müssen.

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  12. avatar Manfred sagt:

    Ich empfehle erstmal g r ü n d l i c h den Röttgering zu lesen und sich ausreichend zu informieren bevor man hier Mitleid mit Mördern, Erpressern, einfach gesagt mit Seeräubern hat und dazu auch noch den Autor oder andere Kommentatoren beschimpft. Mit kuscheln und Gutmenschentum ist im betroffenen Gebiet leider nichts mehr zu erreichen. Vielleicht habt ihr mitbekommen wie die “Seeräuber” inzwischen bewaffnet und organisiert sind. Allein die Prisen dieses Jahres haben ihnen z.B. Speedboote und Yachten (durch aufbringen der “MS Beluga sowieso”) zur Tarnung, für größere Reichweiten usw. gebracht. Mutterschiffe mit großen Reichweiten sind den Taiwanesen geklaut. Wissen wir ob die Mannschaften noch leben? Da muss die internationale Gemeinschaft schnellstens ran. Da aber auch im Bundestag lieber ausführlich über Plagiate diskutiert wird, als über die Sicherheit und das Leben deutscher Seeleute und Soldaten (OK, weit hergeholt aber doch ein Aufregerthema) sehe ich derzeit vielleicht nur die Russen in der Lage einen Gegenpol zu den Verbrechen im Indic herzustellen. Dabei wäre es durch Überwachung der Geldströme und Verfolgung der Drahtzieher, durch abschotten der Häfen (man, wie einschüchternd wirkt so eine Riesenfregatte oder gar ein Flugzeugträger vor diesen Schlupflochhäfen) um Nachschub an Personal und Proviant zu unterbinden Just my 2¢.

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  13. avatar Verena sagt:

    arme fischer? für mich sind diese piraten 2.0 kriminelle, deren verhalten durch nichts zu rechtfertigen ist.

    glaubt denn jemand, dass die herrschaften erpresste lösegelder robin-hoodlike an die armen seelen an land verteilen? also, ich nicht…

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  14. avatar Peter sagt:

    Piraten, Piraten, wahrscheinlich ist diese Bezeichnung einfach zu sehr romantisiert. Selbst Seeräuber hat nicht unbedingt eine negative Konotation. Ich bin aber entsetzt, dass hier offenbar einige sich nicht von dieser (Hollywood)-Besetzung der Begriffe lösen können. Danke Manfred und Michael für die sachliche Klarstellung der Tatsachen.

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  15. avatar Christian sagt:

    In dieser Diskussion hier geht einiges durcheinander.

    1) Die Piraterie nicht nur vor Somalia ist ein knallhartes, brutalisiertes Geschäft. Die Piraten selbst sind indes oft angeheuerte Söldner aus der Armutsbevölkerung, die bei ihrem Job oft genug selbst ihr Leben lassen. Wenn sie töten, sind sie Täter. Aber sie sind auch Opfer der Verhältnisse. Diese komplexe Realität überfordert offensichtlich so manches Analyseraster.

    2) Der Westen hat, nachdem er ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung für die politische und soziale Misere in Somalia trägt, nicht mehr zu bieten als militärische Pirateriebekämpfung. Diese wirkt oft nur eskalierend, wie im vorliegenden Fall, als die Ermordung der vier Entführten im Anschluss an einen Angriff durch US-Marine erfolgte. Ursachenbekämpfung sieht anders aus.

    3) All die Leute, denen es egal ist, wenn z.B. in Libyen mit deutschen Waffen Demonstranten zusammengeschossen werden, rufen nun nach hartem Vorgehen gegen die Piraten, die “unser” Recht auf Schiffahrt vor der der somalischen Küste unterminieren. Hier geht es nur um blankes Eigeninteresse; man möge sich bitte nicht auf moralische Werte berufen, das klingt wenig glaubwürdig. Ein besonders beeindruckendes Beispiel für die verbreitete Doppelmoral liefert der Chef der Beluga-Reederei Stollberg. Er fordert besseren Schutz der Schiffahrt (durch westliche Marine). Seine Schiffe wie z.B. die gekaperte Beluga Nomination lässt er indes unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahren, um ja keinen Cent zuviel Steuern zu bezahlen. Genau diese Sorte eigennütziger Moral sorgt für den schlechten Ruf des Westens, nicht nur in Afrika. Und liefert den Warlords die Scheinlegitimation für ihr ebenso eigennütziges Vorgehen.

    5) Das “Leben deutscher Seeleute und Soldaten” scheint einigen hier mehr wert zu sein als das von Somaliern. Genau darin liegt das Problem. Solange dieses Denken vorherrscht, darf man sich über den real existierenden Krieg vor der somalischen Küste nicht wundern; dieses Denken trägt nichts zu seiner Beilegung bei, sondern verlängert ihn.

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  16. avatar Klaus sagt:

    Wieder ein sehr guter Beitrag, Uwe.

    Sicher ist die Piraterie vor Somalier ursprünglich von Fischern ausgegangen, denen von Raubfischern aus Europa und Asien die Existenzgrundlage entzogen wurde.

    Nur heute ist das ganz anders, wie viele hier schon betont haben. Eine hochlukrative Industrie mit stinkreichen Hintermännern ist entstanden, die die armen kleinen Fischerlein benutzt und kommandiert. Und die mit jedem gezahlten Lösegeld mehr aufrüstet.

    Mir ist es unverständlich, wieso die dort operierenden Piraten-Mutterschiffe nicht aufgespürt und umgehend versenkt werden. Die Mittel dazu sollten wohl auf der internationalen Flotte vorhanden sein. Danach können sich kleinere Marineeinheiten vor die somalischen Häfen legen und jedes auslaufende Schiff auf Waffen kontrollieren. Wird die Kontrolle verweigert, dann siehe oben.

    Was mir stinkt, ist diese unentschlossene Herumfahrerei der eingesetzten Marinen.

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  17. avatar Dirk sagt:

    Fuer Kapitalverbrechen gibt es keine Rechtfertigung. Piraterie ist ein Kapitalverbechen; unabhaengig davon ob sie von armen Exfischern oder von skrupellosen Syndikatskrininellen veruebt wird.

    500 Jahre Piraterie sollte eigentlich hinreichend bewiesen haben das Piraterie nicht auf dem Wasser sondern nur auf dem Land zu bekaempfen ist.

    @Christian,
    die meisten Seeleute sind Philipinos, denen es trotz Job ausserhalb der Piraterie nicht viel besser geht als den Somaliern. Was haben die mit deutschen Ruestungsexporten nach Libyen zu tun?

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  18. avatar Christian sagt:

    @Dirk: Ja, den Phillipinos geht es nicht besser als den Piratensöldnern, eher schlechter. Und natürlich haben sie nichts mit deutschen Rüstungsexporten zu tun. Das war aber auch nicht mein Punkt.

    Worum es geht, ist Kritik an dem militärischen haudruff-Gehabe, das typischerweise von Leuten vertreten wird, die nur ihre eigenen oder das nationale Interesse im Kopp haben. Es geht auch nicht darum, Piraterie oder gar Mord zu verharmlosen. Es geht um politische und soziale Ursachenbekämpfung; und darin sind sich übrigens alle Qualitätsmedien jenseits der BLÖD-Zeitung wie auch alle Fachleute völlig einig.

    Und wenn der gelernte Jurist Uwe Röttgering hier den Staatsanwalt gegen die Piraten gibt, dann geben andere halt den (Pflicht-)Verteidiger. So ist das nun mal im Rechtsstaat, auch wenn es dem ein oder anderen Haudruff-Kopp lästig erscheint.

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  19. avatar Uwe sagt:

    Noch ein Lesetipp aus der NY Times: http://www.nytimes.com/2011/02/27/weekinreview/27pirates.html?_r=1&hp

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  20. avatar Dirk sagt:

    @Christian: Eine politische oder soziale Ursachenbekaempfung wird diesen Konflikt nicht mehr loesen. Wie weiter oben schon festgestellt wurde handelt es sich nicht mehr um die Exfischer, die dort agieren, sondern um mafiaaehnliche, schwerstbewaffnete kriminelle Vereinigungen, die Schiffe jeglicher Nationen ueberfallen werden solange ihnen nicht das Handwerk gelegt wird.

    Es macht natuerlich wesentlich mehr Sinn mit dem Staat Somalia in Kontakt zu treten und diesen in die Lage zu versetzen die Armut in den entsprechenden Gegenden zu lindern, als mit Kriegsschiffen umherzufahren, die entweder sowieso zu spaet kommen, oder kein entsprechendes Mandat haben. Nur das allein wuerde diese Piraterie nicht mehr beseitigen. Dafuer muessten die Leute gefasst werden, die sich daran grade eine goldene Nase verdienen und das moeglichst bevor sich deren Einfluss und Netzwerk soweit verzweigt hat wie das der Mafia.

    Daran das Leute ihre eigenen Interessen verfolgen kann ich erstmal nichts Negatives sehen. Im Falle der Seeleute ist das z.B. das Interesse daran zu ueberleben.
    Selbst im Fall des Herrn Stollberg sehe ich keine Doppelmoral. Der hat ein Geschaeft, bei dem es anscheinend legal ist seine Schiffe unter fremder Flagge laufen zu lassen und einen Firmensitz in der Bundesrepublik. Also fordert er von “seinem” Staat etwas zu unternehmen. Das ist zwar keine sympathische Haltung aber durchaus erlaubt. Den Absatz in dem er gesagt hat das es ihm Wurst waere ob in Libyen Demonstranten mit deutschen Waffen zusammengeschossen werden habe ich in der Presse nicht gefunden.

    Auch wenn der Text von Uwe Roettgering etwas sehr markig rueberkommt, so habe ich ihn so verstanden das er sich eher darueber aufregt, das in diesem Flugblatt Verbrecher als arme Schweine dargestellt werden. Die Tatsache das er von Beruf Jurist ist kann ich ihm verzeihen – jeder macht mal einen Fehler. 😉

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  21. avatar Christian sagt:

    @Dirk: Ursachenbekämpfung schließt die entschlossene Bekämpfung der organisierten Kriminalität mit ein. Diese operiert im wesentlichen von Land aus (z.B. in Kenia). Um sie zu bekämpfen, ist eine Fregatte eher wenig hilfreich. Bankenaufsicht, Korruptionsbekämpfung und viele andere wenig spektakuläre Dinge würden sicher mehr dazu beitragen, die Profitabilität der Piraterie zu senken, als das bloße Killen des Kanonenfutters (der Somalier), von dem es genug leider mehr als genug Nachschub gibt.

    Was das Flugblatt angeht: Moralische Empörung allein ist kein guter politischer Ratgeber. Die Empörung als solche ist allerdings verständlich. (beides trifft auch auf Uwe Röttgerings Kommentar zu).

    Es sind übrigens nicht nur spanische Trawler, die Afrikas Küstengewässer leergefischt haben und die aus manchen Fischern eine gewaltbereite Elendsbevölkerung gemacht haben.

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  22. avatar Sabine sagt:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,748240,00.html

    Jetzt werden sogar Kinder als Geiseln genommen.

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