Theater um Timmy geht weiter: Kontroverse Premiere auf der Bühne

„Ich liege schon im Sarg drin – jetzt kommt mein Bruder Hartwin“

Während sich Hartwig auf den Spuren von Timmy entlang der deutschen Ostseeküste bewegt, sorgt die Theaterproduktion „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ für Diskussionen. Der Buckelwal wird zur Christusfigur, aus der Rettungsaktion eine Passionsgeschichte. Was die Mischung aus Dokumentation und Satire aussagt.

Bericht über „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ im Ernst Deutsch Theater (Video) © Hamburg Journal

(Direkter Video-Link)

Die Premiere des Theaterstücks „Timmy – Die Hope stirbt zuletzt“ im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater hat weit über die Theaterwelt hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Inszenierung über den gestrandeten Buckelwal wurde von den meisten Feuilletons positiv aufgenommen, löste aber auch kontroverse Debatten aus. Nach der ausverkauften Uraufführung steht inzwischen ein weiterer Aufführungstermin fest.

Dabei ist der Theaterabend mehr als eine Nacherzählung der dramatischen Wochen um den Buckelwal, dessen Schicksal im Frühjahr Millionen Menschen bewegte. Die Autoren Enrique Fiß und Alexander Klessinger beschreiben ihr Werk vielmehr als einen Abend „über einen Wal und über all das, was wir in ihn hineingelesen haben“.

Zwischen Messe, Satire und Gesellschaftsanalyse

Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass die Inszenierung provozieren will. Weihrauch zieht durch den Saal, auf der Bühne stehen Altar und Kreuz. Schauspieler in weißen Gewändern tragen einen Wal herein, der Priester eröffnet eine Messe für den „geliebten Buckelwal Timmy“. Später wird der Wal gekreuzigt, durch einen Fleischwolf gedreht, besungen und schließlich selbst zum Sprecher.

Ein Aufblas-Wal am Kreuz. © Ernst Deutsch Theater

Die Aufführung arbeitet bewusst mit christlicher Symbolik und überzeichnet sie bis zur Groteske. Originalzitate aus der Berichterstattung und den Pressekonferenzen werden mit Ritualen, Musik und Satire vermischt. Sogar das viel diskutierte Oster-Zitat von Umweltminister Till Backhaus wird eingeblendet und sorgt im Publikum für Lacher. „Wir stehen vor Ostern. Und ich bin evangelisch erzogen. Und Sie wissen, was Ostern ist. Da ist man in Gottes Hand. Und was mit Jesus passiert ist, wissen wir auch.“

„Warum eigentlich?“

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