Törnsegeln mit Kindern: Kleine Fluchten, große Abenteuer

Treibgut statt Playmobil

Soziale Kontakte mit den "Locals" für Kinder kein Problem – kommuniziert wird mit Händen und Füßen © draja

Soziale Kontakte mit den “Locals” für Kinder kein Problem – kommuniziert wird mit Händen und Füßen © draja

Christian: Dadurch, dass beide von „klein auf“ an die Situationen auf See gewöhnt sind, gibt es eigentlich nie „Angstmeldungen!“ Langeweile… ja, aber keine Angst.

Sandra: Ich bin eher die Ängstliche bei uns in der Familie.  Ich habe volles Vertrauen in die seglerischen Fähigkeiten von Christian und das überträgt sich auch auf die Kinder. Meine Ur-Ängste treten eher dann auf, wenn es richtig ruppig wird an Bord, ich fühle mich dann einfach unwohl, ich werde auch schnell seekrank – den Kindern ist das wie gesagt eher egal.

SegelReporter: Thema Sicherheit beim Segeln. Sind die Kids immer angeleint?

Christian: Wenn wir segeln, bleiben beide in der Plicht und da sind sie mit Schwimmweste unterwegs, permanent unter Aufsicht aber nicht angeleint. Wenn es kerniger wird, verabschieden sie sich freiwillig nach unten. Nach „vorne“ krabbeln oder laufen, während wir segeln, ist tabu, obwohl Helena durchaus damit liebäugelt.

Sandra: Helena müssen wir auch „anbinden“, wenn wir beispielsweise anlegen. Die Kurze will mir immer hinterher, und wenn ich dann auf dem Steg stehe und mich um die Festmacherleine kümmere, dann müssen wir da gewisse vorbeugende Maßnahmen treffen.

Bei wem isses am schönsten? © Draja

Bei wem isses am schönsten? © Draja

SegelReporter: Euren letzten Törn in der Karibik, entlang der „Kleinen Antillen“, habt ihr unisono als den schönsten bezeichnet…

Sandra: Ja, das war alles wie im Bilderbuch. Auch oder sogar ganz besonders für die Kinder.

Christian: Auf die Passatwinde war Verlass, ich brauchte mich nur ganz selten um die Wetterlage zu kümmern. Immer gleiche Richtung, immer 4-6 Beaufort. Die Navigation dort ist eher simpel – zumindest verglichen etwa mit den Stockholmer Schären. Dann alle paar Tage eine neue Ankerbucht, ein neuer Strand…

Sandra: Maximilian war aus dem Wasser kaum noch rauszukriegen. Er entdeckte die Natur auf eine für ihn völlig neue Weise. Nach dem Ankermanöver ging’s im Dinghi meistens rüber zum Strand, und dort spielten die beiden dann stundenlang.

Christian: Die buddelten Burgen und spielten wirklich mit Treibgut, bauten sich ihre eigenen Fantasiewelten. Übrigens meistens gemeinsam mit einheimischen Kindern – Kids sind doch so herrlich unkompliziert mit ihren sozialen Kontakten. Die tollsten Sachen kamen da zustande – Motto: Treibgut statt Playmobil.

Nein, hier wird nicht… – Max checkt lediglich die letzten Fundstücke vom Strandgang © Draja

Nein, hier wird nicht… – Max checkt lediglich die letzten Fundstücke vom Strandgang © Draja

Sandra: Es war wirklich erstaunlich, wie schnell die Kinder ihre gewohnte Welt hinter sich ließen. Beide waren sichtlich entspannter. Wir hatten kaum Spielzeug auf dem Schiff und gar keines am Strand. Sie beschäftigten sich wirklich immer mit der Natur: Wellen gucken, Delfine neben dem Schiff, Inseln anpeilen, Schildkröten und und und…  Aber umgekehrt klappt das auch: Wir segelten etwa zwei Wochen lang parallel mit einer Chemnitzer Familie, die mit ihren gleichaltrigen Kindern auf Langfahrttörn für zwei Jahre auf ihrem Katamaran unterwegs sind. Die hatten richtig viel Spielzeug dabei… und einen riesigen Fernseher. Ratet mal, wohin unsere Kids nach dem Ankermanöver gleich wollten?

SegelReporter: Mal anders rum gefragt: Wie war das denn für die Eltern – musstet Ihr Euch wegen der Kinder einschränken?

Christian: Eigentlich nicht. Da Sandra sowieso nicht so eine fanatische Seglerin ist, hätten wir auch zu zweit wohl selten längere Schläge gesegelt als mit Kindern. Doch, in einem Punkt mussten wir uns dann vielleicht doch „zurücknehmen“: Als wir in manchen Buchten lagen und an den Stränden gingen die wilden Partys ab – zu denen man nun wirklich keine Kleinkinder mitnehmen sollte – doch, doch, da wären wir gerne dabei gewesen.

SegelReporter: Habt Ihr Tipps für Eltern, die mit ähnlichen Törnideen „schwanger gehen“?

Christian und Sandra unisono: Einfach machen…  Vielleicht nicht gleich die „große“ Nummer durchziehen, etwa über den Atlantik oder so, sondern beschaulich, aber mit viel Zeit anfangen. Danach geht alles wie von selbst… für die Alten und die Jungen.

Manchmal sind die Landgänge eben doch das Tollste am Segeln © Draja

Manchmal sind die Landgänge eben doch das Tollste am Segeln © Draja

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Törnsegeln mit Kindern: Kleine Fluchten, große Abenteuer“

  1. avatar Backe sagt:

    Glückwunsch an die Drajas!
    Ich kann’s aus unserer Erfahrung heraus genauso unterschreiben: Machen machen machen … Drei Ausrufezeichen.
    Nicht ewig die jahrelange Weltumseglung planen – lieber sehen, dass man im Kleinen loskommt, ein paar mehr Wochen im Sommer, drei Monate oder ein halbes Jahr. Da ist man dann auch schon absolut in einem ganz anderen Universum. Zur Realisierung notfalls Elternzeit oder Erziehungsurlaub in Anschlag bringen … Wenn die Kid’s erst in der Schule sind, geht’s nämlich nicht mehr (so ohne weiteres).

    Und was die langen Strecken angeht: Für mich persönlich war es fast ein angenehmer Nebeneffkt, wenn ich ab und zu mit ein paar zornigen Kerls eine längere Überführungen von einem Revier zum anderen als kernigen Männertörn runterreißen konnte … Die Familie ist dann per Fähre oder Flieger nachgekommen und man tingelt gemütlich mit 15-20 sm – Etmalen von Bucht zu Bucht weiter.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 1

  2. avatar Jörg sagt:

    Mich haben Martin und seine Frau 2009? mit Kleinkind auf ner X79 im Hafen von Tunö mehr beeindruckt …

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 13

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