Trans-Mittelmeer: Yvan und Mathis Bourgnon auf Nacra F 20 – Rekordzeit unterboten?

Eine Minute schneller?

Eine Rekordfahrt, die es in sich hat(te): Vater und Sohn mussten sich durch Leichtwindzonen kämpfen, holten aber wieder auf. Jetzt geht es um Sekunden… 

Er kann und will es nicht lassen: Yvan Bourgnon, Schweizer Segel-Abenteurer (u.a. einhand in Etappen auf Strandkatamaran um die Welt, einhand auf Kat durch die Nordwestpassage), hat den Trans-Mittelmeer-Rekord in Angriff genommen. 

Gemeinsam mit seinem Sohn Mathis segelte Yvan die (theoretisch) 460 Seemeilen lange Strecke Marseille -Karthago auf einem Nacra F 20 „ungefähr eine Minute schneller als die bisherige Rekordzeit 1:18:58:19 Tage, aufgestellt von Vittorio und Nico Malingri vor zwei Jahren“, verkündete Yvan kurz nach der Zielankunft. 

Die Bourgnons sprechen von „ungefähr“, weil sie noch keinen Rekord proklamieren wollen (und können), bevor er nicht offiziell vom WSSRC „World Sailing Speed Record Council“ in Großbritannien bestätigt wurde. Die wiederum erst eine mitgeführte GPS-„Black Box“ auswerten müssen, die derzeit noch auf dem (Post)-Weg von Tunesien nach Großbritannien ist.  

Die Bourgnons waren schon wenige Stunden nach dem Start in Marseille in eine nicht vorhergesehene Leichtwindzone geraten, die sie um Stunden hinter den bestehenden Rekord zurückwarf. Eigentlich eine Situation, in der Rekordjäger meist umkehren, um auf eine neues, besseres Wetterfenster zu warten. Doch Vater und Sohn Bourgnon setzten auf eine sich abzeichnende Wettersituation mit stärkeren Winden weiter südlich, in der sie schließlich vier Stunden auf den bisherigen Rekord aufholen konnten. 

Besonders kniffelig und hektisch wurde es bei der Ankunft vor Karthago. Um die virtuelle Ziellinie zu erreichen, mussten die Rekordjäger einen wahren Slalom zwischen Felsen und Untiefen segeln. 

Bourgnon, Trans-Mittelmeeer

Nach 27 Jahren sind wieder zwei Bourgnons auf der Rekordstrecke zwischen Marseille und Karthago unterwegs © bourgnon

Yvan Bourgnon: „Wir hatten zwar einiges Pech mit unerwarteten Leichtwindzonen, aber im Gegenzug bis auf ein paar Kleinigkeiten keine nennenswerten Probleme mit dem Boot. Die modifizierte Nacra F 20 ist ein echtes Geschoss – damit lassen sich Rekorde jagen! Ich war ziemlich erstaunt über meinen Sohn, der ja noch kaum Hochseeerfahrung hat. Vor allem sein Schlafmanagement hat mich überrascht. Nach ein paar Minuten Nickerchen war er wieder voll auf der Höhe. Wir haben toll zusammen gearbeitet – vor allem in den letzten Stunden, als klar wurde, dass es um Minuten, vielleicht sogar Sekunden gehen wird, hat er ruhig Blut bewiesen.“ 

Es könnte noch den einen oder anderen Tag dauern, bis das WSSRC den Rekord bestätigt oder abwinkt. Für letztgenannten Fall wollen die beiden den Rekord noch in diesem Sommer erneut angehen. „Das ist zu packen!“ sind sich die Bourgnons sicher.

Zwei Bourgnons und der Mittelmeer-Rekord – das gab es schon mal: 1991 stellten Yvan und sein Bruder Laurent (kam vor 2 Jahren bei einem Tauchgang ums Leben) auf dem 60-Fuß-Trimaran „Primagaz“ bereits den „Trans-Mittelmeer-Rekord“ auf. Doch der hielt nicht lange – Florence Arthaud (starb bei einem Hubschrauber-Absturz) verbesserte nur wenige Tage später um 47 Sekunden! 

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Mittelmeer-Rekord-Segeln

© sat view

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Trans-Mittelmeer: Yvan und Mathis Bourgnon auf Nacra F 20 – Rekordzeit unterboten?“

  1. avatar Lacustre sagt:

    Yvan Bourgnon ist doch Schweizer, nicht Franzose.

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  2. avatar Michael Kunst sagt:

    Et oui, Lacustre, wurde doch geändert…

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  3. avatar addi sagt:

    Schön geschrieben wie immer, miku, danke!

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