29° Süd, irgendwo kurz vor Kap Leuwin: Guirec Soudée segelt mit dem Ultim MACSF gegen Wind und Strom um die Welt – und ausgerechnet auf einem der schnellsten Boote überhaupt heißt die Hauptdisziplin: Tempo runter. Der Trimaran bekommt harte, kurze Schläge ab. Aber nicht der Speedo zählt, sondern die nächste unbeschädigte Meile.
Guirec Soudée, 34-jähriger Bretone mit weltweiter Hochseeerfahrung auf Fahrten– und Ruderbooten, 2024/25 Vendée Globe-Finisher auf einem IMOCA von 2007 (ohne Foils) und derzeit unterwegs auf „seinem“ Ultim Trimaran MACSF, konnte sich während der vergangenen zehn Tage nicht gerade über Langeweile beklagen. Denn wer solo und nonstop von Ost nach West um den Globus segelt, gegen die vorherrschenden Meeresströmungen und globalen Windrichtungen, und sich durch die berüchtigten Bass Strait zwischen Tasmanien und Australien kämpft, wo bei dem Sydney-Hobart-Desaster 1998 sechs Segler starben, muss sich mit Wellen, Kreuzseen und Sturm herumschlagen – gegenan, von vorn’, voll „auf die Omme.“
Von wegen Max-Speed
Es ist schon paradox: Da segelt dieser neue Prototyp des Abenteurers zur See, dieser sympathische Tausendsassa der Meere auf einem der schnellsten Geräte, mit denen man derzeit die Ozeane absegeln kann. Und was macht Herr Soudée während der letzten Tage in fortlaufender Konsequenz? Er bremst sein Boot ab. Oder besser gesagt: Er muss Tag und Nacht seine Geschwindigkeit verringern, weil die Schwimmer seines Trimarans in einer höchst aufgewühlten, mitunter sogar kochenden See zu heftig in die Wellen krachen.

Soudée formuliert das so: „Alles, was von vorn auf dieses Boot einwirkt, geht bei der Struktur ans ‚Eingemachte‘. Die Vibrationen sind unglaublich, das ganze Boot zittert mitunter, als würde es gleich auseinanderbrechen. Ich fühle mich physisch schon sehr gefordert bei dieser Weltumseglung, doch die Hauptlast liegt eindeutig beim Boot: Was dieser Trimaran hier auszuhalten hat, ist irre. Und vielleicht kommt das Schlimmste ja noch im Indischen Ozean!“
Über lange Strecken segelten Mann und Boot ausschließlich mit dreifach gerefftem Großsegel. Alle Vorsegel eingerollt, gab es nur eine Maxime: Speedreduktion von 25-35 Knoten Fahrt in den (sehr seltenen) Passagen mit raumem oder sogar achterlichem Wind, auf nunmehr maximal 7-10 Knoten Geschwindigkeit. Was in etwa den durchschnittlichen Geschwindigkeiten entspricht, mit denen Ost-West-Rekordhalter Jean Luc van den Heede auf seinem Einrumpfer unterwegs war.
Auch er hatte 2003 in dieser Region mit großen Problemen wegen der Kreuzseen zu kämpfen. Doch wie er heute in kommentierenden Interviews beschreibt, die er regelmäßig französischen Segelmedien zur aktuellen Situation seines jungen Nachfolgers gibt, ist das „Stampfen“ seines Aluminium-Einrumpfers damals kaum vergleichbar mit dem Beben eines Ultim-Trimarans, wenn dieser mit hoher Geschwindigkeit in die Wellenberge brettert.

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