Umwelt: Megayacht-Designer segelt einhand „ohne alles“ Transat – Protest gegen Plastikmüll

Läuterung des Megayacht-Designers

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Nur das Meer, der Wind, die Sonne und das Boot. Sonst nichts © lenard/oossanen

Zuerst baute er Megayachten, die nicht gerade für ihre Umweltverträglichkeit bekannt wurden. Nun kämpft Dan Lenard für Umweltschutz und gegen den Plastikmüll in den Meeren. Ist das zu vereinbaren?

Es gibt Themen, über die kann man nicht genug berichten. Umwelt- und Meeresverschmutzung zählen genauso dazu wie Menschen, die sich vehement dagegen wehren. Aktivisten, die es nicht beim Reden und Lamentieren belassen, sondern die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Ganz egal, ob sich dabei um Strandsäuberungen handelt oder um ein Millionenprojekt wie Boyan Slats Ocean CleanUp. 

Umweltschutz als Leitmotiv

Speziell im Segelsport ist noch eine andere Kategorie von Aktivisten auszumachen, die immer häufiger in Erscheinung tritt. Solche Segler, die ihre Leidenschaft dazu nutzen, um auf den von unserer Zivilisation verursachten Niedergang der Ozeane aufmerksam zu machen. Menschen, die Projekte anstoßen, mit denen sie Außergewöhnliches in ihr Leben bringen und gleichzeitig auf Missstände aufmerksam machen.

Ganz egal, ob man nun Boote aus angespülten Flip-Flop-Schuhen baut, mit Umweltschutzorganisationen als Sponsor um die Welt regattiert oder sich einen lang gehegten Traum erfüllt. Und diesen wiederum unter ein umweltspezifisches Motto stellt. 

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Weg vom Pomp und Luxus, hin zum Essentiellen? © oossanen/lenard

Zur letztgenannten Kategorie zählt Dan Lenard. Der Mitbegründer der in der Superyacht-Szene fest etablierten, italienischen Design-Agentur Nuvolari-Lenard, hat gerade einen Einhand-Transatlantik-Törn der besonderen Art beendet.

Ohne Motor an Bord, ohne Energiesysteme wie Photovoltaik, Hydrogeneratoren, ohne Elektrik und somit ohne moderne Navigationshilfen oder Autopilot segelte er auf seiner 10-Meter-Yacht „Scia“ von Cadiz/Spanien in die Karibik. Das Ganze stellte er unter das Motto Meeresschutz. Er verdammte den Plastikmüll in den Meeren, warb für respektvollen Umgang mit der Natur und für den Schutz der Ressourcen. 

Blick hinter die Kulissen

Aha, könnte man jetzt wohlwollend sagen. Klasse Leistung, tolles Motto… Gratulation, weiter so. Doch sollte man bei Dan Lenard ein wenig hinter die Kulissen schauen. Dessen Agentur Nuvolari/Lenard zählt tatsächlich zu den erfolgreichsten Playern in der Superyacht-Szene. Fest verankert in den Mega-Projekten der Superreichen, hat sich Dan Lenard einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Die Designs und Risse seiner Agentur waren an Megayachten wie der 106 Meter langen Segelyacht Oceanco „Black Pearl“ genauso beteiligt wie an der neuen 136-Meter-Mega-Motor-Yacht „Redwood“, die derzeit in Norddeutschland gebaut wird. Auf Lenards „Konto“ gehen Dutzende Megayachten, die in den letzten Jahrzehnten die Cover der entsprechenden Superyacht-Magazine zierten und mehrfach in der Szene zum „Best of“ gekürt wurden. 

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Wie sehen eigentlich Öko-Aktionisten aus? © lenard/oossanen

Dies sind aber auch Yachten, die wegen einer ihnen anhaftenden Dekadenz heftig kritisiert werden, deren Pomp und Gigantomanie ihresgleichen suchen. Ganz zu schweigen von der unendlich erscheinenden Liste an Umweltsünden, die mit jeder dieser Mega-Yachten begangen werden. 

Nun sollte man Dan Lenard nicht gleich als Heuchler verurteilen. Vielmehr ist zu beachten, dass auf den Mann in der Superyacht-Szene offenbar gehört wird, sein Bekanntheitsgrad ist ausgesprochen hoch, sein Wort „gilt etwas“. Wenn nun so einer, der auf den 100-Meter-Luxus-Bratzen sozusagen zuhause ist, ein „Back-to-the-roots“ propagiert und diesem Aufruf auch noch beispielgebend vorauseilt, dann hat das schon einen gewissen Wert. Auch oder im Besonderen für den Umweltschutz. 

Tatsächlich können Menschen wie Dan Lenard dank ihrer großen Popularität in bestimmten Kreisen mitunter mehr bewirken, als man zunächst vermuten würde. Vor allem dann, wenn er glaubhaft ist, weil er mit gutem Beispiel voran geht. 

Recycling beim Wort genommen

So ist seine 10-Meter-Yacht, mit der er über den Atlantik cruiste, zwar vollständig aus dem nicht gerade für seine Umweltverträglichkeit bekannten Karbon gefertigt. Doch ist das Boot ein schönes Beispiel für gekonntes Recycling: Es wurde aus fünf unterschiedlichen, älteren Rennyachten zusammengestückelt, die in irgendwelchen Werfthallen oder auf Landliegeplätzen (sehr langsam) vor sich hingammelten. Rumpf und Deck wurden schon vor zehn Jahren für unterschiedliche Projekte produziert und hier zusammengesetzt. Nur das Deckshaus wurde neu gebaut. 

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Cooler, aus alten Booten zusammengestückelter Renner © ooossanen/lenard

Der Alumast ist ebenfalls 10 Jahre alt und lag ungenutzt irgendwo vergessen in einer Halle. Ruder und Kiel sind gebraucht und kommen von unterschiedlichen Booten.

Sogar seine Nahrung während des einen Monat andauernden Trips nahm Lenard konsequent ohne jegliche Plastikverpackung mit an Bord. Er wollte eben nicht weiteres Plastik in die Meere schmeißen oder europäischen Müll gen Westen schippern. 

Es versteht sich von selbst, dass einer wie Lenard nicht auf irgendeiner zusammengestückelten Schrott-Gurke sein ganz persönliches Abenteuer angehen möchte. So entstand ein Perfomance Cruiser mit Regatta-Beseglung, der nicht nur höchst ansehnlich dahersegelt, sondern auch noch im ökologischen bzw. nachhaltigen Sinne richtungsweisend sein könnte.

Edel-Sponsoren wie Mercedes Benz oder Ulysee Watches runden das Klischee ab. Ehrensache, dass dieses Boot seinen Einhandsegler auch ohne moderne Hilfsmittel für Navigation und Steuerung sicher und unfallfrei über den großen Teich brachte. 

Meer, Sonne, Wind – sonst nichts! 

Letztendlich erfüllte sich Dan Lenard einen Traum, der für einen Megayacht-Designer per se bereits ungewöhnlich ist: Auf einer relativ kleinen Yacht, nur mit dem Wind als Antrieb eine größere Strecke nonstop zu segeln. „Genau so, wie es schon vor 5000 Jahren die Seefahrer machten,“ schreibt er auf seiner (in Bezug auf seine Person) sehr zurückhaltend aufgebauten Facebook-Seite. „Nichts als Meer, Sonne, Wind und Sterne. Und eben mein Boot!“ 

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Nice to have – auch für Megayacht-Designer © lenard/oossanen

Bleibt abzuwarten, was Dan Lenard aus seinem Abenteuer macht. Wird und kann er seinen Einfluss geltend machen, und in Zukunft zumindest für etwas mehr Schutz der Ressourcen und weniger Plastikmüll in seiner Branche werben und sorgen? Bekanntlich sind es ja die kleinen Schritte, die uns mitunter unerwartet weit bringen. Dan Lenard könnte diesen Schritt mit seinem Sprung über den Atlantik gemacht haben. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Umwelt: Megayacht-Designer segelt einhand „ohne alles“ Transat – Protest gegen Plastikmüll“

  1. avatar Firstler sagt:

    Ich werde heute abend 4-6 Bier als Aktion gegen die Verschmutzung der Meere trinken und dabei auf jegliche Wegwerfartikel verzichten, indem ich das Bier aus einem wiederverendbaren Pfandfass und einem alten gebrauchten Bierglas konsumiere. Toll oder?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 2

  2. avatar Claus Harder sagt:

    OMG !
    Ich segel einfach nur so rum.
    Ohne nachträglichen Anspruch auf Vergebung meiner früheren Umweltsünden !
    Der Typ ist völlig unglaubwürdig, sonst bräuchte er auch keine Sponsoren.
    Perfektes Marketing !

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