Umweltschutz: Neubau einer recycelbaren Class 40 – exMini-Segler macht den Anfang

Stoff, aus dem die Träume sind?

Keni Piperol aus Guadeloupe hatte schon immer ein Händchen für den Bootsbau. Den er nun mit einem recycelbaren Verbundwerkstoff auf einem Class 40-Scowbug-Neubau revolutionieren will – PET-Flaschen und Elium

Keni Piperol vor den Werkshallen von Lalou Multi © piperol//FB

Bei SegelReporter haben wir ja schon oft über junge, talentierte Skipper berichtet, die in der Classe Mini ihre Karriere begonnen haben. Und wenn man es richtig betrachtet, gibt es eigentlich nur wenige “aktuelle“ Hochsee-Stars, die sich nicht ihre Hörner bei den Ministen abgestoßen haben. Geht man zum Beispiel durch die Reihen der letzten Vendée Globe-Teilnehmer, haben mehr als 75 Prozent in der 6.50-Meter-Klasse ihr Debut gegeben.
Ein weiterer Hoffnungsträger aus der Mini-Szene ist Keni Piperol. Der erst 24-jährige, leidenschaftliche Segler aus Guadeloupe hat bereits zwei Mini-Transats bestritten (2017: 4. von 25 Protos // 2019: 13. von 65 Serie) und hat für die kommenden Jahre ehrgeizige Ziele. Er will bei der Route du Rhum 2022 die hart umkämpfte Class 40 einhand aufmischen. 

Keni als Minist © breschi

Nun gibt es in der französischen Szene einige von diesen jungen Wilden, die nach einem mehr oder wenigen guten Debut in der Hochseeszene gleich meinen, sie können kraft Enthusiasmus und Engagement so ziemlich alles mit links erreichen. Doch Keni Piperol geht seine Ambitionen etwas anders an – indem er tatsächlich zukunftweisend handelt: Vor wenigen Tagen begann er mit dem Bau einer nahezu vollständig recyclingfähigen Class 40!

Den richtigen Mentor gefunden

Was schon in der Mini-Szene an dem jungen Guadeloupianer aufgefallen war: Piperol erledigte prinzipiell alle Arbeiten am Boot selbst. Auch schwierigere Reparaturen nahm der Minist grundsätzlich selbst in Angriff. Sein Interesse für den Bootsbau blieb nicht unbemerkt und vor einem Jahr wurde er in das Team des (in Frankreich legendären) Lalou Roucayrol aufgenommen. Dessen Werft „Lalou Multi“ ist seit vielen Jahren (wie der Name schon vermuten lässt) vor allem in der Trimaran-Szene bekannt. Als Skipper wurde er etwa Zweiter bei der Route du Rhum, Dritter und 2017 Erster bei der Transat Jacques Vabre, Zweiter bei der Transat Bakerly etc. 

Seit 2014 arbeitet Lalou Multi eng mit Arkema im Bereich Engineering, Forschung und Entwicklung von recycelbaren Verbundwerkstoffen zusammen. 

Kenis neue Class 40 ©

Vor allem die Mini-Fans werden jetzt aufhorchen: Arkema war das Unternehmen, das einen der  berühmt-berüchtigten Foil-Minis baute (Arkema3), der letztendlich aber bei der Mini-Transat nicht unbedingt auftrumpfen konnte. 

Was den Mini damals ebenfalls interessant machte: Erstmals wurde mit dem recyclingfähigen Harz Elium in einem Boot experimentiert. 

Elium ist ein Thermoplastharz von Arkema, das leichtgewichtig, kosteneffizient und vor allem wiederverwertbar ist. Verbundwerkstoffe, die aus und mit Elium hergestellt werden, eignen sich sowohl als Strukturteile wie auch zur Herstellung von Boots-Equipment oder „ästhetischen“ Teilen. Elium kann durch Pyrolyse oder pyrolytische Zersetzung von den anderen Verbundwerkstoffen getrennt werden. 

Beim Mini Arkema 3 wäre aber nach einer Pyrolyse nur das Elium wiederverwertbar. Der „andere“ Verbundstoff – in diesem Fall größtenteils Karbon – ist nach heutigem Technikstand nur bedingt recyclingfähig. 

Alle Verbundstoffe sollten recyclingfähig sein

Hier setzt Keni Piperol an. Nach einem Jahr als Volontär bei Lalou Multi baut er gemeinsam mit dem Lalou-Team nun eine Class 40, die vollständig recycelt werden kann. Das Boot wird aus einem Verbund von Elium und recycelten, geschredderten PET-Flaschen hergestellt. Beide Werkstoffe sind nach Trennung problemlos wieder in den Kreislauf zurück zu führen – Recycling par Excellence.

Die neue Class 40 ist eine LIFT 40, Version 2. Ein Schwesterschiff wird gerade – mit herkömmlichen Verbundwerkstoffen – in Caen gebaut. Das Boot gilt als Weiterentwicklung des Renners, der Yoann Richomme bei der Route du Rhum 2018 den Klassensieg bescherte. Wie nahezu alle Neubauten in der Class 40, wird auch Kenis Boot eine Scow-Bug-ähnliche Rundung aufweisen. Ein Scow-Bug bringt allerdings nicht nur höhere Geschwindigkeiten mit sich, sondern auch ein deutlich härteres „Aufsetzen“ auf der Welle. Soll heißen: Mit dieser Konstruktion wird der recycelbare Werkstoff aus Elium und PET-Flaschen gleich aufs Schärfste geprüft.  Doch Keni Piperol ist sich sicher, dass die Erfahrungs- und Forschungswerten von Arkema und Lalou Multi durchweg vertrauenswürdig sind. 

Die kürzlich von Lalou Multi gebaute Multi 50 bekommt von Keni das I-Tüpfelchen verpasst ©

Sieben Monate soll die Bauzeit der neuen Class 40 dauern. Danach folgt die übliche Prozedur aus Training, Trimmen, Solo-Qualifikationsmeilen und und und… 

Mit der Route du Rhum in die Heimat segeln

Das erste sportliche Ziel des jungen Gouadeloupaners ist die Route du Rhum 2022, die wie immer im Herbst des Jahres starten soll. Und – ganz nebenbei bemerkt – in Kenis Heimat enden wird. Keni Piperol weiß, dass hierfür die Vorbereitungszeit ausgesprochen knapp bemessen sein wird. Die RdR sei ja nur ein Anfang, schreibt er in den Sozialen Medien. Viel wichtiger seien Aufmerksamkeitswerte für den neuen, recycelbaren Verbundwerkstoff aus Elium und PET. 

„Ocean Racing muss jetzt so schnell wie nur möglich eine neue Richtung einschlagen. Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft dürfen gerade von uns nicht ignoriert werden!“ 

Worte mit einem gewissen Nachhall – bleibt zu hoffen, dass sich dieser neue Verbundwerkstoff und der angehende Class 40-Skipper Keni Piperol tatsächlich beweisen und etablieren können. 

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Michael Kunst

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