Wie schlägt sich ein neu gedachtes Navigationssystem in der Praxis? Welche Wünsche, Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge gibt es? Fünf Segler berichten offen über ihre Erfahrungen mit Orca– vom Gelegenheitsnutzer mit Smartphone bis zum Segeltrainer mit umfangreicher Bordelektronik. Die Gespräche zeigen: Die Erwartungen an elektronische Navigation sind so unterschiedlich wie die Boote und Reviere, auf denen gesegelt wird.

Los geht es mit unserer Test- und Erfahrungsreihe, bei der wir fünf Segler über die Saison begleiten. Seit wenigen Jahren ist mit dem norwegischen Anbieter Orca Marine Navigation ein neuer Player auf dem Markt, der sich wie ein Lauffeuer unter Seglern herumsprach und immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Unsere Segler, die mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen das System nutzen – von der reinen Basis-Navi App Orca bis hin zur „kompletten Orca-Hardware – sollen berichten, wie sie die Navigation nutzen, was ihnen dabei gefällt und welche Verbesserungsvorschläge sie haben.
Hinweis: Diese Reihe wird von Orca unterstützt und daher als „Advertorial“ gekennzeichnet. Inhaltlich sind weder wir noch die Segler an Vorgaben gebunden. Jeder der teilnehmenden Tester ist völlig frei in den Aussagen, die ungefiltert wiedergegeben werden. Übrigens ist auch Orca an einem ehrlichen Feedback interessiert. Nachzuhören in unserem ungeschnittenen Podcast-Gespräch.
Jochen Lueg – Etap-Segler, Segel-App-Produzent und Hosentaschennavigator

Jochen Lueg ist vielen Seglern durch seine Plattform segel-filme.de bekannt. Seit einigen Jahren ist er vor allem über die beiden Video-Kurs-Apps „Skipper Praxis“ und „SBF Videokurs“ bekannt. Gesegelt wird auf der „Belletap“, einer Etap 28i, mit der er seit fast drei Jahrzehnten unterwegs ist. Das Boot lag früher an der Ostsee, seit ein paar Jahren ist sie nun in der Nähe von Amsterdam beheimatet.
Orca nutzt Jochen seit etwa einem Jahr – allerdings bewusst minimalistisch: ausschließlich als App.
„Ich habe keinen fest installierten Plotter an Bord. Zu Beginn, als ich das Boot kaufte, hatte ich so ein GPS-Gerät, auf dem ich die Position ablesen und in die Seekarte eintragen konnte. Dann kamen die ersten Apps, und ich habe seitdem einfach mit dem Handy navigiert“, sagt er.
Früher lief darauf Navionics. Dann erfuhr er von Orca und sah vor allem in der Segel-Routing-Funktion einen wesentlichen Vorteil. Auf seiner mehrwöchigen Tour im vergangenen Sommer von Amsterdam bis an die Küste der Normandie konnte er Orca dann ausgiebig testen. Parallel lief immer noch das gewohnte Navionics mit, nach ein paar Tagen nutzte Jochen dann nur noch die Orca-App.
„Der entscheidende Faktor bei Orca ist für mich, dass du sofort ein Wetterrouting drin hast. In der Kombination Segelrouting unter Einbeziehung der Wetterdaten in dem Tidenrevier habe ich damit wahnsinnig gute Erfahrungen gemacht. Und das in der Basis-App mit allen Karten für 49 Euro!“ Die Polardaten der Etap 28i hat er in der App-Datenbank gefunden, die bootsspezifischen Eigenschaften wie Wendewinkel etc. werden beim Routing entsprechend berücksichtigt.
Für die Törnplanung nutzt er meist ein Tablet oder das MacBook unter Deck. Im Cockpit reicht ihm jedoch weiterhin das Smartphone. „Im Cockpit benutze ich einfach das Handy. Das ist wasserdicht und steckt in der Hosentasche.“
Auch ohne zusätzliche Bordelektronik funktioniert das System für ihn erstaunlich gut. AIS-Informationen in der Orca-App kommen über das Internet, was in der Nähe der Küste eigentlich immer verfügbar ist.
Einen Wunsch hat er trotzdem – vor allem für Tidenreviere.
Er würde sich eine Funktion wünschen, die automatisch den optimalen Abfahrtszeitpunkt berechnet. „Wenn ich zum Beispiel von Scheveningen nach Blankenberge will, wäre es großartig, wenn das System einfach sagt: Idealer Abfahrtszeitpunkt 8:15 Uhr. Denn Orca verfügt ja über alle Daten, die es dazu braucht.“
Oliver Ochse – der Segelberater auf Mallorca
Ganz anders ist der Einsatz bei Oliver Ochse. Der Segeltrainer arbeitet seit rund dreißig Jahren auf Mallorca und trainiert Crews vor allem in den Bereichen Performance, Segeltrimm und Gennakersegeln. Sein Trainingsboot ist eine Archambault M 34 mit deutlichem Regattacharakter. Regelmäßige Messebesucher werden Oli sicherlich kennen – von Vorträgen zu Segeltrimm und, wie auf der letzten boot Düsseldorf, über das Navigieren mit Orca.
Er nutzt Orca seit etwa zwei Jahren – und zwar mit der kompletten Hardwarelösung: An Bord arbeitet ein Orca Core, der in das bestehende NMEA-2000-Netzwerk eingebunden ist. Er liefert GPS-Daten, Kompassinformationen und stellt die Verbindung zu Tablet und Display her.

„Der Core ist im Grunde GPS-Antenne, Kompass und Prozessor in einem.“
Für Ochse ist besonders wichtig, dass sich Instrumente und Sensoren sauber kalibrieren lassen. „Die Windfahnen-Kalibrierung ist normalerweise ziemlich komplex. Mit dem Prozessor im Core funktioniert das überraschend gut.“

Auch das spezielle Orca-Display hat ihn überzeugt. „Ich habe auf der letztjährigen Ancora Boat Show im Regen gestanden und einen Vortrag gehalten. Trotz der Wassertropfen auf dem Display hat die Touchfunktion noch funktioniert.“
Oli bestätigt im Gespräch, dass das systemeigene Tablet, Orca-Display II, mit der induktiven Halterung, der guten Ablesbarkeit auch bei Sonnenlicht und der Wasserdichtigkeit alle bisherigen Probleme, die es bei der Navigation mit mobilen Endgeräten wie Tablets gab, mit einem Produkt vom Tisch räumt.
Trotz der positiven Erfahrungen sieht er noch Ausbaupotenzial. Besonders würde er sich eine passende Mastmontage für das Display wünschen. „Eine richtige Masthalterung wäre für uns sportlich engagierte Segler sinnvoll. So etwas bieten alle klassischen Instrumentenhersteller.“
Und noch ein größerer Wunsch steht auf seiner Liste:
„Eine kabellose NMEA-2000-Windfahne – dann wäre das System komplett.“
Mike Peuker – Einhand-YouTube-Influencer
Mike Peuker kommt ursprünglich aus der Luftfahrt. Nach vielen Jahren als Pilot wechselte er zum Segeln, segelte mit einem 9-Meter-Boot über den Atlantik und vercharterte in den Jahren danach drei Holzfolkeboote an der Schlei. Heute betreibt er einen YouTube-Kanal, schreibt und segelt eine Comfortina 32. Hier und da wird er auch für Skippertrainings gebucht.
Zu Orca kam er eher zufällig. Das Unternehmen fragte ihn, ob er das System testen wolle. „Sie haben gesagt: Probier es einfach aus. Wenn es dir nicht gefällt, schick es zurück, wenn es dir gefällt, behalte es.“ Vorgaben, was er auf seinem Kanal über Orca erzählen soll, gibt es dabei keine. „Mir wurde lediglich gesagt, wenn ich das System teste, würde man sich über eine Veröffentlichung auf dem Kanal freuen. Mehr nicht.“
Peuker hat kaum Bordelektronik. Seine Instrumente sind nicht einmal miteinander vernetzt. Selbst ein Windgeber fehlt.
Der erste Schritt war deshalb ein NMEA-2000-Starterkit, mit dem er Funkgerät mit AIS und Orca Core miteinander verband.

„Ich wollte unbedingt meine AIS-Daten vom Funkgerät auf dem Tablet sehen, denn auf dem Display des UKW-Gerätes erkennt man so gut wie nichts.“ Nach der Installation funktionierte das problemlos, und seitdem kann er die anderen Boote und Schiffe klar und deutlich auf dem Display in der Orca-App erkennen. „Nach einem Nachmittag hatte ich alle Daten auf dem Tablet.“ Besonders der Umfang der AIS-Anzeige auf dem Orca-Display hat ihn überzeugt: „Du siehst, wie schnell das Schiff fährt, den Closest Point of Approach, die Time to Closest Point of Approach, Heading und Bearing – also alles, was du brauchst, um die Situation einzuschätzen.“ Inklusive Schiffsfoto, welches durch eine Kooperation Orcas mit Marinetraffic enthalten ist.
Besonders beeindruckt hat ihn der Support des Herstellers. Als er einen Fehler im Messwerkzeug der App entdeckte, meldete er das inklusive Video.
„Nach zwei Tagen war das Problem mit einem Update behoben.“

Thorben Raffel – Elan-350-Segler und Technikexperimentierer
Thorben Raffel segelt eine Elan 350 in Grömitz und ist im dortigen Segelverein aktiv. Sein Boot war ursprünglich mit klassischer B&G-Elektronik ausgestattet. „Das Schiff habe ich damals aus Helsinki geholt und war zu der Zeit noch mit B&G-Geräten, Zeus, Precision Compass ausgestattet. Und ja, wenn man gerade so von Helsinki nach Grömitz segelt, muss man ja schon öfter mal die Karte wechseln. Das ist umständlich.“ 2023 entschied er sich auch deshalb für einen radikalen Schritt: Das komplette Orca-System mit Orca-Core, Orca-Display und dem Schwenkarm mit induktiver Ladehalterung zog auf seinem Boot ein. „Die Display-Halterung mit dem Schwenkarm ist super, weil die Elan zwei Steuerräder hat. Da kann ich immer passend hin- und herschwenken.“
Der B&G-Plotter landete schließlich bei eBay Kleinanzeigen.

Der größte Vorteil für ihn ist die nahtlose Synchronisation zwischen Geräten. „Ich plane die Route auf dem iPad, schalte das System ein und sofort ist sie auch auf dem Display am Steuerstand.“
Beeindruckt hat ihn außerdem die schnelle Weiterentwicklung der Software. „Man merkt, dass die Firma auf die Community hört.“
Ein ungewöhnliches Experiment hat Raffel ebenfalls gewagt: Er installierte die Orca-App auf einem E-Book-Reader, um ihn als zusätzliches Display für die Winddaten zu nutzen. „Der Reader zeigt bei Sonnenlicht hervorragend die Winddaten an. Die Orca-App gibt es zwar nicht in dem App-Shop des E-Readers, aber mit ein paar Umwegen hab ich das hinbekommen“, verrät der Ingenieur, der bei Airbus arbeitet. Er hat das Orca-Team auch sofort darüber informiert. Wie sie reagiert haben? „Die sind total offen dafür, finden das sehr interessant und freuen sich über weitere Infos dazu.“

Gibt es etwas, was Thorben im Vergleich zu seinem früheren Plotter vermisst? „Wenn es richtig stark regnet, das Display nass ist und du nasse Handschuhe anhast, wären ein paar Knöpfe manchmal praktisch.“
Oliver Schmidt Rybandt – Offshore-Profi und Illbruck-Skipper
Oliver Schmidt Rybandt arbeitet für das Team Speedsailing in Rostock, segelt und skippert für das Unternehmen die legendären Hochseeyachten wie die Ex-Illbruck oder SEB, beide Teilnehmer des Volvo Ocean Race. Außerdem hat er nah an der Entwicklung der Dehler 30 One Design mitgearbeitet, und mit diesem Boot hält er noch heute den Rekord beim Silverrudder-Einhandrennen rund Fünen.
Sein Verhältnis zur elektronischen Navigation ist ungewöhnlich: Obwohl er Regattasegler ist, nutzt er Technik vergleichsweise sparsam.
„Ich bin navigatorisch ziemlich faul geworden.“ Das liegt auch daran, dass er vor allem in der Ostsee in heimischen Gefilden segelt – ein Revier ohne Gezeiten und mit vergleichsweise überschaubaren navigatorischen Herausforderungen.

Seine navigatorische Ausbildung begann noch klassisch. „Mit vierzehn habe ich Navigation mit Karte, Dreieck und Zirkel gelernt.“ Später kam sogar astronomische Navigation dazu. Einen Sextanten besitzt er bis heute und nutzt ihn hin und wieder noch.
„Wenn wir alle Elektronik abschalten würden, käme ich klar.“
Orca hat er erst kürzlich ausprobiert. Bislang hat er privat meistens mit Navionics gearbeitet. Aber auch im Unternehmen wurde erst kürzlich darüber beraten, was man künftig an Bord der Volvos und anderen Racer benutzt. Sein erster Eindruck ist positiv – auch wenn er sich erst an den hohen Automatisierungsgrad gewöhnen muss.
„Das System sagt im Grunde: Fahr hier lang, ich weiß schon, wie es geht. Das ist für mich ziemlich ungewöhnlich.“
Für jemanden, der Navigation traditionell gelernt hat und manuelles Wetterrouting beherrscht, fühlt es sich für Oli offenbar komisch an, so etwas aus der Hand zu geben. „Ich denke manchmal: Moment – wäre es nicht besser um die Insel herum?“
Gleichzeitig erkennt er aber auch den praktischen Nutzen der automatischen Vorschläge. „Eigentlich ist das ziemlich genial.“
Besonders spannend wird für ihn sein, wie sich seine umfangreichen Polardaten der Illbruck in das System integrieren lassen. Diese stammen aus aufwendigen Testprogrammen mit zwei identischen Booten. „Empirische Daten unter Rennbedingungen sind Gold wert.“
Oli wird diese Saison Orca nutzen, ausprobieren und uns weiter berichten, wie seine Erfahrungen damit sind.
Fazit: Unterschiedliche Segler, unterschiedliche Wünsche, ähnliche Eindrücke
Die fünf Segler nutzen Orca auf sehr unterschiedliche Weise – vom reinen Smartphone-Einsatz bis zum vollständig integrierten Bordnetzwerk. Gemeinsam ist ihnen vor allem eines: Die Bedienung gilt als intuitiv, die Kombination aus Navigation und Wetterrouting als besonders stark.
Gleichzeitig zeigen die Gespräche, dass unterschiedliche Segler unterschiedliche Erwartungen haben. Während Fahrtensegler vor allem einfache Bedienung schätzen, interessieren sich Regattasegler stärker für Datenqualität und Integration in bestehende Systeme.
Gerade diese Vielfalt an Perspektiven macht die Erfahrungsberichte spannend – und liefert gleichzeitig wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung der Software. Ab sofort erscheinen regelmäßige Updates und Erfahrungsberichte unserer Segler zum Navigieren mit Orca.
Das gesamte Gespräch wurde in unserem Podcast aufgezeichnet: Jetzt anhören.
Mehr zu Orca:
Offizielle Webseite von Orca Navigation
Stephan Bodens Kolumne: Warum die Navigation mit Orca eine echte Revolution ist



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